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Netzwerk „TradRecovery“ hilft Aussteigern aus radikalem Traditionalismus

vor 1 Stunden in Weltkirche, 11 Lesermeinungen
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Netzwerkgründerin: „Wir versuchen, ehemaligen Traditionalisten zu helfen, ihr Vertrauen in die Heilige Mutter Kirche aufzubauen“ und unter den Papst und das katholische Lehramt zurückzukehren. Von Petra Lorleberg


Linz (kath.net/pl) „TradRecovery wurde im Februar 2023 gegründet, um Ressourcen und eine Gemeinschaft für Menschen bereitzustellen, die traditionalistische Milieus oder Ideologien verlassen und in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche eintreten. Unter ‚Traditionalismus‘ verstehen wir eine Ideologie, die kirchliche Traditionen mit der heiligen Tradition gleichsetzt und folglich die persönliche Auslegung dieser ‚Tradition‘ zur obersten Richtschnur erhebt – sogar über die Autorität des Lehramts der Kirche hinaus.“ So lautet die Eigendarstellung von „TradRecovery“, einer englischsprachigem Selbsthilfe-Netzwerk. Das Netzwerk bringt Videointerviews mit Aussteigern aus Tradi-Milieus online. Denn wer aus solchen Gruppierungen aussteigen möchte, den interessiert das Lebenszeugnis anderer, die die Kraft fanden, sich von dem abzuwenden, was sie als „geistlichen Missbrauch“ erlebt hatten, die sich in einer Logik der Angst verstrickt vorfanden, die sogar von teilweise sektenähnlichen Strukturen sprechen. Der springende Punkt ist gut erkennbar: Rückkehr in die Einheit mit dem Papst, Rückkehr unter das kirchliche Lehramt, volle Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils, volle Anerkennung der Liturgie auch in ihrer heutigen Normalform – dies alles wird von den Aussteigern als befreiend empfunden.

„TradRecovery“ schildert: „Wir versuchen, ehemaligen Traditionalisten zu helfen, ihr Vertrauen in die Heilige Mutter Kirche aufzubauen, sie zu beruhigen, dass es für Katholiken vollkommen akzeptabel ist, die Messe in ihrer lokalen Diözesankirche zu besuchen, und ihnen zu helfen zu verstehen, dass die Unterordnung unter das Lehramt der Kirche – sich also von der Braut Christi führen zu lassen – ihre Seelen nicht gefährden kann und nicht gefährden wird.“ 

Laura Vander Vos (Nickname: „MissHappyCatholic“), die Gründerin von TradRecovery, ist den Weg des Ausstiegs aus dieser Ideologie auch persönlich gegangen. Sie schildert: „Als ich begann, mein eigenes traditionalistisches Denken ernsthaft zu hinterfragen, blickte ich nüchtern auf mein Umfeld und sah, was aus uns geworden war: Wir waren vollkommen friedlos, von Bitterkeit zerfressen und ständig ausschließlich damit beschäftigt, andere Menschen nach ihrer Kleidung, ihrer Ästhetik oder ihrer liturgischen Praxis zu verurteilen. Ich erkannte zutiefst, dass ich völlig vom Kurs abgekommen war. Der katholische Glaube ist in Wirklichkeit unendlich reich, vielfältig und soll eine Quelle tiefer, befreiender Freude sein. Er soll uns dazu bringen, andere Menschen von Herzen zu lieben, anstatt herablassend und voller Stolz auf sie herabzusehen, nur weil sie unsere künstlich aufgeblasenen, extremen Standards nicht teilen.“


