Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vom Streuner zum Messdiener: Welpe „Johnny“ findet ein neues Zuhause
  2. Papst warnt erneut die Piusbrüder! Geste wäre "ein schismatischer Akt"
  3. Selektive Wahrheiten und die römische Geduld
  4. Homosexuellenapostolat Courage International kritisiert Synodenbericht
  5. Vom Benehmen mit Majestäten
  6. Ein Jahr Papst Leo XIV.
  7. Eine nötige Klarstellung aus Rom
  8. Vom Segen Gottes und dem Fake-Segen dieser Welt
  9. Ein Moment zum Schämen
  10. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts bei Unfall schwer verletzt
  11. „Klimaschützer“ fliegen am häufigsten
  12. Wuppertaler stellv. Stadtdechant: „Lebendige Bindung an die Weltkirche“ statt „deutsche Sonderwege“
  13. Ein Akt der Demut?
  14. Pompei: Keine irdische Macht wird die Welt retten!
  15. Solschenizyns düstere Prognose: Wenn die Seele der Zivilisation stirbt

Wir sind kein Algorithmus! Bildung braucht Wahrheit und Hoffnung

vor 4 Stunden in Aktuelles, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Leo XIV. in der Universität La Sapienza: Über Wahrheit, Hoffnung und Verantwortung. Bildung und die Suche nach Wahrheit und menschlicher Würde. Wider Aufrüstung, Kriegstechnologien und den Missbrauch künstlicher Intelligenz. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Mit einem eindringlichen Appell an die Verantwortung der Bildung, zur Wahrung der Würde des Menschen und an die Hoffnung der jungen Generation besuchte Papst Leo XIV. am Donnerstag die römische Universität Sapienza. In der Aula Magna sprach der Papst zu Professoren, Studenten und Vertretern der akademischen Gemeinschaft der größten Universität Europas. Seine Ansprache verband geistliche, kulturelle und gesellschaftliche Themen miteinander: die Suche nach Wahrheit, die Krise vieler junger Menschen, die Gefahr eines technokratischen Menschenbildes, die Bedrohung durch Krieg und Aufrüstung sowie die Verantwortung der Universitäten für Frieden und Gerechtigkeit.

Der Papst erklärte eingangs, er habe die Einladung der Universität mit großer Freude angenommen. Die Sapienza zeichne sich nicht allein durch wissenschaftliche Exzellenz aus, sondern auch durch ihren Einsatz für das Recht auf Bildung, besonders für Menschen mit geringeren wirtschaftlichen Möglichkeiten, für Menschen mit Behinderungen, Gefangene und Flüchtlinge aus Kriegsgebieten. Besonders würdigte Leo XIV. das Abkommen zwischen der Universität und der Diözese Rom zur Einrichtung eines humanitären Universitätskorridors aus dem Gazastreifen. Als Bischof von Rom sei es ihm wichtig gewesen, der akademischen Gemeinschaft persönlich zu begegnen. Mit „dem Herzen eines Hirten“ wolle er zunächst zu den Studenten und dann zu den Lehrenden sprechen.

Der Papst beschrieb die Wege der Universität als Orte, die täglich von jungen Menschen mit widersprüchlichen Gefühlen durchschritten würden. Trotz einer von Ungerechtigkeiten gezeichneten Welt trage die Jugend noch immer die Erfahrung in sich, dass die Zukunft offen sei und niemand sie rauben könne. Studium, Freundschaften und die Begegnung mit großen Denkern seien deshalb nicht nur Vorbereitung auf einen Beruf, sondern Verheißung einer inneren und äußeren Erneuerung. Wenn die Sehnsucht nach Wahrheit zur Suche werde, dann zeuge der Mut zum Studium von der Hoffnung auf eine neue Welt.

