Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. EWTN-Chefin Maria Montserrat Alvarado wird neue Kommunikationspräfektin
  2. Episkopale Arbeitsverweigerung in einem kleinen Video
  3. Deutliche Kritik an 'Amoris Laetitia' im Vorfeld des Papstbesuches
  4. Der synodale Prozess, eine Totgeburt von Anfang an!
  5. Wahrheit ist heilsrelevant
  6. Vatikan-Bischof lobt John Lennons atheistisches ‚Imagine‘ als ‚schönstes Lied der Welt‘
  7. 'Armutsindustrie' in der Kritik: Statistik misst Ungleichheit, nicht echte Not
  8. Akademie Johannes Paul II. fordert Kard. Grech auf, den pro-LGBT-Synodenbericht zurückzunehmen
  9. Erbärmlich! Lieber Peter Thiel, die meisten Österreicher sind nicht so!
  10. Die 'Akte Lügenfritz': Wenn Staatsgläubigkeit die Meinungsfreiheit verdrängt
  11. Papst Pius X.: ‚Was brauchen wir heute am meisten, um die Gesellschaft zu retten?
  12. Ritus, Zeichen und Symbol: Der Weg zum Mysterium
  13. "Ich glaube, dass ich glaube"
  14. Papst an Pfadfinder: „Ihr verbindet auf kluge Weise das Buch der Natur mit dem Wort Gottes“
  15. Die große Kraft der Marienverehrung in der Endzeit

Technisch brillant, geistig obdachlos

vor 6 Stunden in Kommentar, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Wenn Algorithmen Antworten geben, aber keinen Sinn stiften: Papst Leo XIV. warnt in seiner Enzyklika vor einer neuen babylonischen Versuchung und verteidigt die Würde des Menschen - BeneDicta am Freitag von Dorothea Schmidt


Regensburg (kath.net)

„Entweder errichtet die Menschheit einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut eine Stadt, in der Gott und Mensch gemeinsam wohnen." Mit diesem Bild eröffnet Papst Leo XIV. seine erste Enzyklika Magnifica humanitas. Die Menschheit steht an einer Schwelle – und vielleicht geschieht schon jetzt, je nach Ort, Kultur und Haltung, beides zugleich: ein neues Babel und ein neues Jerusalem (oder neues Pfingsten) sind keine fernen Szenarien, sondern mögliche Bewegungen derselben Gegenwart.

Seine Enzyklika kommt genau zu rechten Zeit. Denn die Erwartungen an künstliche Intelligenz sind hoch: Sie soll Krankheiten heilen, Verwaltung effizienter machen, Kommunikation perfektionieren, Wissen demokratisieren und selbst Einsamkeit lindern. Doch Leo XIV. warnt nicht einfach vor dieser Technologie, sondern richtet den Blick auf die geistige Verfassung, die sie begleitet; eine Verfassung zwischen technologischer Euphorie und geistiger Erschöpfung.

Mit jeder Ausweitung algorithmischer Logik verändert sich nicht nur die Technik, sondern auch das Selbstverständnis des Menschen. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, was Maschinen leisten können, sondern: Was am Menschen entzieht sich der Berechenbarkeit – und was geht verloren, wenn wir aufhören, diese Frage zu stellen?

Das Bild von Babel passt hier sehr gut. Es steht für den Versuch, die Welt vollständig aus eigener Kraft zu ordnen und Sinn durch Machbarkeit zu ersetzen. Die Tragik dieses Projekts liegt nicht darin, dass der Mensch unfähig gewesen ist, sondern in seinem Größen- und Kontrollwahn. Doch je größer die technische Kontrolle, desto kleiner wird die Frage nach dem Sinn. Die Folgen Babels waren Verwirrung, Sprachlosigkeit und Orientierungslosigkeit – eine Welt, die äußerlich hochentwickelt, innerlich jedoch verarmt ist. Technisch brillant und doch obdachlos.


