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"Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben!"

vor 9 Stunden in Chronik, 7 Lesermeinungen
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"... mit den Mullahs funktioniert das genauso wenig!" Papst-Appell zum Iran löst heftige Debatte auf X aus - Viele User auf X mit "Leo-Aussagen" sehr unzufrieden - Und was sagt Thomas von Aquin zum gerechten Krieg? - Von Roland Noé


Vatikan (kath.net/gem/rn) Inmitten der weltpolitischen Erschütterungen nach dem Sturz des Mullah-Regimes im Iran hat sich Papst Leo XIV. über seinen offiziellen X-Kanal zu Wort gemeldet. Doch statt einhelliger Zustimmung erntete das Kirchenoberhaupt diesmal eine Welle der Kritik. Viele Nutzer werfen dem Vatikan vor, die Realität von Tyrannei und notwendiger Befreiung durch eine „naive Friedensrhetorik“ zu verkennen. In seinem Post mahnte der Pontifex: „Frieden ist ein Handwerk, das Leidenschaft, Geduld, Erfahrung und Zähigkeit erfordert. Beten wir unaufhörlich für das Ende der Kriege und für eine Verständigung, die über bloße Waffenruhen hinausgeht.“ Frauke Petry, die ehemalige AfD-Politikerin, schreibt. "Als Papst können Sie nicht ernsthaft ein stabiles Mullah-Regime befürworten, das die Würde der Menschen im Iran fast 50 Jahre mit Füßengetreten hat. Ich hoffe sehr, dass dieser Tweet ein verunglückter aus Ihrem Pressebüro war." Ein weiterer User schreibt: "Widerspruch, Euer Eminenz! Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben. Mit den Mullahs funktioniert das genauso wenig."

Was in ruhigeren Zeiten als klassischer päpstlicher Aufruf wahrgenommen würde, wirkt in diesen historischen Februartagen 2026 für viele Beobachter wie ein Schlag ins Gesicht derer, die gerade erst ihre Freiheit durch militärische Entschlossenheit zurückgewonnen haben. Die Kommentarspalten unter dem Post spiegeln die Zerrissenheit und den Zorn vieler User wider. Der Vorwurf, das Völkerrecht und der Friedensbegriff würden oft missbraucht, um den Status quo von Diktaturen zu zementieren, zieht sich wie ein roter Faden durch die Reaktionen. "Eure Heiligkeit, Frieden mit Massenmördern ist kein Handwerk, sondern unterlassene Hilfeleistung. Die Iraner feiern heute nicht wegen ‚Geduld‘, sondern weil Israel und die USA den Mut hatten, das Böse zu beenden!“, schreibt ein User. Ein anderer meint: "Wieder dieses vage Gerede. Wo war Ihr ‚unaufhörliches Gebet‘ und Ihr lauter Protest, als die Mullahs junge Frauen auf den Straßen hinrichten ließen? Das Völkerrecht der Mächtigen schützt nur die Despoten." Und ein andere X-Nutzer meint: "„Frieden ohne Freiheit ist der Frieden des Friedhofs. Wer heute zur ‚Zurückhaltung‘ aufruft, während ein ganzes Volk aufatmet, hat die Botschaft des Evangeliums von der Befreiung der Gefangenen nicht verstanden."


Die heftige Kritik der X-Nutzer an der päpstlichen Friedensrhetorik rührt nicht zuletzt daher, dass viele Gläubige heute eine Rückbesinnung auf die klassischen Grundlagen der kirchlichen Lehre fordern. Während die aktuelle vatikanische Diplomatie oft einen fast bedingungslosen Pazifismus nahezulegen scheint, bietet die Tradition des Kirchenlehrers Thomas von Aquin (1225–1274) ein deutlich differenzierteres Instrumentarium an.

In seiner Summa Theologica entwickelte Thomas von Aquin die Lehre vom „Bellum Iustum“ (dem gerechten Krieg), die bis heute als moralischer Maßstab dient. Für ihn war Krieg kein absolutes Tabu, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

Autoritas Principis (Rechtmäßige Autorität): Der Einsatz von Gewalt darf nicht von Privatpersonen, sondern muss von einer rechtmäßigen Instanz ausgehen, die für das Gemeinwohl verantwortlich ist. Im aktuellen Fall sehen viele Kommentatoren in den USA und Israel jene Kräfte, die internationale Ordnung gegen ein Terrorregime verteidigen.

Causa Iusta (Gerechter Grund): Dies ist der entscheidende Punkt der aktuellen Debatte. Laut Thomas von Aquin ist ein Eingriff gerechtfertigt, wenn die Gegenseite wegen eines schweren Vergehens angegriffen wird – etwa um Unterdrückte zu befreien oder Unrecht zu rächen. Die Befreiung des iranischen Volkes von einem mörderischen Regime fällt exakt unter diese Kategorie.

Intentio Recta (Rechte Absicht): Das Ziel des Kampfes muss die Wiederherstellung eines wahren Friedens sein, nicht Eigenmacht oder Grausamkeit.

Nicht wenige Kritiker der päpstlichen Worte auf X argumentieren daher im Grunde „thomistisch“: Ein Friede, der nur in der Abwesenheit von Waffenruhen besteht, während ein Tyrann sein Volk abschlachtet, ist nach Thomas von Aquin kein echter Friede (Pax), sondern lediglich ein erzwungener Zustand des Unrechts. Der wahre Friede ist die „Tranquillitas Ordinis“ – die Ruhe der Ordnung, die auf Gerechtigkeit basiert.