Ein anonym bleibender Betroffener schildert auf der Website: „Ich bin nun seit etwa zwei Jahren aus der Priesterbruderschaft St. Pius X. ausgetreten, und ich lerne erst jetzt langsam, mühsam und unter Tränen, wie tiefgreifend dieses geschlossene System mein gesamtes Leben beeinflusst hat. Es hat buchstäblich jeden einzelnen Aspekt meiner Existenz berührt und meine komplette Weltsicht fundamental deformiert. Es war ein unglaublich harter, von schweren Zweifeln geprägter Weg. Diese Gemeinschaften stellen Behauptungen auf, die historisch und theologisch schlichtweg nachweisbar falsch sind, zwingen die Gläubigen jedoch unter Androhung der Hölle dazu, ihr gesamtes Leben nach diesen absolut unlösbaren, starren und unmenschlichen Standards auszurichten. Seit meinem Ausstieg tue ich mein Bestes, um Menschen davor zu warnen, sich überhaupt erst auf die traditionalistische Bewegung einzulassen. Insbesondere Familien mit kleinen Kindern müssen geschützt werden. Es bricht mir jeden Tag das Herz zu sehen, was diese Ideologie unschuldigen Seelen antut, wie sie Familien radikal spaltet, Ehen zerstört und systematisch psychischen Missbrauch, Manipulation und Täuschung als den vermeintlich reinen Willen Gottes verkauft.“

Eine Betroffene namens Lisa schildert: „Ich betete über Jahre hinweg isoliert weiter, völlig gefangen in meiner tiefen Verwirrung, meiner Einsamkeit und meinen ständigen Angstzuständen. Eines Abends saß ich vor meinem Computer, loggte mich bei YouTube ein und sah in den automatischen Empfehlungen ein Video mit dem Titel ‚Trad Recovery‘. Ich starrte fassungslos auf den Bildschirm und fragte mich im ersten Moment: ‚Heilung und Erholung wovon? Was gibt es da überhaupt zu heilen?‘ Doch in diesem Moment überkam mich das tiefe, unerschütterliche Gefühl, dass Gott mich genau zu diesem Video rief. Ich klickte darauf, und es war, als würde mir ein Tuch von den Augen genommen. Zum ersten Mal in meinem Leben hörte ich Menschen, die exakt dieselben Traumata, dieselbe emotionale Kälte und dieselbe spirituelle Erstickung erlebt hatten wie ich selbst. Durch dieses Netzwerk fand ich nicht nur spezialisierte therapeutische Hilfe für den geistlichen Missbrauch, den ich erlitten hatte, sondern auch eine Gemeinschaft von echten Freunden, die mich ohne Bedingungen annahmen und verstanden.“

Besonders bewegend ist das Videozeugnis von Sr. Mary Eucharista, die mit 14 weiteren Schwestern ihres Konvents in den USA in die volle Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche zurückkehrte – sie beschreibt die Entdeckung der Wahrheit und die emotionale Befreiung, die damit einherging.

Netzwerkgründerin Vos schildert außerdem: „Im traditionellen Milieu ist das Wort ‚Barmherzigkeit‘ fast schon zu einem Schimpfwort geworden. Es wird reflexartig mit Modernismus, moralischer Schwäche, Laxheit und dem Verrat an den ewigen Dogmen gleichgesetzt“. Dann erläutert sie weiter, dass die Kirche aber „ihre Anforderungen im realen Leben der Gläubigen nicht deshalb“ einschränke, „weil ihr die Wahrheit gleichgültig ist, sondern weil sie in tiefer Weisheit weiß, dass der Mensch schwach ist und der Erlösung bedarf – das ist die reine, göttliche Barmherzigkeit“.

Das Netzwerk „TradRecovery“ bietet eine Anlaufstelle für Aussteiger nicht nur aus dem Umfeld der Piusbruderschaft, sondern auch aus anderen, weniger bekannteren Gruppierungen, bsp. der sedisvakanstistischen Priesterbruderschaft St. Pius V. (SSPV), die sich wiederum von der Bruderschaft Pius X. abgespaltet hat und der sedisvakantistischen Congregation of Mary Immaculate Queen (CMRI). Der Sedisvakantismus behauptet, dass der Stuhl Petri gegenwärtig unbesetzt sei.

Bewertung: Jetzt, wo zu befürchten steht, dass durch die angekündigten unerlaubten Piusbruderschafts-Bischofsweihen diese Priesterbruderschaft und ihre Laienanhänger sich noch weiter vom römisch-katholischen Lehramt und vom Petrusdienst entfernen werden, gewinnen ein solches Netzwerk und ähnliche Gruppierungen an Bedeutung (wir erinnern in diesem Zusammenhang bsp. positiv an die von Papst Benedikt XVI. geschätzte Petrusbruderschaft).