Wo menschliche Kompetenz zum alleinigen Maßstab wird, verschwindet nicht nur die Frage nach Gott – es entsteht ein neuer Glaube: an Kontrolle, Effizienz, Machbarkeit und technische Erlösung. Er zeigt sich darin, wie selbstverständlich Algorithmen das eigene Urteil übernehmen, wie Beziehungen nach Nützlichkeit bewertet werden, wie Sprache und Kreativität algorithmisch simuliert werden. Was technisch reproduzierbar ist, erscheint dann wichtiger als die Tiefe der Person und das Geheimnis Gottes.

Die eigentliche Gefahr liegt nach Leo XIV. daher nicht darin, dass Maschinen menschenähnlicher werden, sondern dass Menschen beginnen, sich wie Maschinen zu verhalten – effizient, berechenbar, optimierbar. Eine Kultur, die den Menschen nur noch nach Funktionalität bewertet, wird am Ende auch Moral funktionalisieren: Dann zählt nicht mehr das Gute, sondern das Effiziente. Nicht mehr Wahrheit, sondern Reichweite. Nicht mehr Weisheit, sondern Geschwindigkeit. Dann gibt es nicht mehr Beziehung, sondern Einsamkeit.

Besonders sichtbar wird diese Verschiebung im Bereich der Arbeit. Im christlichen Verständnis ist Arbeit mehr als Funktion oder Broterwerb: Sie ist Teilhabe an der Schöpfung und verleiht dem Menschen Würde. Darauf weist auch Leo hin. Wird sie zunehmend automatisiert oder delegiert, verschiebt sich nicht nur die Wirtschaftsordnung, sondern auch das Verständnis menschlicher Tätigkeit. Der Mensch bringt sich um etwas, das ihm Würde verleiht: Arbeit; die Möglichkeit, sich selbst als handelndes, verantwortliches Wesen zu erfahren.

Dem Geist von Babel hält Leo XIV. eine klare Antwort entgegen: Der Mensch besitzt seine Würde nicht aufgrund seiner Leistungsfähigkeit oder Verwertbarkeit, sondern weil er Ebenbild Gottes ist. Diese Würde hat er nicht gemacht, sondern wurde ihm geschenkt. Freiheit, Gewissen, Liebe und Hingabe entziehen sich jeder vollständigen Berechnung. Ein Mensch, der sich vollständig in Daten übersetzen ließe, wäre letztlich eine Maschine: vielleicht effizient, vielleicht nützlich – er würde sich aber nicht mehr als Person würdevoll fühlen; im anderen möglicherweise nicht mehr eine Person erkennen.

In diesem Sinne lässt sich die Enzyklika von Papst Leo XIV. gut zusammen mit Franziskus’ „Dignitas infinita“ lesen, in der die unveräußerliche Würde und Identität des Menschen ausdrücklich in den Mittelpunkt gestellt wird.

Seine wahre Identität findet der Mensch nur dort, wo er zuerst empfängt: die Zusage Gottes, geliebt und gewollt zu sein Dieser Satz muss nicht nur gehört, sondern mit dem Herzen aufgenommen werden, damit er seine Wirkung entfaltet. Wo diese empfangene Identität gelebt wird, beginnt der Mensch, sich und die Welt anders zu betrachten; Er schaut nicht durch die Linse der Optimierung, sondern durch die Linse der Weisheit.

Weisheit ist dabei mehr als angesammeltes Wissen oder Intelligenz. Sie ist eine Gabe des Heiligen Geistes: Sie erkennt die Grenze menschlicher Machbarkeit, hält die Frage nach dem Sinn offen und weiß, dass der Mensch ein Geheimnis bleibt, auch sich selbst gegenüber. KI ersetzt keinen Gott, zu dem der Mensch in Beziehung treten kann. Freiheit, Gewissen, Liebe, Opferbereitschaft und Hoffnung lassen sich nicht programmieren.

