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vor 51 Minuten in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Die Ukraine braucht verlässliche Freunde und Helfer – ein Gespräch mit Weihbischof Volodymyr Firman und eine herzliche Bitte der A.K.M. Kyrillos und Methodios e.V. - Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer


Eichstätt (kath.net) Im Juli 2026 führte mich meine Reise in die Ukraine, hauptsächlich nach Lwiw, Ternopil, Zarwanyzja, Uschhorod und in die dortigen kirchlichen Einrichtungen. Ich begegnete Bischöfen und Priestern, Seminaristen und Militärseelsorgern, Verwundeten und Familien, die um ihre Angehörigen trauern. Während meines Aufenthalts versammelte sich in Zarwanyzja die Bischofssynode der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche. In den Gesprächen und Gottesdiensten wurde spürbar, wie eng das Leben dieser Kirche mit dem Schicksal der Menschen verbunden ist.

Vieles geht mir seitdem nach: die Bilder junger Männer auf den Grabkreuzen, die Sorge der Mütter, die Erschöpfung der Helfenden. Zugleich habe ich Menschen erlebt, die weiterarbeiten, beten und miteinander teilen. Ihre Hoffnung lebt davon, dass jemand bleibt, zuhört und das Notwendige tut.

Vor diesem Hintergrund stand auch mein Gespräch mit Weihbischof Volodymyr Firman über die Diözese Ternopil, deren Ökonom er ist. Dabei ging es auch um eine Aufgabe, deren Bedeutung man von außen leicht unterschätzt: die Sicherung ihres landwirtschaftlichen Betriebs in Zarwanyzja. Seine Erträge tragen wesentlich dazu bei, dass die Kirche ihre Aufgaben erfüllen und Menschen in Not unterstützen kann.

Archimandrit Thiermeyer: Herr Weihbischof, auf meiner Reise habe ich vielerorts einen erstaunlich lebendigen Alltag erlebt. Gleichzeitig begegnete mir großes Leid. Wie leben die Menschen mit dieser Spannung?

Weihbischof Firman: Die Menschen versuchen, das Leben aufrechtzuerhalten. Sie gehen ihrer Arbeit nach, sorgen für ihre Kinder und helfen ihren Nachbarn. Doch der Krieg ist auch dort gegenwärtig, wo die Front weit entfernt liegt. Viele Männer sind im Krieg. Familien trauern um Angehörige; andere warten auf Nachricht von Vermissten oder Gefangenen. Verwundete müssen ihren Alltag neu lernen, Vertriebene an einem fremden Ort zurechtkommen.

Dass vieles weiter funktioniert, kostet große Kraft. Deshalb brauchen die Menschen verlässliche Begleitung. Sie müssen erfahren dürfen, dass ihre Not gesehen wird und dass sie ihre Last nicht allein tragen müssen.

Thiermeyer: Ich habe Gemeinden kennengelernt, in denen Gottesdienst, Flüchtlingshilfe und die Begleitung trauernder Familien eng zusammengehören. Was bedeutet das für die Kirche?

Weihbischof Firman: Es gehört zu unserem Auftrag, bei den Menschen zu bleiben. Wer mit einer Familie betet, hört auch von ihren Sorgen: Fehlt es an Lebensmitteln? An Medikamenten? Kann die Wohnung im Winter geheizt werden? Wer kümmert sich um die Kinder?

Die Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen nehmen Binnenvertriebene auf, organisieren Hilfe und begleiten Hinterbliebene. Priester, Ordensleute und viele Ehrenamtliche tragen diesen Dienst gemeinsam. Dabei zählt die konkrete Not des Menschen, unabhängig von seiner Konfession. Christliche Liebe fragt danach, wer Hilfe braucht und was wir für ihn tun können.


Thiermeyer: Welche Rolle spielt dabei der landwirtschaftliche Betrieb Ihrer Diözese?

Weihbischof Firman: Er ist eine wichtige wirtschaftliche Grundlage unserer Arbeit. In Zarwanyzja werden rund 1.200 Hektar bewirtschaftet. Wir bauen vor allem Weizen, Mais, Zuckerrüben, Sonnenblumen und Kartoffeln an. Der Verkauf dieser Erzeugnisse trägt einen großen Teil zu den Einnahmen der Diözese bei. Aus diesen Einnahmen werden kirchliche Aufgaben und Hilfen für die Bevölkerung sowie für Binnenflüchtlinge mitgetragen.