Denn wo sollen Anhänger der umstrittenen Piusbruderschaft eigentlich hin, wenn sie aussteigen möchten? Wo werden sie Hilfe finden, wo  sachkundige Gesprächspartner für ihre konkreten Fragen, wo Gemeinschaft mit Menschen, die diesen mühsamen Weg ebenfalls gegangen sind? Und last but not least: Wo können diese Menschen römisch-katholische Gemeinschaften finden, die nicht de facto auf der anderen Seite von demselben Pferd gefallen sind? Denn DIESE Menschen werden wir nicht durch Stuhlkreise und Tücherschwenken in die volle Gemeinschaft mit uns zurückholen - DIESE Menschen suchen tiefgründiger und haben Fragen, die wir in unseren Pfarreien und Gemeinschaften beantworten können sollten.

Oder sollte etwa das berühmt-berüchtigte „todos, todos, todos“ [alle, alle, alle] von Papst Franziskus für wirklich alle gelten - außer für jene Gläubigen, die aus der Voll-Tradi-Ecke zu uns zurückkehren wollen?

Link zur Website TradRecovery.

Das Zeugnis von Sr. Mary Eucharista über ihre Rückkehr in die volle Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche:


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Lesermeinungen

 Karlmaria vor 30 Minuten 

Ich bin ja erst vor 21 Jahren katholisch geworden

Bei den Evangelikalen gibt es das beschriebene Verhalten ja genau so. Insofern war ich schon vorgewarnt weil ich ja auch ein alter Feuerbächer bin sind mir die bekannten Muster bei der Piusbruderschaft gleich aufgefallen. Ich merke das schon wenn ich rein komme dass ich kaum Luft bekomme. Es ist eben so dass es vor allem um die Barmherzigkeit geht. Jeder sündigt jeden Tag viele Mal und da geht es vorne und hinten und immer nur um die Barmherzigkeit und irgendwelche Rechthaberei ist völlig daneben. Das größte Wunder ist dass Gott uns trotzdem liebt. Gott und Maria lieben natürlich auch jeden von der Piusbruderschaft. Das darf man nie vergessen!


2
 
 JP2B16 vor 43 Minuten 
 

Werter @Versusdeum, ein Schwarz-Weiss-Denken wird einem begründeten Anliegen nie gerecht, ...

...wie den hier thematisierten ideologischen "Traditionalismus" mit einem ebenso ideologischen "Modernismus" rechtfertigen zu wollen. Die Zeugnisse der "Aussteiger" sind glaubwürdig. Ich bitte mir nachzusehen, dass ich hier meine persönlichen, um die Jahrtausendwende gemachten Erfahrungen mit einer anderen "traditionalistischen", von Rom anerkannten Priester-Gemeinschaft (nicht St. Petrus), nicht preisgeben möchte. Wir sind alle "Menschen", fehlbare - bei Pius wie in der pro-synodalen DBK. Besorgte Menschen auf ihre jeweils eigene Art, die ihr Vertrauen in den Herrn verloren haben. Gerade in dem Wissen, dass Sorge zu Verwirrung führen kann, hat unser Herr den Petrusdienst eingesetzt. Allen Bewegungen über die zwei Jahrtausende, die sich von diesem Dienst am Ende losgesagt haben, ging Verwirrung und Ungehorsam voraus. Der Geist des Deutschen Synodalen Wegs ist längst schismatisch, auch wenn das Schisma formal noch nicht vollzogen ist. Wir leben in Zeiten der Verwirrungen - der Drangsal.


2
 
 Fatima 1713 vor 53 Minuten 
 

Was es alles gibt...

Mehr fällt mir dazu nicht ein...


0
 
 Christianlay vor 53 Minuten 
 

Keine gute Idee

Mein Vorschlag: Ein Aussteigerprogramm aus der feministischen Theologie, der marxistischen Befreiungstheologie und der LGBTQ- Ideologie wäre viel notwendiger.
Uwe Lay Pro Theol Blogspot


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 gebsy vor 1 Stunden 

Vergelt's Gott!

