
Nigeria: Bischöfe schlagen nach erneuten Massakern Alarmvor 53 Minuten in Chronik, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Aufruf zu Gewaltverzicht und Dialog. Kirche in Not unterstützt die Bischöfe und Christen in Nigeria.
Wien (kath.net/ KiN AT)
Nach erneuten bewaffneten Überfällen und Entführungen in Nigeria haben die katholischen Bischöfe des Landes eindringlich ein Ende der Gewalt gefordert. In einer „Kirche in Not“ (ACN) vorliegenden Erklärung beklagen sie eine weitere Verschärfung der Sicherheitslage. Anlass sind zwei voneinander unabhängige Gewalttaten in den Regionen Borgu im Bundesstaat Niger und Ukum im Bundesstaat Benue.
Die Orte liegen im sogenannten „Middle Belt“ („Mittlerer Gürtel“) im Zentrum Nigerias. Dort kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Überfällen im Zusammenhang mit Land- und Weiderechten. Hinzu kommen Angriffe dschihadistischer Gruppen sowie Entführungen mit Lösegeldforderungen, die sich in weiten Teilen Nigerias zu einem einträglichen kriminellen Geschäft entwickelt haben. 
Kein rein religiöser Konflikt
Oft ist die Gewalt gezielt gegen Christen gerichtet; aber auch Muslime sind betroffen, wie im jüngsten Fall Ende August: Damals wurden in Borgu mehr als 60 Gläubige aus einer Moschee entführt. Hinter der Tat werden dschihadistische Kämpfer vermutet. Damit zeigt der Vorfall nach Ansicht von „Kirche in Not“ erneut, dass sich die Gewalt in Nigeria nicht allein als religiöser Konflikt beschreiben lässt.
Bei einem weiteren Angriff in Ukum Mitte August kamen 47 Menschen ums Leben, 17 weitere wurden schwer verletzt. Dieser Angriff wird bewaffneten Gruppen von Fulani-Hirten zugeschrieben. „Ob in einer Moschee, einer Kirche, auf einem Marktplatz oder in der Ruhe ihrer Häuser: Nigerianer werden weiterhin ungestraft getötet, traumatisiert und vertrieben“, heißt es in der Erklärung.
„Beendet das Blutvergießen“
Die Bischöfe betonen ausdrücklich ihre Solidarität mit den Muslimen, die von der Entführung in Borgu betroffen waren. Sie fordern die nigerianischen Behörden auf, entschlossener gegen die anhaltende Gewalt vorzugehen. Zwar erkenne man bereits unternommene Anstrengungen an. Die Regierung dürfe jedoch in ihrer Verantwortung nicht nachlassen: „Die Tränen der trauernden Familien müssen Sie so sehr beunruhigen, dass Sie alles in Ihrer Macht Stehende tun, um diese Gewalt zu beenden“, heißt es in der Erklärung.
Zugleich wenden sich die Bischöfe direkt an die Verantwortlichen der Gewalt: „An die Kriminellen, Terroristen, Entführer und ihre Unterstützer appellieren wir: Beendet das Blutvergießen! Das menschliche Leben gehört Gott allein, und kein Anliegen rechtfertigt diese Grausamkeit. Ihr könnt keine Zukunft auf den Tränen unschuldiger Menschen aufbauen.“
„Kirche in Not“ unterstützt die Kirche in Nigeria seit vielen Jahren und hilft unter anderem bei der Versorgung von Binnenvertriebenen. Zuletzt finanzierte das Hilfswerk gemeinsam mit der Diözese Kaduna den Wiederaufbau eines bei einem Angriff zerstörten Dorfes. Dadurch konnten Bewohner in ihre Heimat zurückkehren, anstatt dauerhaft in Flüchtlingslagern leben oder an anderen Orten neu angesiedelt werden zu müssen.
Foto: Dialog von christlichen und muslimischen Vertretern im Bistum Yola (Archivbild). © KIRCHE IN NOT
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