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| ![]() Uruguay: Euthanasie, Abtreibung und der Sinn des säkularen Charakters des Staatesvor 49 Minuten in Aktuelles, keine Lesermeinung Leo XIV. in Montevideo: die historischen Wurzeln Uruguays. Gemeinwohl, Menschenwürde und gesellschaftliche Verantwortung.Die Würde jedes Menschen, der Schutz des Lebens, die Familie und die Solidarität zwischen den Generationen. Von Armin Schwibach Montevideo (kath.net/as) Papst Leo XIV. begann seine fünfte Apostolische Auslandsreise, die ihn nach Uruguay, Argentinien und Peru führte, in Montevideo mit einer Begegnung mit den Vertretern der staatlichen Autoritäten, der Zivilgesellschaft und des Diplomatischen Korps. Auf dem Platz vor dem Gebäude José Artigas waren politische und religiöse Würdenträger, Unternehmer sowie Vertreter der Zivilgesellschaft und des kulturellen Lebens versammelt. Nach der Ansprache des uruguayischen Staatspräsidenten Yamandú Orsi wandte sich der Papst an die Anwesenden und übermittelte zunächst seinen Dank für die Einladung und den Empfang. Mit Freude habe er die Einladung angenommen, Uruguay zu besuchen. Sein Gruß gelte den Vertretern der Institutionen der Republik ebenso wie den in Uruguay akkreditierten Nationen. Zugleich richtete er sich an alle Uruguayer, wo immer sie sich befänden. Während seines Aufenthalts wolle er verschiedene Orte des Landes kennenlernen, sich mit dessen Geschichte vertraut machen und Männern und Frauen begegnen, die unter unterschiedlichen Lebensbedingungen am Leben des Landes teilhätten. Einen besonderen Platz nehme dabei Florida ein, wo Nuestra Señora de los Treinta y Tres, die Schutzpatronin Uruguays, verehrt werde. Zu Beginn seines Besuchs stelle er alle Menschen, denen er begegnen werde, unter ihren Schutz. Die Gottesmutter präge ein entscheidendes Kapitel der Geschichte des Landes und verbinde bis heute unterschiedliche Generationen von Uruguayern. Von der Geschichte Uruguays ausgehend, erinnerte Leo XIV. an den Exodus des östlichen Volkes von 1811, den sogenannten Éxodo del Pueblo Oriental, der auch als La Redota bekannt sei. Das Denkmal für José Artigas auf dem Platz, an dem die Begegnung stattfand, bot ihm dafür einen konkreten Ausgangspunkt. Auf seinem Sockel befänden sich Bronzereliefs des Bildhauers Angelo Zanelli, die Szenen dieses historischen Zuges darstellten. Der Papst lenkte die Aufmerksamkeit auf einzelne Figuren und Darstellungen, um von ihnen ausgehend grundlegende Fragen des gegenwärtigen gesellschaftlichen Lebens zu erörtern. Auf der Spitze des Denkmals erscheine Artigas allein auf seinem Pferd. Weiter unten, auf dem vorderen Relief, finde er sich dagegen mitten unter seinen Männern und als Teil der Menschenmenge wieder. Dieses Detail erinnere an Worte, die Artigas kurz darauf vor den Vertretern des Ostens beim Kongress vom April 1813 gesprochen habe: „Meine Autorität geht von Ihnen aus und erlischt durch Ihre souveräne Anwesenheit“ (Antrittsrede: Archivo Artigas, Bd. XI, Dok. 82). In diesem Satz habe Artigas den Ursprung politischer Autorität mit der Verantwortung ihres Trägers verbunden: Autorität werde von einer konkreten Gemeinschaft empfangen und müsse sich ihr gegenüber verantworten. Uruguay habe 2025 auf vierzig Jahre ununterbrochener Demokratie zurückblicken können, in denen sich aufgrund der Entscheidungen der Bürger verschiedene Regierungen abgewechselt hätten. Die öffentliche Autorität finde ihre Daseinsberechtigung im Dienst am Gemeinwohl und müsse innerhalb der