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| ![]() Wir sind kein Algorithmus! Bildung braucht Wahrheit und Hoffnungvor 4 Stunden in Aktuelles, 1 Lesermeinung Leo XIV. in der Universität La Sapienza: Über Wahrheit, Hoffnung und Verantwortung. Bildung und die Suche nach Wahrheit und menschlicher Würde. Wider Aufrüstung, Kriegstechnologien und den Missbrauch künstlicher Intelligenz. Von Armin Schwibach Rom (kath.net/as) Mit einem eindringlichen Appell an die Verantwortung der Bildung, zur Wahrung der Würde des Menschen und an die Hoffnung der jungen Generation besuchte Papst Leo XIV. am Donnerstag die römische Universität Sapienza. In der Aula Magna sprach der Papst zu Professoren, Studenten und Vertretern der akademischen Gemeinschaft der größten Universität Europas. Seine Ansprache verband geistliche, kulturelle und gesellschaftliche Themen miteinander: die Suche nach Wahrheit, die Krise vieler junger Menschen, die Gefahr eines technokratischen Menschenbildes, die Bedrohung durch Krieg und Aufrüstung sowie die Verantwortung der Universitäten für Frieden und Gerechtigkeit. Der Papst erklärte eingangs, er habe die Einladung der Universität mit großer Freude angenommen. Die Sapienza zeichne sich nicht allein durch wissenschaftliche Exzellenz aus, sondern auch durch ihren Einsatz für das Recht auf Bildung, besonders für Menschen mit geringeren wirtschaftlichen Möglichkeiten, für Menschen mit Behinderungen, Gefangene und Flüchtlinge aus Kriegsgebieten. Besonders würdigte Leo XIV. das Abkommen zwischen der Universität und der Diözese Rom zur Einrichtung eines humanitären Universitätskorridors aus dem Gazastreifen. Als Bischof von Rom sei es ihm wichtig gewesen, der akademischen Gemeinschaft persönlich zu begegnen. Mit „dem Herzen eines Hirten“ wolle er zunächst zu den Studenten und dann zu den Lehrenden sprechen. Der Papst beschrieb die Wege der Universität als Orte, die täglich von jungen Menschen mit widersprüchlichen Gefühlen durchschritten würden. Trotz einer von Ungerechtigkeiten gezeichneten Welt trage die Jugend noch immer die Erfahrung in sich, dass die Zukunft offen sei und niemand sie rauben könne. Studium, Freundschaften und die Begegnung mit großen Denkern seien deshalb nicht nur Vorbereitung auf einen Beruf, sondern Verheißung einer inneren und äußeren Erneuerung. Wenn die Sehnsucht nach Wahrheit zur Suche werde, dann zeuge der Mut zum Studium von der Hoffnung auf eine neue Welt. In diesem Zusammenhang erinnerte Leo XIV. an seine geistliche Verbundenheit mit dem heiligen Augustinus. Dieser sei selbst ein „unruhiger junger Mensch“ gewesen, der schwere Fehler begangen habe, dessen Leidenschaft für Schönheit und Weisheit jedoch nie verloren gegangen sei. Die vielen Fragen, die ihm von Studenten im Vorfeld übermittelt worden seien, hätten ihn tief bewegt. Auch wenn er nicht alle beantworten könne, wünsche er jedem jungen Menschen Gelegenheiten zum echten Dialog. Deshalb hätten auch die Universitätsseelsorgen ihre Bedeutung: Dort begegne der Glaube den Fragen der jungen Menschen. Der Papst spräche dann über die innere Not vieler Studenten. Man dürfe nicht verschweigen, dass zahlreiche junge Menschen litten. Schwierige Zeiten gehörten zum Leben jedes Menschen. Heute jedoch würden viele von Erwartungen und Leistungsdruck regelrecht erdrückt. Leo XIV. Benanntedie „Lüge eines verzerrten Systems“, das Menschen auf Zahlen reduziere, Konkurrenz verschärfe und Spiralen der Angst hervorbringe. Gerade dieses geistige Unbehagen erinnere daran, dass der Mensch nicht die Summe dessen sei, was er besitze, und auch nicht bloß zufällig zusammengesetzte Materie eines stummen Kosmos: „Wir sind ein Verlangen, kein Algorithmus.“ Aus dieser Diagnose leitete der Papst zwei Grundfragen ab. Die erste richte sich an die jungen Menschen selbst: „Wer bist du?“. Das eigene Selbst zu finden, sei die eigentliche Aufgabe des menschlichen Lebens. Diese Frage stelle man einander, man stelle sie stillschweigend auch Gott, und niemand könne sie vollständig allein beantworten. Der Mensch lebe aus seinen Beziehungen, seiner Sprache und seiner Kultur. Deshalb müssten die Universitätsjahre vor allem Jahre großer Begegnungen sein. Die zweite Frage richte sich an die Erwachsenen: „Welche Welt hinterlassen wir?