 


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Lesermeinungen

 Gandalf vor 54 Minuten 

@Richelius

"Ich habe in den letzten Tagen mit Christen und Muslimen aus der Region gesprochen. Wirklich glücklich war keiner über die Militärschläge."

Twitter/X ist voll von Persern. Die bejubeln alle und weltweit den Militärschlag. Alleine in den USA gingen zehntausende in LA auf die Straßen zur Unterstützung.

Und sämtliche Perser, die uns diese Woche kontaktiert haben, freuen sich.


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 chriseeb74 vor 1 Stunden 
 

Wichtig ist m.E. die langfristige Perspektive...

für den Iran. Einige Tage oder Wochen die derzeitige Führungsriege kurz und klein schlagen und dann abziehen bringt dem iranischen Volk leider nichts, außer Chaos und ein evtl. Machtvakuum (siehe Irak und Syrien). In erster Linie werden christliche Minderheiten und Kurden darunter zu leider haben.
Wo bleibt die Strategie??


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 lamwool vor 4 Stunden 
 

Weg ist weg

Bei aller Diskussion bin ich froh, dass dieser Tyrann endlich weg ist. Es gibt offensichtlich Menschen, bei denen alles 'zureden' abprallt. Und leider können solche Leute immer noch Macht ausüben und ganzen Völkern Leid und Tod zufügen. Ich bin sicher, dass sich viele Menschen angesichts der letzten Jahre gefragt haben: wer stützt denn die Tyrannen endlich von ihrem Thron!!
Leider gibt es Situationen, bei denen man sagen muss: "der Worte sind genug, lasst nun Taten folgen." Frei n. Goethe.


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 Richelius vor 7 Stunden 
 

Ich habe in den letzten Tagen mit Christen und Muslimen aus der Region gesprochen. Wirklich glücklich war keiner über die Militärschläge. Vor allem weiß keiner, wie es weitergehen soll. So einfach wird sich das Regime nicht vertreiben lassen. Meine Bekannten schätzen, daß noch immer die Mehrheit der Einwohner hinter dem System stünde, obgleich die Wut durch die Niederschlagung der Proteste durchaus angefacht wurde. Allerdings wollten viele eher einen Regierungswechsel als einen vollständigen Systemwechsel.
Vor allem die Christen hätten Angst vor einem „danach“, haben sie doch gesehen, wie es den Christen im Irak und Syrien ergangen ist.
Soweit was mir erzählt wurde.
Wie man ohne Einsatz von Bodentruppen etwas sinnvolles erreichen will, weiß ich nicht.


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 Stefan Fleischer vor 7 Stunden 

Ich verstehe unseren Heiligen Vater sehr gut.

Die Kirche ist nicht dazu da, den konkreten Einzelfall zu beurteilen. Das muss auch sie Gott, dem allwissenden, überlassen. Ihre Aufgabe ist es, der Welt jene Kriterien zu verkünden, nach welchen Gott richten wird. Wie Thomas von Aquin diesen Fall nach seiner Sicht des gerechten Krieges beurteilen würde, ist die eine Seite der Medaille. Wie sein Urteil über die Art und Weise der Kriegsführung im konkreten Fall ausfallen würde, eine andere. Und ob der Präsident eines mächtigen Staates (besonders einer, der glaubt ein Recht zu haben, irgendwelche Gebietsansprüche zu stellen - heisse er nun Trump oder Putin oder wie auch immer) - nur weil er glaubt, diese zu brauchen, das Recht hat, einen solchen Krieg eigenmächtig auszulösen, ist eine weitere Frage.
Nur Gott ist der absolut gerechte Richter der Lebenden und der Toten. Weshalb er dies alles zulässt, ist sein Heiliger Wille. Was wir daraus lernen sollten, ist unserem Gewissen überlassen.


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 Gandalf vor 8 Stunden 

Amüsant...

wie 1-2 Leser nervös werden, nicht hier, sondern woanders, wenn man Thomas v. Aquin zu dem Thema bemüht ;-)


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 Schillerlocke vor 8 Stunden 
 

Das ist, Herr Noé, sehr wichtig,

dass Sie in diesem Zusammenhang auf Thomas von Aquin verweisen. Die heutigen Völkerrechtler sind großenteils und seit Langem zu komplexer Würdigung des Zustands im Iran oder in anderen von Tyrannei geschlagenen Staaten nicht fähig. Für diese Leute hat sich alles erledigt, wenn der Weltsicherheitsrat entschieden oder ein Volk sich gerüstet hat, um das Joch einer bösartigen Obrigkeit abzuschütteln. Dass es staatliche Unterdrückungsapparate von solch brutaler Gewalttätigkeit gibt, dass sich die Bevölkerung gar nicht wehren kann, geht in die bornierten Schädel etlicher Völkerrechtler gar nicht erst hinein. Sie scheinen schlicht ignorant zu sein und nicht einmal Willens, das offenkundig dysfunktionale Völkerrecht der letzten Jahrzehnte weiterzuentwickeln und neu aufzustellen. Beim heiligen Thomas könnten diese intellektuell unterbelichteten Juristen Rat finden. Jeder Verkehrsrichter hat mehr Grips im Kopf als viele Vertreter dieses Rechtsgebiets.


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