In diesem Zusammenhang erinnerte Leo XIV. an seine geistliche Verbundenheit mit dem heiligen Augustinus. Dieser sei selbst ein „unruhiger junger Mensch“ gewesen, der schwere Fehler begangen habe, dessen Leidenschaft für Schönheit und Weisheit jedoch nie verloren gegangen sei. Die vielen Fragen, die ihm von Studenten im Vorfeld übermittelt worden seien, hätten ihn tief bewegt. Auch wenn er nicht alle beantworten könne, wünsche er jedem jungen Menschen Gelegenheiten zum echten Dialog. Deshalb hätten auch die Universitätsseelsorgen ihre Bedeutung: Dort begegne der Glaube den Fragen der jungen Menschen. Der Papst spräche dann über die innere Not vieler Studenten. Man dürfe nicht verschweigen, dass zahlreiche junge Menschen litten. Schwierige Zeiten gehörten zum Leben jedes Menschen. Heute jedoch würden viele von Erwartungen und Leistungsdruck regelrecht erdrückt. Leo XIV. Benanntedie „Lüge eines verzerrten Systems“, das Menschen auf Zahlen reduziere, Konkurrenz verschärfe und Spiralen der Angst hervorbringe. Gerade dieses geistige Unbehagen erinnere daran, dass der Mensch nicht die Summe dessen sei, was er besitze, und auch nicht bloß zufällig zusammengesetzte Materie eines stummen Kosmos: „Wir sind ein Verlangen, kein Algorithmus.“


Aus dieser Diagnose leitete der Papst zwei Grundfragen ab. Die erste richte sich an die jungen Menschen selbst: „Wer bist du?“. Das eigene Selbst zu finden, sei die eigentliche Aufgabe des menschlichen Lebens. Diese Frage stelle man einander, man stelle sie stillschweigend auch Gott, und niemand könne sie vollständig allein beantworten. Der Mensch lebe aus seinen Beziehungen, seiner Sprache und seiner Kultur. Deshalb müssten die Universitätsjahre vor allem Jahre großer Begegnungen sein. Die zweite Frage richte sich an die Erwachsenen: „Welche Welt hinterlassen wir?“. Der Papst beklagte eine Welt, die von Kriegen und einer Sprache des Krieges entstellt werde. Diese „Vergiftung der Vernunft“ dringe von der Geopolitik bis in die sozialen Beziehungen vor. Die Universität müsse deshalb ein Ort sein, an dem Vereinfachungen überwunden und Feindbilder korrigiert würden: durch die Pflege der Komplexität und durch das Gedächtnis der Geschichte. Besonders die Tragödien des 20. Jahrhunderts dürften niemals vergessen werden. Mit Nachdruck erinnerte Leo XIV. an den Ruf seiner Vorgänger: „Nie wieder Krieg!“ Dieser Ruf entspreche auch der Ablehnung des Krieges in der italienischen Verfassung. Der Papst sprach von einer notwendigen „geistlichen Allianz“ mit dem Gerechtigkeitssinn der Jugend und ihrer Berufung, sich nicht in Ideologien oder nationalen Grenzen einzuschließen.

Deutlich kritisierte der Papst die weltweite Zunahme der Militärausgaben, besonders in Europa. Man dürfe eine Aufrüstung, die Spannungen und Unsicherheit vermehre, nicht „Verteidigung“ nennen. Sie entziehe Bildung und Gesundheitswesen Mittel, zerstöre das Vertrauen in die Diplomatie und bereichere Eliten, denen das Gemeinwohl gleichgültig sei. Ebenso warnte der Papst vor einer verantwortungslosen Entwicklung künstlicher Intelligenz im militärischen und zivilen Bereich. Technologie dürfe niemals die menschliche Verantwortung ersetzen oder die Tragik von Konflikten verschärfen. Die Kriege in der Ukraine, in Gaza und den palästinensischen Gebieten, im Libanon und im Iran zeigten nach den Worten des Papstes die „unmenschliche Entwicklung“ des Verhältnisses zwischen Krieg und neuen Technologien. Forschung, Studium und Investitionen müssten deshalb in die entgegengesetzte Richtung gehen – als radikales „Ja zum Leben“. Leo XIV. sprach ausdrücklich von einem Ja zum unschuldigen Leben, zum Leben der Jugend und zum Leben der Völker, die Frieden und Gerechtigkeit erbäten.

