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Mehr Kirchensteuer bei weniger Mitgliedern

vor 4 Stunden in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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Das Wunder ist erneut geschehen. Massen treten aus der Kirche aus, das Kirchensteueraufkommen steigt. Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

Das große absurdum ekklesiale hat sich erneut zugetragen. Wieder sind Hunderttausende aus der Kirche ausgetreten. Wieder hat das Kirchensteueraufkommen ordentlich zugelegt. Die deutschen Bistümer konnten im Jahr 2025 insgesamt 6,751 Milliarden Euro Kirchensteuer einnehmen. Das bedeutet, dass die Steuern erneut angewachsen sind. Zugleich ging die Zahl der als katholisch gemeldeten Personen in Deutschland um mehr als eine halbe Million zurück. Nach den Jahren 2022 und 2019 ist das Jahr 2025 das ertragreichste Jahr für die deutschen Diözesen. Ab dem Jahr 2017 lagen die jährlichen Einnahmen immer über 6,4 Milliarden Euro.

2025 waren in Deutschland 19,22 Millionen Menschen offiziell als katholisch gemeldet. Dagegen waren es vor 20 Jahren noch 25,87 Millionen Menschen. Damit verzeichnet die Kirche einen Rückgang von etwas mehr als 25 Prozent Mitglieder seit 2005. Im gleichen Zeitraum steigerte die Kirche das Steueraufkommen um 70 Prozent, während die Kaufkraft um weniger als 50 Prozent abnahm. Soweit die reinen Fakten. Erstaunlich ist, dass es dazu in diesem Jahr keine Pressemeldung gab. Man hat stillschweigend die Tabellen auf die Webseiten gestellt –und das war es dann. Ehrlicherweise kann man weder den Diözesen noch den evangelischen Landeskirchen einen Vorwurf machen. Eine Modellrechnung der EKD zeigt einen Zusammenhang, der sich auf katholischer Seite wohl ähnlich zeigen wird. Weniger Mitglieder, so die EKD, bedeute nicht sofort weniger Kirchensteuer, solange die verbleibenden Steuerzahler höhere Löhne, Gehälter oder Kapitalerträge haben. 2025 war das bei der EKD besonders sichtbar. Das Nettoaufkommen aus Kirchensteuer aus Einkommensteuer stieg nur um 0,7 Prozent, die Kirchensteuer auf Kapitalertragsteuer stieg im gleichen Zeitraum um 23,4 Prozent.

Auch das staatliche Steueraufkommen war 2025 auf Rekordhöhe. Für den Staat war dies ein Grund, noch einmal deutlich mehr Kredite aufzunehmen und über Steuererhöhungen zu diskutieren. Deutschland ist als wirtschaftlich angeschlagenes Land ein Hochsteuerland, in dem die Menschen unter einer viel zu hohen Steuerlast und mehr noch, einer deutlich zu hohen Abgabenlast leiden. Wenn man der Bischofskonferenz oder der EKD etwas vorwerfen kann, dann dies, dass sie sich nicht entschieden für Steuererleichterungen einsetzen. Zugleich liegt der quantifizierbare Gesamtumfang der geplanten Sparmaßnahmen deutscher katholischer Diözesen derzeit bei mindestens rund 550 Millionen Euro. Mit dem zusätzlichen Sparkurs des Verbands der Diözesen Deutschlands, den Rechtsträger der Deutschen Bischofskonferenz, kommen rund 556 Millionen Euro an Einsparungen zusammen. Nicht eingerechnet sind dabei Maßnahmen, die nicht klar in Euro quantifiziert werden können. Dazu gehören Immobilienreduzierungen, Stellenabbau durch Nichtnachbesetzung oder Kürzungen von Zuschüssen.


Seit Jahren wird immer wieder neu, also auch in diesem Jahr, das Absinken der Kirchensteuer durch die schrittweise Verrentung der Boomer-Generation angekündigt. Eingetreten ist dies bisher noch nicht. Einerseits erzielen die Boomer offensichtlich immer noch Einkommen in einem steuerlich relevanten Umfang, zum anderen gehen mehr Boomer deutlich später in Rente. Der ganz sicher kommenden Einbruch der Kirchensteuer wird dann allerdings mit einem insgesamt wegbrechenden Steueraufkommen in Deutschland zusammenfallen. Daher muss man fairerweise sagen, dass die gegenwärtigen Einsparmaßnahmen der Diözesen nur die sichtbare Spitze eines weitaus größeren Eisberges sind.

