Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Wir können nicht sagen, dass das, was 1.600 Jahre lang getan wurde, jetzt nicht mehr gültig sei“
  2. Denn sie wissen nicht, was sie fordern
  3. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  4. Die US-Bischöfe fördern die natürliche Familienplanung
  5. "Menschenhandel bleibt Menschenhandel"
  6. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  7. Vatikan: Neues Café auf Kuppel des Petersdoms öffnet im Herbst
  8. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  9. 'Weihnachten im Juli': Der Gedenktag der Heiligen Drei Könige
  10. Neues Video bringt Sea-Watch unter schweren Verdacht: Zusammenarbeit mit bewaffneten Schleusern?
  11. Vatikan dementiert Berichte über Ende des Rupnik-Verfahrens
  12. Deutsches Auswärtiges Amt verzichtet auf Genderschreibweise
  13. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  14. Papst ruft zu christlichem Lebensstil im Urlaub auf
  15. Papst bleibt in Bewegung: Dritter Ausflug von Castel Gandolfo aus

Leihmutterschaft: Ethikerin warnt vor Ausbeutung und Handel

vor 6 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


IMABE-Direktorin Susanne Kummer in "Presse"-Gastbeitrag: "Frauen sind keine Gebärmaschinen, Kinder keine Handelsware".


Wien (kath.net/ KAP) 
Vor einer ethischen Legitimierung der Leihmutterschaft durch hohe Vergütungen und rechtliche Verträge warnt die Direktorin des Wiener Instituts für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE), Susanne Kummer. In einem Gastbeitrag für die "Presse" (Mittwoch) argumentiert die Expertin, die internationale Leihmutterschaft entwickle sich zunehmend zu einem globalen Markt, bei dem Frauen wie auch Kinder Gefahr liefen, zu Handelsobjekten zu werden.
Anlass des Gastbeitrags ist die öffentliche Debatte um den früheren deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der mit seinem Partner durch eine Leihmutter in den USA Vater geworden ist. Das Beispiel werfe die grundsätzliche gesellschaftliche Frage auf, ob ein Verfahren, das in manchen Ländern legal ist, dadurch automatisch ethisch vertretbar werde, erklärt Kummer, konkret: "Kann man den entwürdigenden Handel mit Frauen und Kindern ethisch sauber machen?"
Die Bioethikerin verweist auf internationale Entwicklungen in Ländern wie der Ukraine, Georgien oder Indien, wo Leihmutterschaft über Jahre zu einem bedeutenden Geschäftsfeld geworden sei. Dabei würden Frauen häufig aus wirtschaftlicher Not rekrutiert und finanziell abhängig gemacht. Die Debatte rund um das "globale Geschäft ohne Grenzen" konzentriere sich meist nur auf individuelle Wünsche und vertragliche Absicherungen, während strukturelle Abhängigkeiten der beteiligten Frauen und die Rechte der Kinder zu wenig berücksichtigt würden.


Ähnlich wie Sklaverei
Auch der Hinweis auf regulierte Modelle, etwa in den USA - Spahn zufolge sei sein Vertrag dort "fair und teuer" gewesen, kolportiert würden über 100.000 Dollar - überzeugt Kummer nicht. Die ethischen Probleme blieben bestehen, denn auch ein kontrollierter Markt könne strukturelle Abhängigkeiten zwischen Auftraggebern und austragenden Frauen nicht ausschließen. "Ein Vertrag macht aus Menschenhandel keine saubere Sache", schreibt die Expertin. Als Vergleich sieht sie das historische Argument, dass auch eine Rechnung einen Sklavenmarkt nicht legitimieren würde.
Denn auch Leihmutterschaftsverträge in den USA würden weitreichende Eingriffe in das Leben der austragenden Frauen mit sich bringen. Dazu zählten Vorgaben zu Ernährung, Aufenthaltsort oder medizinischer Behandlung, womit der Auftraggeber letztlich den Körper und Alltag der Leihmutter kontrolliere. Letztere erhielten zudem ihre Vergütung oft nur bei erfolgreicher Geburt eines gesunden Kindes, während es bei Schwangerschaftskomplikationen, Fehlgeburten oder psychische Belastungen wie Trennungsschmerz keine Abgeltung gebe. Auch ein Ausstieg sei nicht möglich, ohne dass die Leihmutter die Kosten selbst trage.
Per Vertrag könnten Bestelleltern weiters auch fordern, dass "überzählige" Kinder abgetrieben werden; in Kanada laufe laut Kummer derzeit eine Klage gegen eine Leihmutter, die sich dem verweigert hat.