Ein weiteres großes Thema der Ansprache war die ökologische Krise. Unter Hinweis auf die Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus erinnerte Leo XIV. daran, dass die wissenschaftlichen Warnungen vor der Erderwärmung seit Jahren bekannt seien. Trotz vieler guter Vorsätze habe sich die Situation jedoch offenbar nicht verbessert. Gerade deshalb rief der Papst die jungen Menschen dazu auf, nicht der Resignation zu verfallen. Ihre Unruhe solle zur Prophetie werden. Wer glaube, wisse, dass die Geschichte niemals endgültig in die Hände des Todes falle, sondern von Gott getragen werde, der Leben aus dem Nichts erschaffe. Zugleich erklärte Leo XIV., dass der Zusammenbruch eines rein konsumistischen und besitzorientierten Denkens Raum für Neues eröffne. Die Studenten sollten lernen, Gerechtigkeit zu „studieren, zu pflegen und zu bewahren“. Der Papst forderte die jungen Menschen auf, gemeinsam „Handwerker des wahren Friedens“ zu werden - eines Friedens, der „waffenlos und entwaffnend“, demütig und beharrlich sei. Dazu brauche es ihre ganze Intelligenz und Kühnheit. Die Jugend könne den älteren Generationen helfen, einen echten Horizont des Sinnes wiederzufinden und sich nicht mit bloßen Momentaufnahmen der Gegenwart zufriedenzugeben.

An die Professoren gerichtet sagte Leo XIV., die Universität müsse weiterhin ein Ort des kritischen Denkens bleiben. Die Lehrer trügen eine anspruchsvolle, aber begeisternde Verantwortung für die Begegnung mit den Herzen und dem Denken der jungen Menschen. Deshalb stellte der Papst ihnen eine direkte Gewissensfrage: „Vertraue ich meinen Studenten?“. Unterrichten sei eine Form der Liebe: nicht weniger als die Hilfe für einen Migranten im Meer, für einen Armen auf der Straße oder für einen verzweifelten Menschen. Bildung dürfe sich niemals nur auf Kenntnisse beschränken. Wahres Lehren bedeute, Werte durch das eigene Leben zu bezeugen, die Wirklichkeit zu achten und den jungen Menschen zu helfen, ihr Gewissen, ihren Sinn für Gerechtigkeit und ihre Achtung vor dem Nicht-Verfügbaren zu entwickeln. Wissen diene nicht nur beruflichen Zwecken, sondern helfe dem Menschen zu erkennen, wer er sei. Studium, Praktika, wissenschaftliche Arbeit und die Begegnung mit der Stadt könnten jungen Menschen immer neue Gründe geben, Ordnung zwischen Leben und Lernen, zwischen Mitteln und Zielen zu finden.

Zum Abschluss bezeichnete Leo XIV. seinen Besuch als Zeichen einer „neuen Bildungsallianz“ zwischen der Kirche von Rom und der Sapienza. Die Universität sei schließlich im Schoß der Kirche entstanden und gewachsen.

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Stefan Fleischer vor 2 Stunden 

Alles schön und gut.

Ich aber hätte mir etwas weniger Befreiungstheologie und etwas mehr Erlösungstheologie erhofft. Denn, ʺwenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen˝. (1.Kor 15,19)


0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. EINMALIGE CHANCE - SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  2. Selektive Wahrheiten und die römische Geduld
  3. Vom Streuner zum Messdiener: Welpe „Johnny“ findet ein neues Zuhause
  4. Papst warnt erneut die Piusbrüder! Geste wäre "ein schismatischer Akt"
  5. Eine nötige Klarstellung aus Rom
  6. Pompei: Keine irdische Macht wird die Welt retten!
  7. Vom Segen Gottes und dem Fake-Segen dieser Welt
  8. Überraschendes Blutwunder in Neapel bei Papstbesuch
  9. 'Der Papst sollte diese wöchentlichen Presse-Mehrkämpfe unterlassen'
  10. Wenn die Wahrheit unglaubwürdig ist: Bankmitarbeiterin beendete Telefonat mit Papst Leo
  11. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts bei Unfall schwer verletzt
  12. Solschenizyns düstere Prognose: Wenn die Seele der Zivilisation stirbt
  13. Ein Moment zum Schämen
  14. Vom Benehmen mit Majestäten
  15. Ein Akt der Demut?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz