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| ![]() Brasilien: Eltern zu Haftstrafe verurteilt, weil sie ihre Töchter zu Hause unterrichtetenvor 2 Stunden in Familie, keine Lesermeinung Das Gericht verurteilte die Eltern, obwohl die Staatsanwaltschaft einen Freispruch empfohlen und eine unabhängige Psychologin kein Anzeichen für Vernachlässigung der Mädchen gefunden hatte. São Paulo (kath.net/jg) Laut dem Urteil des Gerichts in São Paulo vom April 2026 entsprach der Lehrplan der Familie nicht den staatlichen Vorgaben. Der Richter kritisierte insbesondere das Fehlen von Unterrichtseinheiten zu „Gender und Sexualerziehung“ sowie zu „Toleranz und Diversität“. Zudem wurde bemängelt, dass die Mädchen im Alter von 15 und 11 Jahren bestimmte Musikrichtungen wie „Trap“ oder „Sertanejo“ (brasilianische Volksmusik) nicht mochten – was das Gericht als Mangel an Diversität im Bereich der kulturellen Bildung wertete. Dabei sind die Töchter nach Angaben der Familie hochbegabte Pianistinnen und sprechen mehrere Sprachen. Die Verurteilung erfolgte trotz der Empfehlung der Staatsanwaltschaft auf Freispruch. Diese hatte nach Anhörung von Zeugen und Beurteilung der sozialen sowie schulischen Entwicklung der Mädchen festgestellt, dass keine Vernachlässigung vorliege. Dennoch warf der Richter den Eltern vor, ihre Töchter als „Schachfiguren in einem ideologischen Kampf“ zu benutzen und sie einer unregulierten Bildung auszusetzen, bei der der Staat keine Rolle spiele. Das Ehepaar Denardi hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Bis zur Entscheidung der 7. Strafkammer des Obersten Gerichtshofs des Bundesstaates São Paulo ist die Haftstrafe ausgesetzt. Die christliche Menschenrechtsorganisation ADF International unterstützt die Familie juristisch. Ieda Denardi sagte nach dem Urteil: „Als Mutter kann ich mir keinen diktatorischeren Staat vorstellen als einen, der mich ins Gefängnis bringen will, nur weil ich mein Recht ausübe, die Erziehung und Bildung meiner Töchter selbst zu bestimmen. Mein Mann und ich hoffen, dass das Gericht unser Recht anerkennt, die beste Bildung für unsere Kinder zu wählen, und diese ungerechte Verurteilung aufhebt.“ Obwohl Schätzungen zufolge über 70.000 Kinder in Brasilien zu Hause unterrichtet werden, fehlt bislang ein klares bundesweites Gesetz zur Regelung des Hausunterrichts. Der Oberste Gerichtshof Brasiliens hat 2019 entschieden, dass Hausunterricht nicht verfassungswidrig ist, forderte jedoch eine gesetzliche Grundlage. Ein entsprechendes Gesetz wurde 2022 in der Abgeordnetenkammer verabschiedet, ein Beschluss des Senats steht jedoch noch aus. Viele Eltern begannen während der Corona-Pandemie ihr Kinder zu Hause zu unterrichten, da sie mit dem Fernunterricht der öffentlichen Schulen unzufrieden waren. Die Familie Denardi berichtet von deutlichen Fortschritten ihrer Töchter seit Beginn des häuslichen Unterrichts im Jahr 2020 und betont die Möglichkeit, eigene Werte und den Glauben in die Bildung einfließen zu lassen. Der Fall Denardi hat auch die Aufmerksamkeit des brasilianischen Kongresses erregt. Die Eltern traten kürzlich in Anhörungen auf und forderten eine klare gesetzliche Regelung zugunsten des Hausunterrichts. Julio Pohl, Rechtsberater für Lateinamerika bei ADF International, kritisierte das Urteil scharf: „Der Staatsanwalt hat Freispruch empfohlen, eine unabhängige Psychologin fand keine Anzeichen von Vernachlässigung, und die Mädchen selbst schilderten einen anspruchsvollen Unterricht. Der Richter hat trotzdem verurteilt – weil eine 15-Jährige bestimmte Songtexte moralisch fragwürdig findet und der Lehrplan keine staatlich vorgegebenen Inhalte zu Gender-Themen enthielt. Hier wird ein Elternteil nicht dafür bestraft, seine Kinder nicht zu unterrichten, sondern dafür, sie nach eigenen Werten zu bilden. Das ist ein grober Missbrauch des Strafrechts.“
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