Dieser Hinweis ist dann hilfreich, wenn es dem Betrachter gelingt, 1 Thess 5,21 zu realisieren ...

www.bibleserver.com/EU.LUT/1.Thessalonicher5,21


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 Hängematte vor 2 Stunden 
 

Eine meiner Töchter war mit einem erwachsenen Ministranten der Piusbruderschaft

befreundet. Er war ein totaler Macho und hat sie missbraucht. Jeden Sonntag hat er in der Kirche der Piusbrüder ministriert und vorher gebeichtet. Es war auf die Dauer mit ihm nicht auszuhalten.
Was für eine Heuchelei!!!
Scheinbar zählt dort nur der Buchstabe.
In den Kommentaren würde ich mir eine Diskussion über den Inhalt wünschen - ud nicht immer mit dem Hinweis auf die ZdK-Kirche.
Zur Freiheit der Kinder Gottes sind wir berufen und nicht zur Angst.


2
 
 Cosmas vor 2 Stunden 
 

Solange es nur Worte und keine Taten von Rom gibt, wird es nicht funktionieren

Bischöfe verbieten weiterhin brutal die Alte Messe selbst in Einzelfällen, etwa für Pilgergruppen, und in getrennten Kapellenn! Solange Papst Leo 'Traditionis Custodes' nicht angreift, wird es kein Vertrauen geben.


0
 
 ThomasMoore vor 3 Stunden 

Besuch der lokalen Messe akzeptabel?

"...dass es für Katholiken vollkommen akzeptabel ist, die Messe in ihrer lokalen Diözesankirche zu besuchen..."

Wirklich?
-Liturgische Mißbräuche sind an der Tagesordnung,z. B. "Seht das gebrochene Brot, das uns einlädt zum Tisch des Herrn"
-eine Pastoralassistentin, die das Magnificat zum feministischen Befreiungslied umdeutet
-Laienpredigten in der Messe, die nicht erlaubt sind.
-Predigten, die nur an der Oberfläche kratzen und keinen geistlichen Tiefgang haben
-ein Pfarrer, der meint 2 Messen pro Woche in der Pfarrkirche sind völlig ausreichend, die eigentlich gebotene tägliche Messfeier sei eine Überforderung. Er will auch nicht, dass Gastpriester, die gern zelebrieren würden, Messen außer der Reihe anbieten. Es gibt keine Messe an Hochfesten, wenn sie nicht auf einen Dienstag oder Sonntag fallen.
-Bei der Firmvorbereitung gab es keine Beichte. Stattdessen sollte die Bewerber Dinge die sie am Fortkommen hindern, auf Steine schreiben, die wurden am Altar platziert.


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 Stefan Fleischer vor 3 Stunden 

Q.E.D.

"quod erat demonstrandum." (was zu beweisen war)
Die Piusbruderschaft ist nur eine von mehreren (vielen?) Richtungen innerhalb der traditionalistischen Bewegung. Es zeigt sich wieder einmal, dass eine Einheit der Kirche ohne eine verbindliche, zentrale Autorität nicht möglich ist. Wer also am Papsttum rüttelt, kultiviert Spaltpilze noch und noch. Dass sich nun diese Autorität mit jeder einzelnen dieser Gruppen herumschlagen sollte, ist vernünftigerweise nicht zu erwarten, zumal viele von ihnen unter Dialog nur die Präsentation ihrer Forderungen verstehen.


2
 
 antony vor 3 Stunden 

Die Illustration mit dem Petersplatz ist irreführend.

Der Riss geht nicht mitten durch den Petersplatz, sondern verläuft irgendwo vor, neben oder hinter dem Vatikan.


0
 
 Versusdeum vor 3 Stunden 
 

Welche Absurdität, Menschen von Pius "heilen" zu wollen,

während mindestens eine praktisch komplette Bischofskonferenz (DBK) sich immer tiefer in gravierende Häresien verstrickt, bereits präschismatische Akte gesetzt hat und vielleicht schon bald zig Millionen Gläubige mit in ein (dann auch ganz) offenes Schisma und in eine lokale (post-?) christliche Sekte zu reißen droht. Aber offenbar haben Rom (keinerlei Sanktionen angedroht) und
die Initiatoren dieses "Aussteigerprogramms" (!)
weniger Probleme mit offenem, aber salamitaktisch klügerem, Glaubensabfall und Auflehnung gegen Rom UND Gott, als mit den "Fußkranken" der Kirche, die lieber auf Felsengrund stehenbleiben.


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