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SucheSuchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln: ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-diskutiert
| ![]() Ein Gott, der nichts mehr verlangtvor 8 Stunden in Kommentar, 10 Lesermeinungen Wie aus dem Gegenüber eine kosmische Macht wurde – „Evangelisierung beginnt nicht bei Strukturen, Programmen oder Aktionen. Sie beginnt dort, wo Gott wieder als der verkündet wird, der jemanden meint!“ Gastbeitrag von Diakon Ulrich Franzke Essen (kath.net) Ich frage Menschen manchmal nach ihrem Gottesbild. „Was für ein Gottesbild hast du?“ Oft kommt keine Antwort. Keine Entgegnung, kein Ausweichen. Ein Schweigen. Man spürt: Die Frage trifft, aber sie findet keine sprachliche Ebene. Nicht, weil sie abgelehnt wird, sondern weil die Worte fehlen. Später fällt gelegentlich ein Begriff: „kosmische Macht“, „größeres Ganzes“. Formulierungen, die beruhigen. Und genau darin liegt ihr Problem. Diese Sprachlosigkeit begegnet mir außerhalb und auch innerhalb der Kirche. Sie zeigt sich auch dort, wo eigentlich selbstverständlich vom biblischen Gott die Rede sein müsste. In Predigten, die korrekt sind und niemanden treffen. In Gebeten, die wohlklingen, aber keine Antwort erwarten. In Segnungen, die gut tun sollen, ohne etwas zu verlangen. Gott kommt vor. Aber selten als Gegenüber. Man spricht über ihn, manchmal in seine Richtung, oft in seinem Namen. Man rechnet kaum noch damit, dass er selbst spricht. Oder ruft. Oder widerspricht. Vielleicht liegt genau darin die Entfremdung: Denn ein Gott, der antwortet, bleibt nicht folgenlos. Ein Gott, der wirklich Gegenüber ist, fordert. Er tröstet nicht nur, er stellt Fragen. Er bestätigt nicht nur, er widerspricht. Er bindet. Und Bindung ist anstrengend. Eine „kosmische Macht“ dagegen verlangt nichts. Sie redet nicht zurück. Sie erklärt vielleicht – aber sie meint niemanden. Sie kennt kein Du. Hier zeigt sich eine Verschiebung: Gott wird nicht geleugnet, sondern entschärft. Er bleibt als Begriff präsent, verliert aber seine Personalität. Der Gott der Bibel fragt nicht nach der Menschheit, sondern nach diesem einen Menschen: „Wo bist du?“ Und er erwartet eine Antwort. Wo Gott nur noch Macht ist, verschwindet diese Adressiertheit. Und was nicht mehr angeredet werden kann, kann nicht antworten, nicht widersprechen, nicht retten und nicht erlösen. Die Entpersonalisierung Gottes erweist sich dabei weniger als das eigentliche Problem denn als dessen Symptom. Sie entsteht nicht aus theologischer Unachtsamkeit, sondern aus einer tieferen Vermeidungslogik. Ein Gott, der Person ist, zwingt zur Antwort, zur Entscheidung, zur Verantwortung. Eine Macht tut das nicht. Wo Gott zur kosmischen Macht wird, geschieht das nicht, weil man ihn besser verstanden hätte, sondern weil man sich der Zumutung des Angerufenseins entzieht. Die Entpersonalisierung schützt vor Beziehung – und damit vor Wahrheit. Besonders deutlich wird diese Verschiebung an einem scheinbaren Randthema: den Engeln. Engel sind kein Zusatzstoff des Glaubens, sondern ein empfindlicher Seismograph. In populären Vorstellungen erscheinen sie heute als freundliche Begleiter: jederzeit verfügbar, bestätigend, konfliktscheu. Nähe ohne Anspruch. Sinn ohne Verantwortung. Man kann von Engeln sprechen, ohne von Gott sprechen zu müssen. Der klassische Schutzengel funktioniert anders. Er gehört nicht mir. Er steht nicht zu meiner Verfügung. Er ist an Gott gebunden. Seine Aufgabe ist nicht, mich zu bestätigen, sondern meine Beziehung zu Gott offen zu halten. Der Schutzengel führt zu Gott hin. Der kitschige Engel ersetzt ihn. Wo Engel so entschärft werden, verschwindet auch die Möglichkeit ihres Falls. Und wo es keinen gefallenen Engel mehr gibt, verliert das Böse sein Gesicht. Es wird zum Prinzip. Und Gott zur kosmischen Macht. Zwei Seiten derselben Bewegung. Die christliche Tradition unterscheidet nüchtern zwischen dem Bösen