Wir bemühen uns, mit den vorhandenen Mitteln sorgfältig umzugehen. Auch das Stroh wird genutzt: Es wird zu Pellets verarbeitet, die wir für den eigenen Heizbedarf verwenden. Was auf den Feldern wächst, hilft so auf unterschiedliche Weise, unseren Alltag und unseren Dienst zu ermöglichen.

Thiermeyer: Was bringt diese Grundlage gegenwärtig in Gefahr?

Weihbischof Firman: Mehrere Schwierigkeiten verstärken einander. Ungünstige Witterung mit Frost, anhaltender Kälte und später mit Hitze und Trockenheit belastet die Ernten. Zugleich stehen den niedrigen Erlösen hohe Kosten gegenüber. Diesel, Dünger und Pflanzenschutzmittel müssen bezahlt werden, bevor aus der nächsten Ernte Einnahmen entstehen können.

Hinzukommen erschwerte Absatz- und Transportbedingungen. Getreide in einer Lagerhalle bedeutet noch kein verfügbares Geld. Wenn es sich nicht zu einem tragfähigen Preis verkaufen lässt, fehlen uns Mittel für die laufende Arbeit. Dennoch müssen wir unsere Verpflichtungen erfüllen, etwa die Pachtzahlungen an die Grundstückseigentümer. So wird es immer schwieriger, auch die nächste Aussaat zu finanzieren.

Thiermeyer: Was wird jetzt besonders dringend benötigt?

Weihbischof Firman: Wir brauchen Unterstützung für den Kauf von Dieselkraftstoff, damit die notwendigen Feldarbeiten für die Herbstaussaat durchgeführt werden können. Ohne Treibstoff können die Maschinen nicht eingesetzt und die Felder nicht rechtzeitig bestellt werden.

In der Landwirtschaft lassen sich die Arbeiten nur innerhalb bestimmter Zeiträume erledigen. Wenn die Aussaat ausfällt, fehlt später die Grundlage für die Ernte. Das trifft dann auch die Aufgaben, die wir aus den Erträgen finanzieren. Deshalb kann eine Hilfe beim Treibstoff weit über den unmittelbaren Bedarf hinauswirken.

Thiermeyer: Unsere Freunde und Förderer möchten verständlicherweise wissen, was ihre Gabe bewirken kann. Wie würden Sie das beschreiben?

Weihbischof Firman: Sie hilft uns, eine vorhandene Arbeit fortzusetzen. In Zarwanyzja ist über viele Jahre hinweg vieles aufgebaut worden. Die Felder sind da, die Erfahrung ist da, und die Menschen wollen arbeiten. Es fehlen die finanziellen Mittel, um den nächsten notwendigen Schritt zu ermöglichen.

Eine Spende für Diesel schafft die Voraussetzung dafür, dass wir aussäen können. Sie stärkt damit unsere Möglichkeit, weiterhin selbst Einnahmen zu erwirtschaften und Verantwortung für andere zu übernehmen. Für uns bedeutet solche Unterstützung auch Ermutigung: Unsere Arbeit findet Freunde, die ihren Wert erkennen und sie mittragen.

Thiermeyer: In den Krankenhäusern, bei Familien und auch in den Priesterseminaren wurde mir deutlich, wie lange die seelischen Folgen dieses Krieges nachwirken werden. Welche Aufgaben sehen Sie für die kommenden Jahre?

Weihbischof Firman: Die Begleitung der Menschen wird uns lange fordern. Verwundete brauchen Hilfe, um wieder in ihren Alltag hineinzufinden. Hinterbliebene brauchen Menschen, die ihre Trauer aushalten. Kinder brauchen Sicherheit und die Möglichkeit, wieder unbeschwert zu spielen. Dazu gehört die Zusammenarbeit von Seelsorgern, medizinischen und psychologischen Fachkräften sowie sozialen Einrichtungen.

Auch die Ausbildung unserer künftigen Priester steht unter diesem Eindruck. Sie werden mit Familien leben, deren Geschichten vom Krieg geprägt sind. Deshalb brauchen sie neben einer guten theologischen Ausbildung menschliche Reife und die Fähigkeit, zuzuhören. Solche Aufgaben verlangen Ausdauer und eine verlässliche materielle Grundlage. Darum ist es so wichtig, dass die Kirche ihre Arbeit auch wirtschaftlich weitertragen kann.

Thiermeyer: Woher nehmen Sie und Ihre Mitarbeiter die Kraft, unter solchen Bedingungen weiterzumachen?