Das Gegenbild zu Babel ist Pfingsten: Verständigung statt Sprachlosigkeit, Offenheit statt Kontrolle, Beziehung statt Einsamkeit, Erneuerung statt Selbstoptimierung. Pfingsten beginnt dort, wo Menschen sich wieder für Gottes Geist öffnen. Es ist die Bewegung weg von der Frage „Was kann ich leisten?" hin zu der tieferen Frage: „Wozu lebe ich?"

Dass Leo XIV. den Menschen gegen seine eigene Selbstvergessenheit überhaupt verteidigen und daran erinnern muss, dass der Mensch eine Seele hat, ist eines der deutlichsten Alarmzeichen unserer Zeit. Eine Kultur, die den Kern des Menschen spaltet – seine Leistung von seinem Sinn, sein Können von seinem Wozu –, setzt zwar Energie frei, aber keine, die wärmt. Was bleibt, ist eine diffuse Strahlung ohne Richtung.

Leo führt zurück zum geistlichen, wahrhaft anthropologischen Denken. Seine Enzyklika lädt ein inne zu halten. Es darf nicht nur darum gehen, wie wir KI besser regulieren, sondern wie wir als Menschen bleiben, was wir sind – nicht trotz der Technik, sondern inmitten von ihr. Technisch brillant zu sein und geistig obdachlos zu bleiben, ist keine unvermeidliche Konsequenz des Fortschritts. Es ist eine Entscheidung.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 SalvatoreMio vor 6 Stunden 
 

„Entweder errichtet die Menschheit einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut eine Stadt, in der Gott

Liebe Frau@Schmidt! Vielen Dank für all die wertvollen Gedanken, die immens wichtig sind und die man zusammenfassen könnte mit: "Seine wahre Identität findet der Mensch nur dort, wo er zuerst empfängt: die Zusage Gottes, geliebt und gewollt zu sein" - Genau deshalb aber finde ich die Titelworte nicht ideal, denn nicht wir Menschen erbauen die "neue Stadt", aber wir sind gewiss Mitarbeiter. Die Apokalypse sagt: "Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen - seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen. Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein .." Offb 21)


0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

BeneDicta

  1. Beschließen ohne zu entscheiden?
  2. Die große Täuschung
  3. Hoffnung schlägt Optimismus
  4. Kirche zwischen Riss und Rückbindung
  5. Freu dich, Gott liebt dich
  6. 'Sommer ist, was in deinem Kopf passiert'
  7. Denn der Glaube ist kein Leistungssport
  8. Das Glück dieser Welt kauft man nicht mit Geld
  9. Herabsteigen in die „Tiefe unseres Seins“
  10. Lächle einen Menschen an, der dich nervt!






Top-15

meist-gelesen

  1. SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz - ANMELDUNG noch bis 22. JUNI!
  2. Episkopale Arbeitsverweigerung in einem kleinen Video
  3. Der synodale Prozess, eine Totgeburt von Anfang an!
  4. EWTN-Chefin Maria Montserrat Alvarado wird neue Kommunikationspräfektin
  5. RTL-Journalistin Liv von Boetticher: „Habe die Bundespolizei zwei Nächte lang auf Streife begleitet“
  6. Deutliche Kritik an 'Amoris Laetitia' im Vorfeld des Papstbesuches
  7. Erbärmlich! Lieber Peter Thiel, die meisten Österreicher sind nicht so!
  8. Das brennende Herz des heiligen Philipp Neri: Ein wissenschaftlich dokumentiertes Pfingstwunder
  9. Warum haben alte Kirchen einen verborgenen Raum unter dem Altar?
  10. Arche-Noah-Nachbildung feiert 10-jähriges Jubiläum
  11. Die große Kraft der Marienverehrung in der Endzeit
  12. Schönborn: Glaube braucht Tradition und kirchliche Einheit
  13. Fossile Bäume lösen Debatte um Arche Noah und die Sintflut aus
  14. Akademie Johannes Paul II. fordert Kard. Grech auf, den pro-LGBT-Synodenbericht zurückzunehmen
  15. Wahrheit ist heilsrelevant

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz