
Pakistan: Freisprüche nach zwölf Jahren im Blasphemie-Mordfallvor 5 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Aufhebung der Urteile in international bekanntem Fall von religiös motivierter Gewalt.
Islamabad/Rom (kath.net/ KAP)
Der Oberste Gerichtshof Pakistans hat die letzten drei Todesurteile im Zusammenhang mit der Ermordung eines christlichen Ehepaares im Jahr 2014 aufgehoben. Das berichtete das Portal asianews.it am Samstag. Damit ist eines der international bekanntesten Verfahren wegen religiös motivierter Gewalt gegen Christen in Pakistan juristisch abgeschlossen.
Die drei Männer Irfan, Mehdi und Riaz waren wegen der Tötung von Shahzad Masih und seiner schwangeren Ehefrau Shama Bibi zum Tod verurteilt worden. Ein dreiköpfiger Senat unter Vorsitz von Richter Malik Shahzad Ahmad Khan sprach sie nun frei. Das Gericht begründete die Entscheidung mit Mängeln in der Beweisführung und Widersprüchen in den Zeugenaussagen; die Schuld der Angeklagten sei nicht zweifelsfrei erwiesen.
Der Fall hatte sich am 4. November 2014 in Kot Radha Kishan im Distrikt Kasur in der Provinz Punjab ereignet. Das christliche Ehepaar arbeitete in einer Ziegelei und war nach einer Blasphemieanschuldigung von einer aufgebrachten Menschenmenge angegriffen worden. Die beiden wurden misshandelt und in einem Brennofen der Ziegelei getötet. Die Vorwürfe, das Paar habe Seiten des Korans verbrannt, stellten sich später als unbelegt heraus. 
Gefährliches Blasphemiegesetz
Die Tat löste international Entsetzen aus. Der damalige vatikanische Dialogminister Kardinal Jean-Louis Tauran bezeichnete die Ermordung als "sinnlose Barbarei" und betonte, Religion könne niemals eine Rechtfertigung für die Tötung von Menschen sein. Menschenrechtsorganisationen verwiesen zugleich auf die Gefahren des pakistanischen Blasphemiegesetzes sowie auf die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Ziegelindustrie, in der viele Beschäftigte in Abhängigkeit von Arbeitgebern leben.
Nach der Tat waren Hunderte Personen angeklagt worden. Ein Antiterrorgericht verurteilte mehrere Beteiligte, darunter fünf Männer zum Tod. Der Lahore High Court sprach später 102 Angeklagte frei und bestätigte zunächst nur die Urteile gegen Irfan, Mehdi und Riaz. Mit der jüngsten Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wurden nun auch diese Verurteilungen aufgehoben.
Menschenrechtsvertreter sehen in dem Fall weiterhin ein Beispiel für die Gefährdung religiöser Minderheiten in Pakistan. Der christliche Anwalt und Aktivist Shawaiz Javed erklärte, es gehe nicht nur um eine einzelne Familie, sondern um die Frage nach Gerechtigkeit, Sicherheit und dem Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat.
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Foto: Archiv
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