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| ![]() Entfremdung und Annäherung – Für einen Katholiken in Deutschland gibt es doch immer noch Romvor 2 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung „Es gibt noch Rom, es gibt noch viele Priester und Theologen, die in der Lage sind, dem kirchenfernen mainstream zu widerstehen und das Wort Gottes in seinem Sinne auszulegen.“ Von Lothar C. Rilinger Hannover (kath.net) Nicht nur das Leben ist ein ständiges Auf und Ab, auch die Gläubigkeit – auch die Nähe zu Gott. Nichts ist statisch, alles fließt, wie wir es in der Schule gelernt haben. Und in diesem Fließen der Gedanken, Einstellungen und Werturteilen, in diesem Suchen nach der je eigenen Bestimmung hatte ich auch nicht die Religion ausgenommen. In meinem Berliner Kindergarten lernten wir kleine Gebete, und ich machte die Bekanntschaft mit einer kindlichen Frömmigkeit, die ja fern jeglicher Intellektualität war, doch vollständig das kindliche Gemüt okkupierte. Vor und nach dem Essen beteten wir, abends befahlen wir uns der Fürsorge Jesu Christi, und Heiligenlegenden wurden uns vorgelesen. Später kam dann auch noch unsere Mutter und verabschiedete uns mit einem Kreuzzeichen in die Nacht. Wir drei Geschwister, die lange nach der Hochzeit unserer Eltern geboren wurden, waren im Glauben aufgehoben, er war Teil unseres Selbst geworden, ja, er war eine Selbstverständlichkeit. Zur der Zeit, als ich fünf Jahre alt war, verlegte unser Vater den Sitz der Bank nach Hannover, da die Insel Berlin keine ökonomische Zukunft eröffnen wollte. Wir lebten dann ganz in der Nähe des Franziskanerklosters, und dort gingen wir auch zur Erstkommunion. Während des Kommunionunterrichts lernte ich Pater Karl Hoffmann kennen, den Pater, der mich viele Jahre begleitet hat – als Religionslehrer in unserem Gymnasium und als Beichtvater. Und als ausgleichender Mittler in den Angriffen, die mein Vater so manches Mal von der Kanzel erfahren musste. Später wurden mein Bruder und ich Ministranten, wobei ich zum Oberministranten aufsteigen konnte. Ich kniete alleine neben allen anderen Messdienern im Altarraum, angetan mit Messgewändern aus Samt oder konnte meistens als Levit das Weihrauchfass schwenken. Auch wurde ich, nachdem ich ein wenig Sprachunterricht erhalten hatte, zum Lesen der Epistel gebeten – selbstredend ohne Lautsprecheranlage. Oft dienten wir vier Mal am Sonntag, allerdings gingen wir, nachdem wir die Predigt schon zwei Mal gehört hatten, sehr zum Ärger des zelebrierenden Mönchs, während der Predigt in die Sakristei. Einmal im Monat feierten wir eine Messe im Annastift, einer „Krüppelanstalt“ als die dieses Krankenhaus im 19. Jahrhundert von privater Seite gegründet worden war und das jetzt Teil der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist, um den vielen Kranken und Behinderten die Möglichkeit zu geben, an der Eucharistie teilzunehmen. Tief beeindruckt hat mich jedes Mal der Anblick eines sechszehnjährigen Mädchens, das seit fünfzehn Jahren auf Grund einer Krankheit an das Bett gefesselt war. Immer, wenn ich dieses Mädchen sah, das ihr Schicksal in Gottes Hand gelegt hatte und stumm bereit war, alles zu erdulden, hatte ich das Gefühl, dass meine eigene Krankheit, die zwar oft schmerzhaft war, doch nicht so schlimm sein konnte wie diejenige des Mädchens. Im Leiden des Mädchens verloren meine eigene an Bedeutung. Jetzt im Nachhinein kann ich es in Worte fassen: Der Schmerz des Mädchens relativierte meine eigenen. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich später auf einer Klassenfahrt, als wir die Bodelschwingh´schen Anstalten in Bethel besuchen konnten. Wir wurden damals in einen Raum geführt, der durch eine Kordel vom hinteren Bereich abgetrennt war. Dort im Hintergrund stand ein Stuhl, auf dem – wie ich meinte – etwas lag, ein undefinierbarer Klumpen. Der Pfleger wies uns darauf hin, dass dort ein Mensch liege, ja ein Mensch, der nicht wie ein solcher aussehe, aber trotzdem einer sei. Damals hatte ich noch keine Vorstellungen von Menschenrechten, doch hatte ich gleichwohl das Gefühl, dass dort ein Wesen liegt, das als imago Dei ein Geschöpf Gottes ist. Später im Studium wurde mir bewusst, dass dieser Mensch, der nicht wie einer aussah, ein Rechtssubjekt ist, eine Person, die ebenfalls unter dem Schutz der Verfassung steht und Inhaberin von Menschenrechten ist. Diese beiden Begegnungen, diejenigen in Hannover und in Bethel, haben mein Verständnis von Menschenrechten zutiefst beeinflusst. Auch in diesen Menschen zeigt sich Gott, auch diesen Personen sind Rechte intrinsisch – genauso wie allen Menschen, auch den ungeborenen. Während des Studiums in Freiburg im Breisgau verebbte mehr und mehr die Frömmigkeit. Ich wurde in einem Kösener Corps aktiv, und deshalb hatte ich keine Zeit mehr, sonntags in die Messe zu gehen. Zwar bin ich oft wochentags ins Freiburger Münster gegangen, um ein kurzes Gebet zu sprechen, doch die Distanz zur Kirche wurde immer größer. Mir mangelte es an der Intellektualität in den Predigten. In unserer Franziskanerkirche erschöpfte sich oft die Glaubensverkündigung im Poltern – mit Worten und mit dem Schlagen der Fäuste auf die Brüstung der Kanzel. Als dann mein Vater, nicht von Pater Karl, wiederholt von der Kanzel beschimpft wurde, weil er während der Wandelung nicht ordentlich kniete, schließlich hatte er eine Maschinenpistolengarbe durch die rechte Körperhälfte erhalten, die unter anderem sein Knie fast unbeweglich hatte werden lassen, zweifelte ich an dem Barmherzigkeitsversprechen des Katholizismus. Deshalb zog es mich ab und zu in Kirchen, in denen ich auf eine intellektuell anspruchsvolle Predigt rechnen konnte. Mein Glück suchte ich in evangelischen Kirchen, auch einmal in einem Gottesdienst in Oxford, doch immer fehlte etwas, immer fehlte das Besondere, das ich in meiner Jugend so geschätzt hatte. Doch während eines Tanzfestes auf dem Lande hatte ich eine Begegnung, die mich auf einen neuen Weg, den endgültigen, führte. Ich kam mit einem jungen Mediziner ins Gespräch, der sich an der Medizinischen Hochschule Hannover habilitierte und nebenbei christliche Philosophie am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, einer Institution der Diözese Hildesheim, studierte, Er, der aus Salzburg stammt und mittlerweile Primarius in Wien sowie Professor in Heiligenkreuz ist, berichtete von einem philosophischen Kongress, der in Hannover stattfinden sollte und von dem Institut durchgeführt wurde, an dem er studierte. Gemeinsam suchten wir die Tagung auf, und dort entschied sich mein weiterer intellektueller Weg. In den Vorträgen fand ich die am Christentum orientierte Intellektualität, die ich gesucht hatte. In einem längeren postgradualen Studium an diesem Forschungsinstitut konnte ich, auch in den vielen Gesprächen mit den Direktoren Peter Koslowski und Reinhard Löw, die geistige Grundlage erarbeiten, die mich in meinen philosophischen und politischen Vorstellungen leitet. Und dort begegnete ich den Schriften von Joseph Ratzinger. Zuerst fand ich in unserer Alten Bibliothek nur zwei Bände von ihm, doch inzwischen bilden sie eine komplette Abteilung. Sie sind die Fundgrube, aus der ich die Begründungen heben kann, um Gedanken zur christlichen Philosophie und zur am Christentum orientierten Politik zu formulieren und zu publizieren. Und: In den Schriften dieses Gelehrten entdeckte ich die Schönheit des Glaubens, seine Gedanken sind wie ein Gerüst, das meinem Denken Sicherheit, Orientierung und vor allem die Gewissheit verleiht, von der richtigen Seite der Geschichte aus argumentieren zu können. Auch wenn ich jetzt mit dem intellektuellen Teil des Katholizismus versöhnt war – mit dem seelsorgerlichen hingegen nicht. Da ich im Studium gelernt habe, dass das Recht auf Prinzipien fußt, erkannte ich, dass auch die Religion auf Prinzipien aufgebaut ist, die eingehalten werden müssen, um für fast anderthalb Milliarden Katholiken einen Glauben vertreten zu können. Doch die Kirche in Deutschland schien sich mir immer mehr von dieser Einheitlichkeit des Glaubens entfernen zu wollen. Ein sogenannter „Synodaler Weg“ wurde – dogmatisch eher fragwürdig – erdacht, um progressistische Ideen, die dem politischen mainstream entlehnt wurden, der kirchlichen Lehre entgegenzusetzen, ja, ihr vorzuziehen. Privatliturgien in den Messen wurde präferiert; das Confiteor wurde eliminiert; weitere feste Gebete wurden durch kleine Liedchen ersetzt, die allerdings nicht das Niveau einer Gebrauchsmusik übersteigen können; begrüßt wird die Gemeinde durch den zelebrierenden Priester mit einem kernigen „Guten Tag!