Der Abriss der Steuern wird sich etwas hinziehen. Eine Hochrechnung bis 2035 ergibt überschlägig eine Aufteilung von etwa 6,4 Milliarden Euro katholisch und 5,8 Milliarden Euro evangelisch, wobei die EKD wegen des etwas stärkeren Mitgliederschwunds tendenziell stärker unter Druck steht. Das würde sich bei nominal knapp minus 5 Prozent, real bei zwei Prozent Inflation pro Jahr bei etwa minus 22 Prozent belaufen. Dies sind in etwa die Annahmen, die den Sparmaßnahmen zugrunde liegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die nominalen Ausgaben der Diözesen in den nächsten Jahren gar nicht so stark fallen werden, sondern zunächst eher weiter steigen oder nur langsam, durch die geplanten Sparmaßnahmen, gedämpft werden können. Real, also inflationsbereinigt, werden die Bistümer aber sparen müssen. Damit gehen weniger Leistungen, weniger Zuschüsse, weniger Personal, weniger Gebäude, weniger Präsenz einher. Die von vielen Bistümern angekündigten Sparprogramme von zusammen mehr als einer halben Milliarde Euro sind deshalb nicht übertrieben, sondern eher die erste sichtbare Stufe. Der finanzielle Druck wird sich zum Beispiel nicht durch weniger Gottesdienstbesucher lösen, sondern nur durch harte Entscheidungen bei Personal, Immobilien und Zuschüssen.

Die katholischen Diözesen in Deutschland erleben eben nicht einen linearen Schrumpfungsprozess, bei dem Einnahmen und Kosten parallel kleiner werden. Man könnte die Entwicklung als einen asymmetrischen Bruch innerhalb der derzeit noch bestehenden Strukturen betrachten. Die Einnahmebasis schrumpft demografisch und durch Austritte, während im gleichen Zeitraum die Kostenbasis aus Personal, Immobilien, Versorgung, Verwaltung und Altlasten deutlich langsamer sinken kann. Aus diesem Zusammenhang entsteht für die Diözesen der Spardruck, obwohl dieser, aufgrund stetig wachsender Einnahmen, von außen betrachtet unlogisch erscheint. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Es muss in den kommenden Jahren noch stärker gespart werden.

Statistiken und Hochrechnungen sind zwar von Realismus und Augenmaß geprägt, können aber nicht das Wirken des Heiligen Geistes vorhersagen. Gesetzt den Fall, in Deutschland setzte ein Taufboom ein, wie wir ihn in Frankreich beobachten, dann würde sich das gegenwärtige Narrativ durchaus verändern. Bisher lautet die Grunderzählung, dass weniger Mitglieder, weniger Taufen, weniger Gottesdienstbesuch, weniger Personal, weniger Geld die Zukunft sein werden. Ein Taufboom junger Erwachsener würde zeigen, dass Säkularisierung nicht zwingend eine Einbahnstraße ist. Denn es sind radikal säkularisierte junge Menschen, die in Frankreich auf die Kirche zukommen, weil sie Gott und dem Evangelium begegnet sind.

Die Mitgliederzahl in Deutschland würde trotzdem weiter sinken, aber etwas langsamer. Die Altersstruktur würde sich an einem wichtigen Punkt verbessern. Die Kirchensteuer würde bestenfalls leicht stabilisiert. Gemeinden mit guter Aufnahmefähigkeit könnten spürbar wachsen. Katechese und Liturgie würden im Gemeindealltag strategisch wichtiger werden. Die Kirche würde sich von einem Versorgungsapparat stärker zu einer missionarischen Gemeinschaft wandeln. Finanziell, also hinsichtlich der Kirchensteuer, wäre ein Taufboom ein Randfaktor. Geistlich, pastoral und langfristig demografisch wäre er ein Signal von erheblicher Bedeutung, das sich Jahre später dann auch fiskalisch bemerkbar machen wird, wenn es bei der Kirchensteuer bleiben sollte.

