
Expertin fordert nach Aufsichtsversäumnissen in den Provinzen nun nationalen Sterbehilfe-Watchdogvor 6 Stunden in Prolife, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Nationaler MAiD-Watchdog nötig: Provinzielle Aufsichtsversäumnisse häufen sich, kritisiert Expertin – Auch bei Verdacht auf Malpractice-Fälle würde dies bisher nicht strafrechtlich verfolgt
Ottawa (kath.net/gro/red) Die mangelhafte Durchsetzung von Sicherheitsvorkehrungen bei der medizinisch assistierten Sterbehilfe (Medical Assistance in Dying, MAiD) durch die kanadischen Provinzbehörden hat eine führende Kritikerin der Praxis dazu veranlasst, einen unabhängigen nationalen Aufsichtsmechanismus zu fordern. Dieser soll weitreichende Befugnisse erhalten, Unregelmäßigkeiten zu untersuchen und in bestimmten Fällen sogar MAiD-Todesfälle vorübergehend auszusetzen. Darüber berichtet das „Catholic Register“ unter Einbeziehung von Berichten der National Post und internen Regierungsdokumenten aus British Columbia.
Die Expertin ist Dr. Ramona Coelho, Hausärztin in London (Ontario) und Senior Fellow am Macdonald-Laurier Institute, sie äußert sich nach einem Bericht der National Post vom 20. Juli, der auf Recherchen von Canadian Catholic News basiert. Darin ging es um Tausende von Fehlern bei der Handhabung von MAiD-Fällen in British Columbia (B.C.) im Jahr 2024. Coelho fordert eine nationale Aufsichtsbehörde mit Untersuchungs- und Disziplinarbefugnissen sowie der Möglichkeit, einen MAiD-Tod vorübergehend zu stoppen, wenn Angehörige oder Klinikmitarbeiter Bedenken melden.
Wörtlich erklärte sie: „Es sollte eine unabhängige Überprüfung vor dem Tod geben, statt einer reinen Papierprüfung hinterher.“ Sie fordert einen Nationalen Watchdog, dieser müsse zudem unabhängig von Health Canada sein, da das Ministerium „MAiD-Praxis landesweit finanziert und formt und angesichts seiner bisherigen Bilanz sie nicht glaubwürdig überwachen kann“. 
Ein internes Dokument der undurchsichtigen Medical Assistance in Dying Oversight Unit der Provinz B.C. zeigte, dass 51,9 Prozent der gemeldeten MAiD-Fallergebnisse 2024 eine behördliche Nachverfolgung erforderten. Die Einheit registrierte 2.807 Fehler, darunter 353 Fälle, in denen Praktiker oder Apotheker über die gesetzlichen Anforderungen und professionellen Standards von MAiD aufgeklärt werden mussten. Die Zahlen ähneln stark denen von 2023, als 2.833 Fehler bei 3.808 MAiD-Fällen erfasst wurden.
Coelho kritisiert die provinziellen Regelungen scharf: „niemand in Kanada tut genug“, um MAiD-Anbieter in der Spur zu halten. Ontarios MAiD Death Review Committee melde vermutete Vergehen nicht an die Polizei, und Malpractice-Fälle würden nicht strafrechtlich verfolgt.
Die Enthüllungen aus B.C. gliedern sich in eine Reihe von Hinweisen auf systematische Schwächen ein. Frühere FOI-Dokumente (Freedom of Information) hatten bereits gezeigt, dass die Oversight Unit in B.C. seit 2018 nur sehr selten an Aufsichtsbehörden oder Strafverfolgungsbehörden verwies und keine öffentlichen Berichte veröffentlicht. Kritiker wie Trudo Lemmens (Professor für Gesundheitsrecht an der University of Toronto) und andere weisen auf Interessenkonflikte hin, etwa wenn dieselbe Person sowohl die Administration als auch die Aufsicht von MAiD leitet.Coelho und andere Experten betonen, dass eine reine nachträgliche Prüfung von von den Anbietern selbst eingereichten Unterlagen nicht ausreicht. Es brauche unabhängige Stellen mit Ressourcen und Autorität, um Bedenken zu untersuchen und Schutzmechanismen durchzusetzen – besonders angesichts der hohen und steigenden MAiD-Zahlen und der besonderen Gefährdung vulnerabler Gruppen.
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