“ und die vom Chor, stellvertretend für die Gemeinde, singend gebetete Gebete werden beklatscht. Die individuelle Messgestaltung scheint den Inszenierungswünschen des Priesters zu entspringen, um der Liturgie die eigene Prägung zu verleihen. Je weiter sich aber die Kirche von der Einheitlichkeit der Lehre und der Liturgie entfernte, umso größer wurde auch meine Distanz zu ihr. Schon durch die Beschlüsse des letzten Konzils zur Liturgie erfolgte eine Verwässerung des katholischen Momentes, der Universalität der Kirche, indem jede Ortskirche die Liturgie in der eigenen Volkssprache feiern kann. Derjenige, der oft im Ausland lebt, verspürt schmerzhaft diesen Verlust an Einheitlichkeit, wenn die liturgischen Texte in einer Sprache gebetet werden, die er nicht mehr versteht. Als Papst Franziskus in den Vatikanischen Gärten dem heidnischen Ritus der Anbetung der Göttin Pachamama beiwohnte und nicht protestierte, er sich später sogar vor der rainbowflag, in der Fassung der Friedensflagge, dem Symbol des Kampfes gegen die christliche Kultur und das Christentum an sich, ablichten ließ und auch vor der Kirche unserer Heimatgemeinde dieses atheistische Kampfsymbol gegen die christliche Religion monatelang wehte – als Franziskus sich selbst, soziologisch, als Kommunist bezeichnete und Jesus Christus auch gleich noch, was naturgemäß einen Antikommunisten heftig irritierte, zumal ja bekannt sein sollte, wie der Kommunismus zum Christentum und zu Gott steht, blieb mir nur die Hoffnung auf die deutschsprachigen Kirchenvertreter in Rom, die ich im Rahmen der Vorbereitung von Büchern über philosophische, religiöse und politische Fragen, die sich mir in Rom entgegengestellt haben, kennen gelernt habe. Ob Benedikt XVI., dem ich ja nur auf die Entfernung und in der Korrespondenz sowie in seinen Schriften begegnet bin, ob die Kardinäle Müller, Koch und Cordes, ob die vielen Priester und Professoren, Journalisten und Politiker, die ich dort getroffen habe – alle waren und sind weit von den Vorstellungen der Mehrheit der deutschen Kirchenvertreter entfernt. In der Beschäftigung mit deren Schriften, wobei Kardinal Müller und ich in besonderer Weise zusammenarbeiten und im Herbst einen neuen Gesprächsband über die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils herausbringen werden, fand ich die Grundlage im Glauben, die mich gefestigt hat, sämtlichen politischen Verirrungen der deutschen Kirche zu widerstehen. Und ich fand dort in Rom in der Begegnung mit den Priestern das seelsorgerliche Moment, das ich gesucht hatte. Es gibt noch Rom, es gibt noch viele Priester und Theologen, die in der Lage sind, dem kirchenfernen mainstream zu widerstehen und das Wort Gottes in seinem Sinne auszulegen. Das ist der Trost und zugleich die Gewissheit, dass die Kirche weiterlebt und im Befolgen der kirchlichen Lehre auch Zukunft hat. In Frankreich erleben wir, wie durch den Rekurs auf die Lehre, aber auch auf das alte Missale die Sehnsucht nach Gott wächst und viele Gläubige leitet. Hierin ist auch die Hoffnung begründet, dass sich ebenfalls die deutsche Kirche von ihrem politisierten Weg verabschiedet und sich wieder der römischen Lehre nähert. Denn Rom ist weit entfernt, und jeder Gläubige möchte doch seine Kirche in der Nähe wissen. Lothar Rilinger (siehe Link) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht i.R., stellvertretendes Mitglied des Niedersächsischen Staatsgerichtshofes a.D., und Autor mehrerer Bücher. kath.net-Buchtipp: Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. 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