Auslöschung, Ausbeutung und Kindeshandel
Besonders kritisch bewertet Kummer die Auswirkungen auf die Stellung der gebärenden Frau und die Identität des Kindes. "Die Mutter wird ausgelöscht", so die Bioethikerin. Durch anonyme Verträge, rechtliche Konstruktionen und in manchen US-Bundesstaaten Geburtsurkunden ohne Mutter, dafür zwei "Väter", werde die biologische und biografische Verbindung zwischen Mutter und Kind bewusst zurückgedrängt. Bevorzugt kämen zudem fremde Eizellen zum Einsatz sowie Frauen mit bereits eigenen Kindern; dadurch werde die biologische Verbindung zwischen austragender Frau und Kind zusätzlich zurückgedrängt, während jedoch die medizinischen Risiken für Mutter und Kind stiegen.
Kummer verweist zudem auf internationale Kritik an Leihmutterschaft. Die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, Reem Alsalem, habe die umstrittene Praxis als Ausbeutung von Frauen und als Kinderhandel bewertet und ein weltweites Verbot gefordert, unterstützt von 215 NGOs aus 40 Ländern. Auch die EU hat Leihmutterschaft bereits in ihre Richtlinie gegen Menschenhandel aufgenommen, neben Sklaverei und Zwangsheirat.
Auch die IMABE-Direktorin fordert die internationale Absicherung nationaler Verbote, sodass auch das Ausweichen auf Auslandsmärkte verhindert werde. Denn: "Ein hoher Preis und ein sorgfältiger Vertrag verwandeln kein strukturelles Unrecht in ein legitimes Geschäft. Wer 100.000 Dollar zahlt, kauft sich keine Ethik. Es gibt keine ethisch saubere Leihmutterschaft. Solange nationale Verbote nicht international abgesichert sind, bleibt sie ein Geschäftsmodell auf Kosten von Frauen und Kindern. Frauen sind keine Gebärmaschinen, Kinder keine Handelsware."

Verletzte Rechte
Massive Kritik an Spahn hatte es bereits zuvor schon in Deutschland gegeben. Ähnlich wie Kummer hatte auch der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio vor einer möglichen Instrumentalisierung von Frauen gewarnt. Leihmutterschaft berge die Gefahr, die Mutter "auf ihre austragende Funktion zu reduzieren" und sie dadurch selbst zum Objekt zu machen, sagte Maio der katholischen Nachrichtenagentur KNA. Auch das Kindeswohl müsse aus ethischer Sicht berücksichtigt werden, da die Praxis von vornherein einen Abbruch der während der Schwangerschaft entstehenden Beziehung zwischen Mutter und Kind vorsehe.
Auch aus Österreich kam Kritik. Die Generalsekretärin von Aktion Leben Österreich, Martina Kronthaler, erklärte, Leihmutterschaft bedeute grundsätzlich eine Verletzung der Rechte von Frauen und Kindern. "Wenn finanziell privilegierte Menschen ein Kind von einer Leihmutter austragen lassen, verstellt dies bei aller Freude über das Baby doch, was Leihmutterschaft grundsätzlich bedeutet", sagte sie. Die meisten Fälle seien mit Druck, Ausbeutung und Abhängigkeiten verbunden.

Copyright 2026 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. „Wir können nicht sagen, dass das, was 1.600 Jahre lang getan wurde, jetzt nicht mehr gültig sei“
  3. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  4. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  5. Denn sie wissen nicht, was sie fordern
  6. "Menschenhandel bleibt Menschenhandel"
  7. DANKE JUSTIN! - Kanadischer Sänger bringt Stadion während WM-Finale mit „Halleluja“ zum Schweigen!
  8. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  9. Vatikan: Neues Café auf Kuppel des Petersdoms öffnet im Herbst
  10. Nach dem WM-Krimi um 3. Platz - England- und Frankreich-Stars vereint im Gebet
  11. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  12. Kardinal Burke: ‚Die Synodalität muss gestoppt werden‘
  13. Krebs und Paradies – Das Leben des 17-jährigen David Buggi
  14. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  15. Erzdiözese Wien bestätigt Pensionierung von Dompfarrer Faber

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz