
Der „Hirt des Hermas“: Als ein frühchristliches Erbauungsbuch hoch im Kurs standvor 1 Stunden in Weltkirche, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
In den ersten Jahrhunderten des Christentums schätzten die Kirchenväter das Werk "Der Hirt des Hermas" als wertvolle Lektüre – Die Lehre von den Schutzengeln und den Einflüsterungen der bösen Geister wird dort anschaulich beschrieben.
Linz (kath.net/gem/rn)
Während der ersten 300 Jahre der Kirchengeschichte kursierten zahlreiche Briefe und Schriften in den christlichen Gemeinden, lange bevor die Kirche den offiziellen Kanon der Heiligen Schrift festlegte. Zu den faszinierenden Texten jener Epoche, die damals von vielen einflussreichen Kirchenvätern hoch verehrt wurden, zählt der sogenannte „Hirt des Hermas“
Wie die Catholic Encyclopedia berichtet, genoss dieses Werk in der Alten Kirche eine immense Autorität und wurde zeitweise sogar auf eine Stufe mit der Heiligen Schrift gestellt. Der Kirchengeschichtler Eusebius überlieferte, dass das Buch öffentlich in den Gemeinden verlesen wurde: Während einige es als nicht kanonisch ansahen, betrachteten es andere als „äußerst notwendig“.
Auch der heilige Athanasius erwähnte den „Hirten“ zusammen mit der Didache und den deuterokanonischen Schriften des Alten Testaments als zwar nicht im strengen Sinne kanonisch, aber von den Alten ausdrücklich zur Unterweisung von Katechumenen empfohlen. In manchen frühen Handschriften des Neuen Testaments – etwa im Anschluss an die Apostelgeschichte – fand sich das Werk ebenfalls.
Das Buch, das im 2. Jahrhundert verfasst wurde (wobei der genaue Verfasser bis heute in der Forschung umstritten ist), besteht vor allem aus einer Sammlung von „Visionen“ und legt den Schwerpunkt stärker auf die christliche Ethik als auf dogmatische Feinheiten.
Besonders bemerkenswert ist ein Abschnitt, der sich den Zehn Geboten widmet und dabei detailliert die Existenz zweier Engel beschreibt, die auf den Menschen einwirken – ein „Engel der Gerechtigkeit“ und ein „Engel der Ungerechtigkeit“ (der böse Engel). Der Text bietet eine anschauliche Anleitung zur Unterscheidung der Geister:
Der Engel der Gerechtigkeit wird als sanftmütig, bescheiden, friedvoll und tugendhaft beschrieben. Wenn er das Herz eines Menschen berührt, flößt er Gedanken an Reinheit, Keuschheit und Gottesfurcht ein. Der Engel der Ungerechtigkeit hingegen offenbart sich durch Zorn, Bitterkeit, Gier nach Luxus, Ausschweifungen, Hochmut und unzüchtige Begierden. Der Autor ermahnt die Gläubigen eindringlich, die Wirkweise dieser Einflüsterungen zu erkennen und den Versuchungen des bösen Geistes zu entsagen. 
Obwohl viele frühe Christen den „Hirten des Hermas“ für inspiriert hielten, enthielt das Buch einige Passagen, die theologische Unklarheiten aufwiesen und nicht die dogmatische Klarheit des übrigen Neuen Testaments besaßen. Zudem gab es Unsicherheiten bezüglich des apostolischen Ursprungs bzw. der Identität des Verfassers.
Aus diesen Gründen wurde das Werk schließlich vom kirchlichen Lehramt bei der endgültigen Festlegung des neutestamentlichen Kanons im 4. Jahrhundert nicht in die Heilige Schrift aufgenommen.
Dennoch bleibt der „Hirt des Hermas“ ein hochinteressantes Zeugnis der frühchristlichen Spiritualität und ein faszinierender Einblick in das Denken und Glaubensleben der Kirche in ihrer Entstehungszeit – und eine mahnende Erinnerung daran, wie wichtig die geistliche Unterscheidung im Alltag des Christen ist.
Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net) kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen. |