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| ![]() ‚Nimm und lies‘ - Das Buch als Ort der Wahrheit und Begegnungvor 3 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung Leo XIV.: Der Verarmung des Denkens widerstehen. Die geistige Würde des Buches gegen die Verflachung der digitalen Zeit als Weg zu Christus. Von Armin Schwibach Rom (kath.net/as) „Tolle, lege“ – „Nimm und lies“: Mit diesen Worten begann nach der Überlieferung die Bekehrung des heiligen Augustinus. Die Stimme, die ihn zum Lesen der Schrift aufforderte, wurde zu einem Ruf in die Wahrheit, zu einem Aufbruch aus innerer Zerrissenheit in das Licht und die Klarheit des Glaubens. Es ist vielleicht kein Zufall, dass Papst Leo XIV. ausgerechnet im hundertsten Jahr des Bestehens der Libreria Editrice Vaticana das Buch nicht bloß als kulturelles Instrument, sondern als geistigen Ort des Menschen sehen ließ. Seine Ansprache an die Mitarbeiter der vatikanischen Verlagsanstalt wurde so zu einer Reflexion über Denken, Begegnung und Verkündigung, über jene Räume also, in denen sich menschliche und christliche Existenz vollziehen. Der Papst erinnerte am 7. Mai 2026 daran, dass die Libreria Editrice Vaticana seit ihrer Eigenständigkeit im Jahr 1926 neun Pontifikate begleitet und das päpstliche Lehramt als Dienst an der Verkündigung des Evangeliums in die Welt getragen habe. Doch die eigentliche Mitte seiner Worte lag nicht allein in einer historischen Rückschau. Leo XIV. entwickelte vielmehr drei „Überlegungen“, die das Wesen des Buches in einer Epoche digitaler „Beschleunigung“ neu und „entschleunigend“ erhellten. Die erste Überlegung galt dem Buch als Ort des Denkens. In einer Welt permanenter Reizüberflutung, in der Informationen in immer kürzeren Fragmenten zirkulieren und Aufmerksamkeit zur flüchtigen Ware wird, erinnere die leibliche Wirklichkeit des Buches an etwas Ursprüngliches: an die Notwendigkeit der Sammlung. Lesen bedeute mehr als Konsum von Information. Es sei eine Übung des Geistes. Der Papst betonte, dass Bücher den kritischen Sinn formten und vor ideologischen Verkürzungen sowie fundamentalistischen Verhärtungen bewahrten. Zwischen den Zeilen stand dabei die Einsicht, dass Denken Zeit brauche: jene innere Langsamkeit, ohne die Wahrheit nicht wahrgenommen werden könne. Schon Cicero hatte geschrieben: „Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele“. In ähnlicher Weise erschien das Buch bei Leo XIV. als Widerstand gegen die geistige Verarmung des Menschen. Wo nur noch reagiert werde, dort verschwinde die Fähigkeit zur Betrachtung. Das Buch hingegen eröffne einen Raum, in dem der Mensch nicht getrieben werde, sondern verweilen könne. Die zweite Überlegung führte vom Denken zur Begegnung. Bücher, so der Papst, seien niemals stumm. Wer lese, begegne dem Autor und zugleich einer unsichtbaren Gemeinschaft von Lesern über Zeiten und Generationen hinweg. Jede Bibliothek trage etwas von jenem großen Gespräch der Menschheit in sich, das nie ganz verstumme. Das Buch sei so Brücke zum anderen Menschen. Gerade in einer Zeit wachsender Polarisierungen könne das Lesen zu einem Akt des Zuhörens werden. Der Mensch verlasse für einen Augenblick die Enge der eigenen Perspektive und trete in eine größere Wirklichkeit ein. Nicht zufällig entstanden die großen geistigen Traditionen Europas aus Schulen, Klöstern, Skriptorien und Universitäten, aus Orten also, an denen Lesen immer auch Gespräch bedeutete. Das Buch erschien in dieser Perspektive nicht als Rückzug aus der Welt, sondern als Öffnung auf den anderen hin. Die dritte Überlegung führte schließlich zum geistlichen Zentrum der Ansprache. Für Christen sei das Buch eine Gelegenheit, Christus zu verkünden. Leo XIV. erinnerte daran, dass die Lebensbeschreibung eines Heiligen oder eine geistliche Betrachtung das Herz eines Menschen verwandeln könne. Das geschriebene Wort werde so zum Ort innerer Berührung. Der Papst verwies auf die Bildsprache der christlichen Tradition: Maria erscheine in Darstellungen der Verkündigung oft lesend, vertieft in die Schrift. Der heilige Antonius von Padua trage das geöffnete Evangelienbuch, auf dem das Jesuskind stehe. Augustinus werde vor dem großen Buch sitzend dargestellt und halte zugleich ein Herz in den Händen - Wahrheit und Liebe. In diesen Bildern verdichte sich eine ganze Theologie des Wortes. Erkenntnis und Heiligkeit seien nicht voneinander zu trennen. Die Schrift solle, so Leo XIV., Denken und Handeln formen. Das Wort Gottes trete damit nicht nur als Gegenstand theologischer Reflexion zutage, sondern als Kraft der Verwandlung des Menschen. Am Ende seiner Ansprache erinnerte der Papst an eine Mahnung des heiligen Paul VI., der bereits 1976 die Mitarbeiter der „Libreria Editrice Vaticana“ aufgefordert hatte, „nach vorne zu schauen“, um Ideen und Programme für die Zukunft zu entwickeln. Auch Leo XIV. stellte das Jubiläum nicht unter das Zeichen nostalgischer Erinnerung, sondern unter die Verantwortung für das Kommende. In einer Zeit, in der vieles flüchtig geworden ist, zeichnete seine Rede das Bild des Buches als eines Ortes der Dauer: eines Ortes, an dem der Mensch denken, begegnen und glauben lernt. Oder, mit den Worten Jorge Luis Borges’: „Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt“- „Siempre imaginé que el Paraíso sería algún tipo de biblioteca“.
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