als Struktur und dem Bösen als Person. Zwischen erfahrbarer Zerstörung und personaler Gegnerschaft. Wer das Böse nur noch als Struktur beschreibt, macht es abstrakt – Verantwortung verdunstet. Und wo der Böse als Person verschwindet, wird infolge auch Gott unpersönlich. Diese Verschiebung geschieht nicht nur gesellschaftlich. Sie geschieht kirchlich. Sprache spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wie wir beten, prägt, was wir glauben; lex orandi, lex credendi. Vielleicht müsste man heute sagen: Wie wir reden, formt unser Gottesbild: lex dicendi, lex credendi. Entschärfte Sprache erzeugt entschärftes Denken. Und dieses entschärfte Denken einen harmlosen Gott. Man sieht das an Segnungen, an Sakramentalien, am Weihwasser. Wo, im Gegensatz zu früher, nichts mehr abgewehrt, nichts mehr klar adressiert wird, verschwindet das Bewusstsein für Gegnerschaft. Der Böse wird aus der Sprache verdrängt – und mit ihm aus dem Denken. Diese Entwicklung ist nicht zufällig. Sie ist auch nicht allein dem Zeitgeist geschuldet. Sie hat kirchliche Ursachen. Über Jahre hinweg wurde Gott vor allem als tröstend, begleitend, verständnisvoll vermittelt – selten als der, der ruft, unterbricht und Anspruch erhebt. Nicht aus böser Absicht, sondern aus Angst vor Überforderung, Konflikt und Ablehnung. Ein Gott, der wirklich spricht, ist nicht verwaltbar. Er passt schlecht in Gremienlogiken, Erwartungsmanagement und pastoral abgesicherte Sprachregelungen. Also wird er entschärft. Auch von denen, die ihn eigentlich verkünden sollten. Karl Rahner hat versucht, Gott dem modernen Menschen sagbar zu halten, indem er ihn vom inneren Erleben her dachte – nicht um Gott zu entpersonalisieren, sondern um seine Transzendenz vor der Banalisierung zu retten. Das war notwendig. Aber gefährlich. Denn wo Gott vor allem als Horizont menschlicher Erfahrung rezipiert wird, wie es in seiner Wirkungsgeschichte oft geschah, tritt er nicht mehr hervor. Er ist da – aber nicht mehr ansprechbar. Johann Baptist Metz hat das scharf kritisiert. Ein Gott, der nur mitfühlt, ohne zu handeln, ist kein biblischer Gott. Trösten ohne Rettung entmachtet Gott. Joseph Ratzinger hat den Punkt zugespitzt: Wo Gott nicht mehr spricht, kann der Mensch nicht antworten. Wo Gott nur noch Prinzip ist, verliert Beziehung ihren Ernst. Hier liegt der eigentliche Konflikt unserer Zeit. Nicht zwischen streng und lieb. Nicht zwischen Vergangenheit und Moderne. Sondern zwischen einem Gott, der Person ist, und einem Gott, der zur Funktion wird. Zwischen einem Gott, der fordert, weil er liebt, und einem Gott, der tröstet, weil er nichts mehr erwartet. Dass viele Menschen beim Nachdenken über Gott bei einer „kosmischen Macht“ landen, ist kein individuelles Versagen. Es ist das Ergebnis einer langen Verschiebung – auch innerhalb der Kirche. Evangelisierung beginnt deshalb nicht bei Strukturen, Programmen oder Aktionen. Sie beginnt dort, wo Gott wieder als der verkündet wird, der jemanden meint! In der Heiligen Schrift, die nicht nur Information liefert, sondern vor allem Anrede ist. In der Liturgie, wo Worte nicht beschreiben, sondern vollziehen. Und in der Beichte, diesem heute fast vergessenen Ort radikaler Personalität, an dem ein Mensch „Ich“ sagt – und Gott antwortet. Dort ist Gott nicht kosmische Macht, sondern Gegenüber. Dort ruft er beim Namen, widerspricht, vergibt und richtet auf. Charles Baudelaire hat zugespitzt formuliert: „Die schönste List des Teufels ist es, den Menschen davon zu überzeugen, dass es keinen Teufel gibt.“ Vielleicht gehört heute eine zweite List dazu: Gott so zu denken – und zu verkünden –, dass er niemanden mehr rufen kann. Wo Gott kirchlich entschärft und entpersonalisiert wird, verliert nicht nur der Glaube seine Schärfe. Der Mensch verliert sein Gegenüber. Und damit neben dem Sinn auch sein Heil. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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