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Das Kreuz als Weg über das Meer der Welt. Die Eucharistie als Mitte des kirchlichen Lebens

vor 8 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Leo XIV. in der Kathedrale Sant’Anna in Las Palmas de Gran Canaria über Berufung. Augustinische Bilder vom Meer mit dem Auftrag der Kirche in einer Zeit von Herausforderungen und Umbrüchen. Von Armin Schwibach


Las Palmas de Gran Canaria (kath.net/as) Nach der Begegnung mit den Vertretern der Aufnahmeeinrichtungen für Migranten traf Papst Leo XIV. in der Kathedrale Sant’Anna von Las Palmas de Gran Canaria mit den Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten, Seminaristen und Seelsorgern der Kanarischen Inseln zusammen. Der Papst dankte für den herzlichen Empfang und für die Zeugnisse einer Kirche, in deren Herzen, wie er unter Bezugnahme auf die Pastoralkonstitution Gaudium et spes hervorhob, „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi der Menschen unserer Zeit, vor allem der Armen und aller Leidenden widerhallen“.

Leo XIV. stellte die Begegnung von Beginn an in den Horizont der gemeinsamen Berufung. Er sei auf die Inseln gekommen als „Vater und Bruder im Glauben“. Dabei erinnerte er an die Worte, die er bereits zu Beginn seines Pontifikates gesprochen hatte: „Mit euch bin ich Christ, für euch Bischof“. Jeder habe unterschiedliche Gaben empfangen, jeder einen eigenen Dienst übernommen. Doch alle seien dazu berufen, gemeinsam am Aufbau der Kirche mitzuwirken, die auf Christus als dem Eckstein gegründet sei. Der Papst betonte, der Herr bestätige auch heute die Berufung seines Volkes, „gemeinsam die Kirche aufzubauen“, Unterschiede in Einklang zu bringen und vereint zum Wohl aller zu wirken.

Von dort aus führte Leo XIV. seine Zuhörer zu zwei Haltungen, die nach seinen Worten das christliche Leben prägen müssten. Sie seien notwendig, um zu „weisen Baumeistern“ einer „Zivilisation der Liebe“ zu werden. Dabei griff er das Bild auf, das den Menschen der Kanarischen Inseln besonders vertraut sei: das Meer. Wer auf einer Insel lebe, trage die Weite des Horizonts gleichsam im Herzen. Das Meer spreche von Heimat und Sehnsucht, von Aufbruch und Ankunft. Es könne aber ebenso für Entfernung, Trennung und Herausforderungen stehen. Gerade deshalb eigne es sich als Bild für den Weg des Menschen durch die Geschichte. An diesem Punkt wandte sich der Papst dem heiligen Augustinus zu. Der Kirchenvater beschreibe den Menschen als jemanden, der das Vaterland bereits in der Ferne erkenne, während das Meer noch zwischen ihm und seinem Ziel liege. Der Mensch sehe, wohin er gelangen wolle, finde aber aus eigener Kraft keinen Weg dorthin. Deshalb sei Christus selbst gekommen. Augustinus schreibe: „Er bereitete ein Holz, durch das wir das Meer überschreiten könnten. Denn niemand kann das Meer dieser Welt überschreiten, außer er werde durch das Kreuz Christi getragen“.


Diese Worte bildeten den Mittelpunkt der ersten Betrachtung des Papstes. Das Kreuz Christi anzunehmen, sei die erste Grundhaltung christlichen Lebens. Die Heiligen hätten die Sehnsucht nach Gott bewahrt und in den Stürmen ihres Lebens gelernt, Christus in ihr Boot aufzunehmen. Sie hätten auf ihn vertraut, sein Kreuz angenommen und dadurch die Wellen von Unsicherheit und Angst überwunden.

