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| ![]() Ostern – oder die Frage, die wir vermeidenvor 2 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung „Ostern ist nicht nur Trost. Ostern ist auch Ernst … Wir entscheiden darüber, ob wir mit Gott leben wollen. Diese Entscheidung reicht weiter als bis an unser Grab. Sie entscheidet darüber, wo wir unsere Ewigkeit verbringen.“ Von Diakon Ulrich Franzke Essen (kath.net) „Er ist auferstanden.“ Ein Satz, der schnell gesagt ist und doch alles verändert, wenn man ihn ernst nimmt; ein Satz, den wir jedes Jahr hören und sicher bejahen, ohne dass wir noch erfassen, was wir damit eigentlich sagen. Ich erinnere mich an eine Osternacht vor einigen Jahren in Roßhaupten, in der ich versucht habe, mich diesen Worten in einer Predigt zu nähern – nicht, weil sie neu wären, sondern weil wir sie zu kennen glauben – und gerade deshalb nicht mehr verstehen: Was feiern wir da eigentlich? Denn wer von Auferstehung spricht, kommt am Kreuz nicht vorbei. Und wer das Kreuz ernst nimmt, muss sich zunächst von jeder Verharmlosung lösen. Das Kreuz war kein Symbol. Es war ein Marterholz. Ein Mensch wurde dort nicht einfach getötet, sondern gequält, ausgestellt, erniedrigt. Gegeißelt, bis der Körper aufgerissen war, dann an das Holz genagelt, den eigenen Atem zum Feind gemacht, weil jedes Aufrichten, um Luft zu holen, neue Schmerzen bedeutete, bis die Kraft nachließ und der Tod durch Ersticken eintrat. Dass Christen dieses Kreuz verehren, ist nicht selbstverständlich. Es ist erklärungsbedürftig. Vielleicht muss man deshalb wieder einfacher fragen: Was ist da geschehen, wann und wo ist es geschehen, wer ist dort gestorben – und warum? Historisch betrachtet ist zunächst nichts Einzigartiges zu sehen: ein Prozess unter römischer Besatzung, eine Hinrichtung, wie sie damals nicht selten war. Auch der Ort – Jerusalem – und die Zeit – kurz vor dem Pessachfest – erklären zunächst nur den Rahmen. Und doch ist genau dieser Rahmen aufschlussreich: zur Zeit des Pessach, am Ort des Tempels, stirbt einer, während im religiösen Bewusstsein Israels das Opferlamm präsent ist, das dargebracht wird, damit Leben möglich bleibt. Der Zusammenhang liegt offen da. Wir haben ihn weitgehend verloren. Und doch gilt: Entscheidend ist nicht zuerst das Was und nicht das Wo. Entscheidend ist das Wer. Wenn am Kreuz nur ein Mensch stirbt, dann bleibt Karfreitag ein tragisches Ereignis der Geschichte. Wenn dort aber wirklich der stirbt, von dem der Hauptmann sagt: „Wahrhaftig, dieser ist Gottes Sohn gewesen“, dann geschieht etwas anderes: Dann bleibt Gott nicht auf Distanz, dann erklärt er nicht, dann greift er nicht von außen ein, sondern geht selbst hinein – in das Leiden, in die Schuld, in den Tod. Das ist die eigentliche Zumutung. Und damit steht die Frage im Raum, die wir gerne vermeiden: Warum? Warum dieses Kreuz, warum dieses Leiden, warum dieses Opfer? Ohne Ostern bleibt diese Frage unbeantwortet. Erst im Licht der Auferstehung wird sichtbar, was am Kreuz geschehen ist: dass hier nicht nur ein Mensch leidet, sondern dass hier etwas getragen wird, was der Mensch selbst nicht tragen kann. Die Tradition spricht von Sühne. Das ist kein archaischer Restbegriff, sondern der Versuch, etwas sehr Nüchternes auszusagen: dass Schuld nicht einfach verschwindet, dass sie nicht durch Erklärung aufgehoben wird, sondern dass sie eine Wirklichkeit ist, die trennt – den Menschen von Gott. Und dass diese Trennung nicht vom Menschen selbst überwunden werden kann. Sühne meint deshalb nicht ein grausames Gottesbild, in dem der Sohn einen zornigen Vater besänftigen müsste, sondern das Gegenteil: In Christus handelt Gott selbst. Er trägt, was den Menschen von ihm trennt. Das Opfer ist nicht eine Forderung an den Menschen. Es ist die Gabe Gottes. Jesus Christus wird nicht zum Opfer gemacht. Er gibt sich selbst. Als das Lamm, das die Sünde der Welt trägt. Und genau hier beginnt das Problem unserer Zeit. Wir sprechen noch von Vergebung, aber kaum noch von Schuld – und wundern uns, dass das Kreuz leer wird. Wir sprechen von Annahme, aber kaum noch von Umkehr – als dürfte der Mensch bleiben, wie er ist, als wäre Umkehr unnötig. Und so meinen wir, das Kreuz werde verständlich – und machen es überflüssig. Wir haben es entschärft. Doch wenn das Kreuz mehr ist als ein Symbol, dann bleibt das nicht folgenlos. Denn Gott handelt – aber er zwingt nicht. Er rettet nicht gegen den freien Willen des Menschen, sondern sucht seine Zustimmung, seine Umkehr, seine Öffnung. Nicht Gott verschließt sich dem Menschen, sondern der Mensch verschließt sich Gott. Erlösung geschieht nicht automatisch. Sie will angenommen werden. Was am Kreuz objektiv geschehen ist, muss den einzelnen Menschen auch erreichen. Und wenn Vergebung mehr ist als ein Gedanke, dann braucht sie einen Ort, an dem sie geschieht. Die Kirche kennt diesen Ort. Die Beichte. Nicht als Pflichtübung, sondern als der konkrete Punkt, an dem das, was am Kreuz geschehen ist, den einzelnen Menschen trifft; wo aus dem „für uns“ ein „für mich“ wird. „Fürchtet euch nicht. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.“ Das ist keine fromme Erinnerung und kein liturgischer Satz für einmal im Jahr. Es ist Wirklichkeit. Denn wenn Christus auferstanden ist, dann ist der Tod nicht mehr das Letzte. Dann ist Christus am Kreuz nicht gescheitert. Dann ist Schuld nicht einfach verdrängt, sondern überwunden worden. Dann ist eine neue Wirklichkeit aufgebrochen, die der Mensch nicht selbst hervorbringen kann. Gott drängt sich nicht auf. Er rettet nicht gegen den Menschen. Aber er ruft ihn. Zur Umkehr. Zum Glauben. Zur Annahme dessen, was am Kreuz für ihn geschehen ist. Darum ist Ostern nicht nur Trost. Ostern ist auch Ernst. Denn wir entscheiden nicht nur darüber, wie wir leben. Wir entscheiden auch darüber, ob wir mit Gott leben wollen. Und diese Entscheidung reicht weiter als bis an unser Grab. Sie entscheidet darüber, wo wir unsere Ewigkeit verbringen.
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