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Menschenrechtler kritisieren Ägypten für Umgang mit Christen

30. Mai 2026 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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17-jährige Koptin soll entführt, vergewaltigt und zur Konversion gezwungen worden sein - Experte: Ägypten betreibt "religiöse Selektion" bei Gesetzesanwendung.


Wien (kath.net/ KAP) 
Schwere Vorwürfe gegen staatliche Stellen in Ägypten haben Vertreter mehrerer in Wien ansässiger Menschenrechtsorganisationen bei einer Pressekonferenz erhoben. Anlass war der Fall der 17-jährigen koptischen Christin Silvana Atef Fanous, die nach Angaben der Veranstalter entführt, mutmaßlich vergewaltigt und zur Konversion gezwungen worden sein soll. In einer gemeinsamen Aussendung am Freitag äußerten Repräsentanten der Europäischen Koptischen Menschenrechtsorganisation (EUCHOR), der Internationalen Gesellschaft Orientalischer Christen (IGOC) sowie von ADF International ihre Besorgnis über die systematische Diskriminierung christlicher Minderheiten und mahnten vor einem Versagen rechtsstaatlicher Institutionen.
Nach Darstellung der Organisationen soll die geistig behinderte Minderjährige nach ihrer Entführung nicht geschützt, sondern von Polizeibeamten an den mutmaßlichen Täter übergeben worden sein. Familienangehörige seien bei dem Versuch, Anzeige zu erstatten, festgenommen und misshandelt worden. Die Organisationen erklärten, die geistig behinderte Minderjährige sei entführt, mutmaßlich vergewaltigt und zur Konversion gezwungen worden. EUCHOR-Präsident Medhat Klada sagte, in Ägypten werde "das Gesetz entsprechend religiöser Selektion angewendet".


Der Jurist Mina Ghattas von der IGOC sprach von möglichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die geschilderten Vorgänge erfüllten nach seiner Einschätzung mehrere Tatbestände des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs, darunter religiös motivierte Verfolgung, sexuelle Gewalt und Freiheitsentzug. Besonders schwer wiege die mutmaßliche Beteiligung staatlicher Akteure. Die Polizei weigere sich weiterhin, "die Minderjährige ihrer Familie zu übergeben", sagte Ghattas. Er forderte eine internationale Untersuchung sowie die Bindung europäischer Entwicklungsgelder an rechtsstaatliche Mindeststandards. "Recht darf dem Unrecht nicht weichen", betonte er.
Der Menschenrechtsexperte Martin Lessenthin verwies auf eine hohe Zahl ähnlicher Fälle. "Jährlich wissen wir von rund 5.000 Entführungsfällen in Verbindung mit Eheschließung und Konversion", sagte er. Der Fall Silvana stehe exemplarisch für ein strukturelles Muster aus Entführungen, Zwangskonversionen und mangelnder Strafverfolgung.

Auch die österreichische Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler (ÖVP) warnte vor mangelnder Aufmerksamkeit in Europa. "Es gibt ein sehr geringes Bewusstsein innerhalb der politischen europäischen Community für diese Übergriffe", sagte sie. Zugleich verwies Kugler auf ähnliche Problemlagen in Europa, etwa bei Zwangs- und Kinderehen. Sie appellierte an Ägypten, internationale Menschenrechtsstandards einzuhalten, und forderte westliche Staaten zu einem entschlosseneren Auftreten gegenüber Kairo auf.
Die christliche Menschenrechtsorganisation ADF International sieht den Fall zudem im Zusammenhang mit zunehmender Repression gegen Christen in Ägypten. Der Leiter der europäischen Rechtsabteilung der Organisation, Felix Böllmann, erklärte, Ägyptens Christen könnten sich "nicht auf einen neutralen Rechtsstaat verlassen". Als Beispiel nannte er die Verurteilung des christlichen Bloggers Augustinos Samaan zu fünf Jahren Haft wegen angeblicher Blasphemie. "Untätigkeit öffnet weiterer Ungerechtigkeit Tür und Tor", warnte Böllmann.
Der bei dem Pressetermin via Videokonferenz zugeschaltete Präsident des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Thomas Schirrmacher, kritisierte mangelnde Reaktionen der internationalen Gemeinschaft. "Schweigen von Regierungen und auch von Kirchen wird als Zustimmung gedeutet", sagte er. Die beteiligten Organisationen kündigten an, den Fall international weiterzuverfolgen und politischen Druck zum Schutz religiöser Minderheiten in Ägypten zu verstärken.

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