Als Beispiel verwies Leo XIV. auf den ehrwürdigen Antonio Vicente González, den auf den Kanaren als „guten Hirten“ bekannten Diözesanpriester. Dessen Leben zeige, wie die Gnade Gottes einen Menschen verwandeln könne. Es ermutige dazu, das Kreuz Christi auf sich zu nehmen und dem Herrn nachzufolgen, um gerade in einer Zeit voller Spannungen und Widersprüche Zeuge des Evangeliums zu bleiben. Von dort aus schlug der Papst den Bogen zum Dienst der Kirche auf den Inseln. Die erste „Richtschnur der Schifffahrt“ bestehe im Annehmen des Kreuzes Christi. Dies verwirklichten viele Tag für Tag, wenn sie Menschen begleiteten, Lasten mittrügen und Leidenden beistünden. Wie Simon von Kyrene würden sie Brüdern und Schwestern helfen, die Bürden ihres Lebens zu tragen. Für diesen Dienst sprach Leo XIV. seinen Dank aus.

Die zweite Haltung, die der Papst hervorhob, war die Pflege einer eucharistischen Spiritualität. Dabei erinnerte er an eine alte Tradition der Kathedrale von Las Palmas: Am Fest Christi Himmelfahrt werden Blütenblätter vor dem Allerheiligsten ausgestreut. Diese Geste verweise auf die geistlichen Gaben, die Christus seiner Kirche schenke. Das Ziel des christlichen Pilgerweges sei die Begegnung mit Christus selbst. Er stehe im Mittelpunkt des christlichen Lebens. Vor ihm beuge die Kirche ihre Knie in Anbetung. Um ihn versammle sie sich und werde ein einziger Leib. Mit ihm bringe sie sich selbst Gott dar. Deshalb habe das Zweite Vatikanische Konzil die Eucharistie als „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ bezeichnet. Aus der Eucharistie erwachse zugleich die Einheit der Kirche. Eine eucharistische Spiritualität bedeute, sich immer tiefer in eine „Spiritualität der kirchlichen Einheit in der Liebe“ hineinzubegeben. Leo XIV. machte sich die Bitte Jesu zu eigen: „Alle sollen eins sein […] damit die Welt glaubt“. Die Einheit sei nicht bloß organisatorische Notwendigkeit, sondern Ausdruck der Gegenwart Christi in seiner Kirche.

Der Papst führte diesen Gedanken weiter zur konkreten Gestalt christlicher Solidarität. Die Vereinigung mit Christus schließe die Vereinigung mit allen Menschen ein, denen Christus sich schenke. Deshalb ermutigte er die Gläubigen, die empfangene Liebe weiterzugeben. Diese Liebe werde sichtbar in der Aufnahme des Fremden, im Zuhören, in der Nähe zu den Menschen und in der Sorge für die Schwächsten. In Erinnerung an das Gleichnis vom Weltgericht zitierte Leo XIV. die Worte Jesu: „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“.

Zum Abschluss richtete der Papst den Blick auf den weiteren Weg der Kirche. Die Kirche auf den Kanaren gehe in den Spuren vieler Männer und Frauen, die ihr Leben mit dem Opfer Christi verbunden hätten. Deshalb ermutigte er die Gläubigen, fest in Christus verwurzelt voranzuschreiten und die Herausforderungen der Gegenwart nicht zu fürchten. Wenn Schwierigkeiten aufträten, sollten sie den Blick erheben und den Heiligen Geist um die Gnade bitten, vereint in Glaube, Hoffnung und Liebe zu leben. Diese drei göttlichen Tugenden seien, so erinnerte Leo XIV. mit einem Wort Johannes Pauls II., „wie drei Sterne, die am Himmel unseres spirituellen Lebens aufstrahlen, um uns zu Gott zu führen“. Am Ende stellte der Papst den Weg der Kirche unter den Schutz Mariens. Die Gottesmutter sei für die Christen „Stella maris“, Stern des Meeres. Sie möge das pilgernde Volk Gottes begleiten und ihm helfen, den sicheren Hafen der endgültigen Begegnung mit ihrem Sohn Jesus Christus zu erreichen.

 


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