“. Der Papst beklagte eine Welt, die von Kriegen und einer Sprache des Krieges entstellt werde. Diese „Vergiftung der Vernunft“ dringe von der Geopolitik bis in die sozialen Beziehungen vor. Die Universität müsse deshalb ein Ort sein, an dem Vereinfachungen überwunden und Feindbilder korrigiert würden: durch die Pflege der Komplexität und durch das Gedächtnis der Geschichte. Besonders die Tragödien des 20. Jahrhunderts dürften niemals vergessen werden. Mit Nachdruck erinnerte Leo XIV. an den Ruf seiner Vorgänger: „Nie wieder Krieg!“ Dieser Ruf entspreche auch der Ablehnung des Krieges in der italienischen Verfassung. Der Papst sprach von einer notwendigen „geistlichen Allianz“ mit dem Gerechtigkeitssinn der Jugend und ihrer Berufung, sich nicht in Ideologien oder nationalen Grenzen einzuschließen. Deutlich kritisierte der Papst die weltweite Zunahme der Militärausgaben, besonders in Europa. Man dürfe eine Aufrüstung, die Spannungen und Unsicherheit vermehre, nicht „Verteidigung“ nennen. Sie entziehe Bildung und Gesundheitswesen Mittel, zerstöre das Vertrauen in die Diplomatie und bereichere Eliten, denen das Gemeinwohl gleichgültig sei. Ebenso warnte der Papst vor einer verantwortungslosen Entwicklung künstlicher Intelligenz im militärischen und zivilen Bereich. Technologie dürfe niemals die menschliche Verantwortung ersetzen oder die Tragik von Konflikten verschärfen. Die Kriege in der Ukraine, in Gaza und den palästinensischen Gebieten, im Libanon und im Iran zeigten nach den Worten des Papstes die „unmenschliche Entwicklung“ des Verhältnisses zwischen Krieg und neuen Technologien. Forschung, Studium und Investitionen müssten deshalb in die entgegengesetzte Richtung gehen – als radikales „Ja zum Leben“. Leo XIV. sprach ausdrücklich von einem Ja zum unschuldigen Leben, zum Leben der Jugend und zum Leben der Völker, die Frieden und Gerechtigkeit erbäten. Ein weiteres großes Thema der Ansprache war die ökologische Krise. Unter Hinweis auf die Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus erinnerte Leo XIV. daran, dass die wissenschaftlichen Warnungen vor der Erderwärmung seit Jahren bekannt seien. Trotz vieler guter Vorsätze habe sich die Situation jedoch offenbar nicht verbessert. Gerade deshalb rief der Papst die jungen Menschen dazu auf, nicht der Resignation zu verfallen. Ihre Unruhe solle zur Prophetie werden. Wer glaube, wisse, dass die Geschichte niemals endgültig in die Hände des Todes falle, sondern von Gott getragen werde, der Leben aus dem Nichts erschaffe. Zugleich erklärte Leo XIV., dass der Zusammenbruch eines rein konsumistischen und besitzorientierten Denkens Raum für Neues eröffne. Die Studenten sollten lernen, Gerechtigkeit zu „studieren, zu pflegen und zu bewahren“. Der Papst forderte die jungen Menschen auf, gemeinsam „Handwerker des wahren Friedens“ zu werden - eines Friedens, der „waffenlos und entwaffnend“, demütig und beharrlich sei. Dazu brauche es ihre ganze Intelligenz und Kühnheit. Die Jugend könne den älteren Generationen helfen, einen echten Horizont des Sinnes wiederzufinden und sich nicht mit bloßen Momentaufnahmen der Gegenwart zufriedenzugeben. An die Professoren gerichtet sagte Leo XIV., die Universität müsse weiterhin ein Ort des kritischen Denkens bleiben. Die Lehrer trügen eine anspruchsvolle, aber begeisternde Verantwortung für die Begegnung mit den Herzen und dem Denken der jungen Menschen. Deshalb stellte der Papst ihnen eine direkte Gewissensfrage: „Vertraue ich meinen Studenten?“. Unterrichten sei eine Form der Liebe: nicht weniger als die Hilfe für einen Migranten im Meer, für einen Armen auf der Straße oder für einen verzweifelten Menschen. Bildung dürfe sich niemals nur auf Kenntnisse beschränken. Wahres Lehren bedeute, Werte durch das eigene Leben zu bezeugen, die Wirklichkeit zu achten und den jungen Menschen zu helfen, ihr Gewissen, ihren Sinn für Gerechtigkeit und ihre Achtung vor dem Nicht-Verfügbaren zu entwickeln. Wissen diene nicht nur beruflichen Zwecken, sondern helfe dem Menschen zu erkennen, wer er sei. Studium, Praktika, wissenschaftliche Arbeit und die Begegnung mit der Stadt könnten jungen Menschen immer neue Gründe geben, Ordnung zwischen Leben und Lernen, zwischen Mitteln und Zielen zu finden. Zum Abschluss bezeichnete Leo XIV. seinen Besuch als Zeichen einer „neuen Bildungsallianz“ zwischen der Kirche von Rom und der Sapienza. Die Universität sei schließlich im Schoß der Kirche entstanden und gewachsen.
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