Weihbischof Firman: Aus dem Glauben, aus dem Gebet und aus der Gemeinschaft. In der Göttlichen Liturgie bringen wir die Lebenden und die Verstorbenen, die Verwundeten, Gefangenen und Vermissten vor Gott. Die Bitte um Frieden ist mit konkreten Gesichtern und Namen verbunden.

Das Gebet gibt uns Kraft für den Dienst. Es hilft uns, auch dann bei einem Menschen zu bleiben, wenn wir seine Not nicht beheben können. Manchmal können wir Lebensmittel bringen oder eine praktische Hilfe vermitteln. Manchmal können wir zunächst nur zuhören und gemeinsam schweigen. Auch darin kann ein Mensch erfahren, dass er nicht verlassen ist.

Thiermeyer: Was möchten Sie den Menschen sagen, die unsere Aktionsgemeinschaft in Deutschland seit Jahren begleiten?

Weihbischof Firman: Wir bitten Sie, uns in Ihrer Verbundenheit zu bewahren. Wir wissen, dass es viele Anliegen gibt und dass die Möglichkeiten jedes Einzelnen begrenzt sind. Umso dankbarer sind wir für jede Hilfe, die Sie geben können.

Ihre Unterstützung ermöglicht konkrete Arbeit. Zugleich vermittelt sie den Menschen etwas sehr Kostbares: Wir sind nicht vergessen. Bitte begleiten Sie uns auch im Gebet um einen gerechten Frieden, in dem Familien wieder sicher leben und Kinder ohne Angst aufwachsen können.

Eine persönliche Bitte:

Liebe Freunde und Förderer des Christlichen Ostens,

unsere Aktionsgemeinschaft Kyrillos und Methodios e.V. – A.K.M. ist seit den 1980er Jahren mit der Ukraine verbunden. Als kleiner Verein leisten wir unseren Beitrag im Rahmen unserer Möglichkeiten. Dabei sind persönliche Beziehungen und das Vertrauen zu den Verantwortlichen vor Ort, die wir alles persönlich kennen, besonders wichtig. Mein Besuch sollte helfen, die Sorgen der Menschen besser zu verstehen, von uns unterstützte Arbeit kennenzulernen und neue Anliegen aufmerksam wahrzunehmen.

Die Bitte von Weihbischof Firman möchte ich Ihnen deshalb besonders ans Herz legen: Helfen wir mit, den notwendigen Dieselkraftstoff für die Aussaat des landwirtschaftlichen Betriebs in Zarwanyzja zu finanzieren. Damit unterstützen wir eine Arbeit, die Einnahmen für die Diözese schafft und ihren Dienst an Menschen in Not mitträgt.

Die vielen Aufgaben in der Ukraine können einen angesichts ihrer Größe ratlos machen. Hier aber liegt ein konkreter nächster Schritt vor uns. Ein Feld kann bestellt werden. Saat kann in die Erde kommen. Menschen können ihre Arbeit fortsetzen. Daraus darf neue Hoffnung wachsen.

Wenn Sie diese Hilfe mit einer Spende an unseren Verein unterstützen können, sind wir Ihnen von Herzen dankbar. Auch eine kleine Gabe kann zusammen mit anderen viel ermöglichen. Als Hinweis zu Ihrer Spende nennen Sie bitte: „Ukraine – Landwirtschaft Ternopil“.

Ebenso danken wir Ihnen, wenn Sie diese Bitte weitergeben und die Menschen in Ihr Gebet einschließen. Niemand muss sich durch unser Anliegen überfordert fühlen. Wir bitten um das, was Ihnen möglich ist, und nehmen jede Form Ihrer Verbundenheit dankbar an.

Die Ukraine darf nicht zu einer vergessenen Wunde Europas werden. Hinter diesem Satz stehen für mich seit meiner Reise viele Gesichter. Ihnen verbunden zu bleiben und nach unseren Kräften zu helfen, ist eine Aufgabe, die wir miteinander tragen können.

Vergelt’s Gott für Ihre Treue, Ihr Vertrauen und Ihre Hilfe.

Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer, 1. Vors. des A.K.M. Kyrillos und Methodios e.V.

A.K.M. Spendenkonto 7644000 bei der Ligabank; IBAN: DE17 7509 0300 0007 6440 00

Archivfoto: Archimandrit Dr. Thiermeyer und Weihbischof Firman (c) Andreas-Abraham Thiermeyer


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