Auch wenn das Recht der Kirche, als Körperschaft des öffentlichen Rechts eine Steuer auf Basis staatlicher Steuerlisten zu erheben, in Deutschland Verfassungsrang hat, so ist es keinesfalls in Stein gemeißelt. Eine Verfassung kann man ebenso ändern, wie sich die kirchlichen Finanzbedarfe verändern können. Dazu braucht es nicht einmal Drohungen wie die der AfD in Sachsen-Anhalt, Staatsleistungen und Kirchensteuereinzug einzustellen. Aber auch politische Modelle, in denen der Staat sich von Verbindungen und Verflechtungen mit der Kirche stärker trennt, sind möglich. Insofern gibt es auch von kirchlicher Seite sehr gute Gründe, Kirchenfinanzen auch einmal von einer anderen Seite zu denken. Eines ist klar, selbst radikal säkulare Staaten haben engere Bindungen an die Kirche, als sie oft selbst zugeben. Einerseits ist es insbesondere der karitative Auftrag der Kirche, der immer in einen Staat hineinwirkt. In Deutschland haben wir einen Sozialkonzern Caritas mit einer Präsidentin an der Spitze, die locker wie ein Bischof besoldet wird und mit einen Geflecht aus 5.300 Rechtsträgern zusammen mit 771.000 Beschäftigten entschieden mehr Verantwortung als jeder Bischof hat. Das ist ein Player im Staat. Gemeinsam mit der Diakonie haben die kirchlichen Sozialwerke ungefähr 1,5 Mio. Beschäftigte. Mit den Beschäftigten in den Diözesen, VDD, EKD und Landeskirchen kommen die Kirchen auf gut und gerne 1,8 Mio. Mitarbeiter. Größer ist nur der öffentliche Dienst mit 5,5 Mio. Beschäftigten.

Das wird auch bei Kirchensteuerwegfall und bei Einstellung oder Ablösung der Staatsleistungen nicht ad hoc verschwinden oder deutlich schrumpfen. Zum Beispiel könnte eine stärker missionarisch ausgerichtete Kirche sich auch finanziell ganz anders aufstellen als die heutige Versorgungskirche, die sie auch nach diversen Bistumsreformen immer noch sein wird. Da sind dann auch ganz andere Modelle denkbar. Zugleich ändern sich auch die staatlichen Rahmenbedingungen und es könnte sein, dass ein künftiger Staat seine Sozialdienste selbst organisieren will, dann wären Caritas und Diakonie staatliche Übernahmekandidaten. Da kann man sehr viele Fantasien hin und her bewegen und sich historische Beispiele ansehen.

Das alles ändert an einem nichts, die Kirche ist nicht zuerst eine Organisation, die auf Geld angewiesen ist. Sie lebt davon, dass sie von Gott gewollt und vom Heiligen Geist geleitet wird. Da die Gnade mit der Natur wirkt, ist die Natur der Kirche ein Faktor. Die Übernatur allerdings ist deutlich entscheidender. Papst Benedikt XVI. sprach von der Notwendigkeit der Entweltlichung der Kirche, er tat dies nicht, weil er der Kirche in Deutschland den Wohlstand nicht gönnte, sondern weil er sehen konnte, wo der exorbitante Reichtum der Kirche in Deutschland ihrer geistlichen Fruchtbarkeit im Wege stand. Auch vor diesem Hintergrund kann es nötig sein, die Kirche finanziell auf ganz andere Füße zu stellen. Denn wir sind kein Bank. Die Kirche dient dem Seelenheil der Menschen. Stellt die Kirche das in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen, kann sie sich sicher sein, alles vom Herrn zu bekommen, was sie braucht. Betrachtet man die kirchliche Finanzverfassung vor diesem Hintergrund, dann relativiert sich so manches an den oben angestellten Überlegungen.

 

Bild oben: Der erneut üppige Geldregen täuscht über den Kaufkraftverlust und über die Gefahr eines drohenden sehr plötzlichen Einbruchs der Kirchensteuer hinweg. Foto: Peter Winnemöller mit KI generiert


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Lesermeinungen

 littlemore vor 42 Minuten 

Warum sparen dann die Diözesen derzeit so?

Seltsam, in den Diözesen herrscht Panikstimmung, was Finanzen betrifft ... . Und was geschieht mit dem Geld, das derzeit überfließt?


0
 
 Dornenbusch vor 3 Stunden 
 

Trotz der Kirchensteuer wird diese (LINK) Kirche geschlossen.

youtube.com/shorts/N07u8vysbdA?is=Ie-lIRb5D2g0XZVV


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