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US-Botschafter am Heiligen Stuhl, Burch: „Die moralische Autorität der Kirche ist unübertroffen“

vor 5 Stunden in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Praktizierender Katholik Brian Burch: „Es gibt einen Grund, warum die ganze Welt gespannt verfolgt, was passiert, wenn wir einen Papst wählen, nicht wahr?“


Vatikan (kath.net) „Nun, es gibt da diesen Witz, dass dies die einzige Stelle in der US-Regierung ist, bei der man für Messbesuche bezahlt wird.“ Diesen Scherz zitiert der US-Botschafter am Heiligen Stuhl, Brian Burch, im Interview mit Colm Flynn für EWTN. Es sei „etwas ganz Besonderes, eine Position zu bekleiden, die tiefe spirituelle Erfahrungen mit der diplomatischen Rolle als Botschafter verbindet. Ich persönlich hätte nie gedacht, dass ich einmal in dieser Position landen würde. … Die Frage ist für uns alle: Warum hat Gott Sie hierher geführt? Welche Gaben hat er Ihnen geschenkt, die Sie nun einsetzen und leben sollen, und was bedeutet das für mich in den kommenden Jahren? Mein Leben hat sich im letzten Jahr dramatisch verändert, und nun bin ich in dieser Rolle. Ich sehe es als eine Reise, auf der ich einfach mitfahre. Gott sitzt am Steuer, und ich versuche nur, mitzuhalten. Burch ist selbst praktizierender Katholik, verheiratet und Vater von neun Kindern.

Der Botschafter erläuterte, dass es seiner Einschätzung nach „in den grundlegenden Fragen, insbesondere beim Schutz des Lebens, der Bedeutung der Familie, dem Recht der Eltern, die Erziehung ihrer Kinder zu bestimmen, und der Notwendigkeit, Frieden und Gerechtigkeit in der Welt zu fördern …, keine Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vatikan und den Vereinigten Staaten“ gebe. Natürlich gebe es aber „Bereiche der praktischen Abwägung, in denen wir uns zwar im Ziel einig sind, aber nicht in den Mitteln“.

Man könne „mit Fug und Recht behaupten, dass der Vatikan, der Heilige Stuhl, einen bedeutenden Einfluss in der Welt hat“ erläuterte Burch. „Denken wir nur daran: Der Heilige Vater spricht jeden Mittwoch in einer Audienz und jeden Sonntag beim Angelusgebet zu 1,6 Milliarden Menschen. Welche andere Institution besitzt eine solche Macht?“ Im vergangenen Jahr seien während des Heiligen Jahres rund 30 Millionen Pilgergekommen, „welcher andere Ort zieht so viele Menschen an? Dann ist da natürlich die Kirche. Es gibt Kardinäle, Bischöfe, Priester, Pfarreien. Überall auf der Welt engagieren sich Menschen im Dienst des Glaubens. Diese Reichweite der Kirche ist enorm.“

Auch glaube er, so der Botschafter, „die moralische Autorität der Kirche ist unübertroffen: die tiefe Tradition der Kirche, die Soziallehre der Kirche, die Geschichte der Kirche, das Papsttum. Es gibt einen Grund, warum die ganze Welt gespannt verfolgt, was passiert, wenn wir einen Papst wählen, nicht wahr? Außerdem stünden „hinter all diesen außenpolitischen Konflikten immer auch wichtige moralische Fragen“, es gehe „nicht nur um ein reines Machtspiel…, um Wirtschaft oder Militär. Es geht um die Frage der Gerechtigkeit. Ich denke, hier trägt der Heilige Stuhl maßgeblich dazu bei, diese Debatten zu prägen: Was ist das Richtige? Welche Verantwortung tragen Nationen? Wo gibt es Ungerechtigkeiten und Fehler, die durch Diplomatie oder, mitunter, letztlich auch durch militärische Gewalt behoben werden müssen? Der Heilige Stuhl ist diese Stimme in der Welt. Nichts kommt der Rolle der Kirche auch nur annähernd gleich, und deshalb unterhalten die Vereinigten Staaten diplomatische Beziehungen. Deshalb verbringe ich meine Tage mit Treffen im Vatikan und der Zusammenarbeit mit anderen Botschaftern, um diesen Dialog so zu gestalten, dass er zur Lösung dieser Probleme beiträgt.“


