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| ![]() Maria – Marta – Lazarus: Christus, der Freund des Lebensvor 11 Stunden in Spirituelles, 1 Lesermeinung „Bethanien auch ein Bild für die Kirche. Die Kirche ist im tiefsten Sinn kein System und keine Institution. Sie ist ein Haus der Freundschaft zwischen Gott und Mensch.“ Von Archimandrit Dr. Andreas- Abraham Thiermeyer Eichstätt (kath.net) Predigt zum 5. Fastensonntag Lesejahr A (Joh 11,1–45) 1. Bethanien – ein Haus der Freundschaft Hier begegnen wir nicht zuerst dem Lehrer, dem Wundertäter oder dem Rabbi. Hier begegnen wir dem Freund. Der heilige Augustinus sagt dazu: Der Herr liebte Lazarus nicht nur als Schöpfer seine Kreatur, sondern als Freund seinen Freund. Darum ist Bethanien auch ein Bild für die Kirche. Die Kirche ist im tiefsten Sinn kein System und keine Institution. Sie ist ein Haus der Freundschaft zwischen Gott und Mensch. Und doch geschieht gerade hier das Drama des Todes. 2. Wenn Gott scheinbar zu spät kommt Oft geschieht gerade in Zeiten des Wartens etwas Entscheidendes. Der Glaube wird tiefer. Die Beziehung zu Christus wird ehrlicher. Und manchmal erkennen wir erst später, dass Gott nicht abwesend war, sondern uns auf einen größeren Horizont vorbereitet hat. 3. Marta – die Frau des großen Glaubens Und dann spricht Jesus einen der wichtigsten Sätze des Evangeliums: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Nicht: Ich bringe irgendwann Auferstehung. Nicht: Ich erkläre euch das Leben. Sondern: „Ich bin.“ In seiner Person ist das Leben selbst gegenwärtig. Und dann stellt Jesus die entscheidende Frage: „Glaubst du das?“ Diese Frage ist nicht nur an Marta gerichtet. Sie ist an jeden von uns gerichtet. Glaubst du – auch wenn das Leben dunkel wird? Glaubst du – auch wenn Hoffnungen zerbrechen? Glaubst du – auch wenn du den Tod riechst, wie Marta sagt? Marta antwortet mit einem der größten Bekenntnisse der Bibel: „Ja, Herr, ich glaube: Du bist der Christus, der Sohn Gottes.“ 4. Maria – die Sprache der Tränen Die Kirchenväter haben diesen Moment tief betrachtet. Der heilige Ephraim der Syrer sagt: Er weinte als Mensch über Lazarus – und rief ihn als Gott aus dem Grab. Das ist der große Trost des Evangeliums: Christus steht nicht neben unserem Leid wie ein Beobachter. Er erklärt es nicht weg. Er geht mitten hinein. - Der Gott des Evangeliums ist kein kalter Philosoph. Er ist der Freund, der mit uns weint. Christen dürfen trauern. Der Glaube verbietet die Tränen nicht. Aber er öffnet sie auf Hoffnung hin. 5. Das Grab – und der Stein Der heilige Augustinus sagt: Der Herr erweckt Lazarus – doch die Menschen rollen den Stein weg und lösen die Binden. Das Wunder kommt von Gott, aber Menschen sollen mitwirken. Sie sollen einander zur Freiheit behilflich sein. 6. „Lazarus, komm heraus!“ 7. Die Binden unserer Zeit „Komm heraus.“ Komm heraus aus deiner Resignation. Komm heraus aus deiner inneren Grabeshöhle. Komm heraus aus dem, was dich lähmt. Und zur Kirche, zu uns allen, sagt Christus: „Löst ihm die Binden.“ Durch Geduld. Durch ein gutes Wort. Durch Vergebung. Durch konkrete Liebe. Wo Christus gegenwärtig ist, da sollen Menschen aufatmen können. Da sollen Steine weggerollt werden. Da sollen Fesseln fallen. 8. Ein Evangelium auf Ostern hin Aber es gibt einen Unterschied. Lazarus kehrt in dieses irdische Leben zurück. Er wird eines Tages wieder sterben. Christus aber wird auferstehen, um nie mehr zu sterben. Darum ist dieses Evangelium eine Öffnung auf Ostern hin: Es zeigt uns: Der, der hier am Grab seines Freundes steht und um ihn weint, wird selbst in das Grab hinabsteigen. Und der, der ruft „Komm heraus“, wird am Ostermorgen selbst als der Lebendige hervorgehen, um uns das ewige Leben zu schenken. 9. Das Evangelium unseres Lebens Denn kein Grab ist tiefer als seine Macht. Keine Dunkelheit stärker als sein Licht. Kein Tod endgültiger als seine Liebe. Darum dürfen wir glauben: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das letzte Wort gehört Christus. Und dieses Wort heißt: Leben. Amen. Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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