
Ein Champion am Galgen – und die Welt sieht wegvor 4 Stunden in Kommentar, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Im Iran wurden vergangene Woche mehrere Menschen öffentlich gehängt - Die UNO, die EU , die Kirchen und sonstige "Moralapostel" haben auch dazu geschwiegen - Ein Kommentar von Roland Noé
Teheran (kath.net/rn)
Mit Saleh Mohammadi starb vergangen Woche im Iran nicht nur ein 19-jähriger Ringer-Champion, sondern ein weiteres Stück menschlicher Anständigkeit auf der Weltbühne. Dass ein junges Talent, dessen größte „Schuld“ die Sehnsucht nach Freiheit war, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion hingerichtet wird, ist ein weiterer Offenbarungseid für das Mullah-Regime. Doch fast noch erschütternder als die Brutalität in Teheran ist das dröhnende Schweigen jener, die sich sonst so gerne als moralische Instanzen stilisieren.
Die Vereinten Nationen, die in ihren Hochglanzbroschüren regelmäßig die Menschenrechte als unantastbar feiern, verlieren sich in bürokratischen Floskeln und „Besorgnis“-Bekundungen. Wenn ein 19-jähriger Athlet hingerichtet wird, ist an der UNO diplomatisches Business as usual. Ein Gremium, das den Iran teils in Frauenrechtskommissionen (!) sitzen lässt, hat seine moralische Kompassnadel längst verloren.
Auch die Europäische Union, die bei jeder Gelegenheit europäische „Werte“ beschwört, schweigt. Es gibt weder diplomatischen Konsequenzen noch einen geschlossenen Rückzug der Botschafter. Geopolitische Taktik und die Angst vor eskalierenden Konflikten wiegen schwerer als das Leben eines jungen Sportlers. Wer zu solchen Gräueltaten schweigt, macht sich mitschuldig an der Normalisierung des Terrors.
Besonders bitter ist das Schweigen der katholischen Kirchen. Parolin, der gerne die USA und Israel kritisiert, schweigt wieder einmal. Und während man sich im Westen in innerkirchlichen Strukturdebatten und kirchenpolitischen Grabenkämpfen verheddert, findet man kaum Worte für die Christen und die freiheitsliebenden Menschen im Iran, die buchstäblich um ihr Überleben kämpfen. Ein mutiges Zeugnis gegen die Barbarei sieht anders aus. Wenn das Evangelium die Würde jedes Menschen betont, dann darf die Kirche nicht schweigen, wenn diese Würde am Galgen endet. 
Saleh Mohammadi wurde hingerichtet, weil er auf eine bessere Zukunft hoffte. Dass die UNO, die EU und die Kirchen diesen Mord mit kollektivem Achselzucken oder leisen Pressestatements quittieren, ist ein Verrat an jenen Werten, die sie zu schützen vorgeben. Johannes Hartl bringt es gut auf den Punkt: "Während im Iran gestern drei junge Männer erhängt wurden, weil sie gegen das islamische Regime protestierten, überbieten sich staatliche Stellen und Kommunen hierzulande darin, das islamische 'Zuckerfest' als heimische Folklore zu normalisieren."
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