In den Vereinigten Staaten suchten Menschen „nach Antworten auf tiefere Fragen des menschlichen Lebens, nach dem, was uns glücklich macht. Ich denke, die Kirche hat natürlich Vorschläge für diese Antworten. Doch im Kontext der praktischen Realität der Außen- und Innenpolitik sehe ich eine echte Synthese zwischen der politischen Richtung, die sich entwickelt, und den Antworten, die die Kirche der Welt gibt – sei es die grundlegende Rolle der Familie, die Würde des Menschen, die Menschenrechte, die Meinungsfreiheit, die Religionsfreiheit oder der Wunsch der Menschen, ihren Glauben in allen Lebensbereichen zu leben. Ich glaube, die Menschen sehen die Kirche nicht nur als spirituelle Führerin, sondern auch als jemanden mit einer reichen Tradition an Antworten.“

Dass der US-amerikanische Papst Leo XIV. derzeit noch nicht konkret eine USA-Reise plant, dazu erklärt Burch, dass es dazu viele Gründe zu bedenken gebe, u.a. die Logistik. Aber auch „ die Tatsache“, dass Leo XIV. „in die USA zurückkehren würde. Es wird zweifellos eine seiner wichtigsten Reisen als Papst sein. Ich denke, es muss auch bedacht werden, ob es so aussehen könnte, als versuche er, die Zwischenwahlen und die damit verbundene Politik zu beeinflussen. Der Vatikan trifft seine eigenen Entscheidungen, und ich denke, wir wissen, dass er kommen möchte. Wir haben darüber gesprochen, und ich denke, zum richtigen Zeitpunkt wird er kommen.“

Gefragt nach den Abschiebungen aus den USA erläuterte Burch, dass die Ereignisse in Minnesota „entsetzlich“ gewesen seien. Er gehe davon aus, dass „die Einwanderungsfrage wird wohl immer wieder Gegenstand von Debatten und Gesprächen zwischen den USA und dem Heiligen Stuhl sein“ werde. „Was mich frustriert hat, waren die vielen Anschuldigungen, dies sei aus Fremdenfeindlichkeit oder Hass motiviert gewesen, obwohl ich weiß, dass diese Regierung, dieser Präsident, sich zutiefst für die Sicherheit unseres Landes einsetzt. Dafür wurde er gewählt. Ich denke, das haben die Menschen von ihm erwartet. Wir haben vier Jahre Chaos erlebt, in denen unsere Grenze überrannt wurde, Migranten ausgebeutet wurden, Menschen unkontrolliert in unser Land kamen und Kinder im ganzen Land verschwanden. Und der Präsident sagte: ‚Genug!‘ Er hatte den Mut, etwas sehr Schwieriges zu tun. Ich glaube, die Menschen unterschätzen manchmal, wie schwer es ist, das entstandene Chaos zu beseitigen. Als Katholiken glauben wir natürlich, dass alle Menschen Würde besitzen. Sie verdienen Respekt, und gerade bei der Rechtsanwendung, einschließlich Abschiebungen, müssen wir diese Würde achten.“ Er selbst, so Burch, habe mit „dafür gesorgt, dass Abgeschobene Zugang zu spiritueller Begleitung haben. Wir haben sichergestellt, dass sie die Sakramente empfangen können. Wir haben über den Ablauf gesprochen. Ich muss dem Vatikan erklären, wie unser Abschiebungsprozess abläuft. Das sind nie einfache Fragen, denn man versucht, eine schreckliche Situation aufzuarbeiten. Wir alle sollten die schrecklichen Ereignisse bedauern und uns bewusst machen, dass es so nicht ablaufen sollte. Die Strafverfolgungsbehörden sollten ihre Arbeit ungehindert und ohne Gewalt ausüben können, und unser Vorgehen sollte die Würde derjenigen respektieren, die gegen unser Gesetz verstoßen haben und in ihre Heimat zurückkehren müssen.“

Das Interview in voller Länge:

Archivfoto: Botschafter Burch überreicht Papst Leo sein Beglaubigungsschreiben (c) Vatican News


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