Rechtsordnung sowie unter Achtung der Freiheit und Verantwortung der Bürger ausgeübt werden. Dabei verwies Leo XIV. auf die Pastoralkonstitution Gaudium et spes des Zweiten Vatikanischen Konzils. Von besonderem Wert seien daher institutionelle Wege, die eine Beteiligung am öffentlichen Leben ermöglichten, die Zuständigkeiten der verschiedenen Institutionen klar voneinander abgrenzten und die Wahl jener gewährleisteten, denen die Aufgabe der Regierungsführung übertragen werde. Zum Gemeinwohl gehöre darüber hinaus die Verantwortung, die gegenwärtig verfügbaren Güter an die kommenden Generationen weiterzugeben. Der Papst erinnerte in diesem Zusammenhang an seinen Vorgänger Franziskus, der in der Enzyklika Laudato si’ festgehalten habe: „Der Begriff des Gemeinwohls bezieht auch die zukünftigen Generationen mit ein“ (Nr. 159). Diese Verantwortung komme insbesondere in den Entscheidungen über die Nutzung natürlicher Ressourcen und Energiequellen zum Ausdruck. Uruguay habe in den vergangenen Jahrzehnten die Struktur seiner Stromerzeugung grundlegend verändert, die inzwischen nahezu ausschließlich auf erneuerbaren Energiequellen beruhe. Dieses Ergebnis sei durch langfristige Entscheidungen und die Mitwirkung unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche ermöglicht worden. Der erreichte Fortschritt bringe zugleich neue Herausforderungen für Verkehr, Produktion und einen verantwortungsvollen Umgang mit Boden, Wasser und Energie mit sich. Langfristig zu denken bedeute, die vorhandenen Güter so zu verwalten, dass die Möglichkeiten künftiger Generationen nicht beeinträchtigt würden. Der Blick in die Zukunft müsse sich jedoch nicht allein auf die natürlichen Ressourcen richten, sondern ebenso auf die Menschen, die das Land künftig bewohnen würden. Es gehe um die Bedingungen, unter denen sie geboren werden und aufwachsen könnten, sowie um die Möglichkeiten, die ihnen im Laufe ihres Lebens offenstünden. Die demografische Entwicklung Uruguays mache diese Frage besonders konkret. Auf einem der Bronzereliefs sei eine Frau dargestellt, die ein Kind in ihren Armen halte. Während der Zug weiterziehe, umschließe sie den Säugling mit einer schützenden Geste. Diese Darstellung führe zum beginnenden menschlichen Leben und damit auch zum Leben des ungeborenen Kindes. Wer noch nicht geboren sei, gehöre bereits zur Menschheitsfamilie und zur Zukunft seines Volkes. Seine vollständige Abhängigkeit von der Mutter mindere weder seine Würde noch den Anspruch auf Schutz. Jesus Christus selbst habe durch seine Menschwerdung diesen Zustand menschlicher Abhängigkeit angenommen. Die Aufnahme eines neuen Lebens verlange deshalb, dass Vater und Mutter gemeinsam Verantwortung übernähmen, dass die Familie das Kind trage und dass gesellschaftliche Bedingungen geschaffen würden, die beiden ermöglichten, ihre Kinder zu erziehen und für sie zu sorgen. Der Schutz des ungeborenen Lebens und die Unterstützung derjenigen, die es aufnähmen, seien untrennbar miteinander verbunden. Die Familie bleibe das erste Lebensumfeld, in dem jeder Mensch aufgenommen werde und das Zusammenleben mit anderen erlerne. Johannes Paul II., der ebenfalls Uruguay besucht habe, habe diese grundlegende Bedeutung der Familie in einem Satz zusammengefasst, der nichts von seiner Gültigkeit verloren habe: „Die Zukunft der Menschheit geht über die Familie!“ (Familiaris consortio, 86). Auf einem weiteren Teil des Denkmals seien Kinder zu sehen, die neben den Erwachsenen hergingen. Sie gehörten bereits zum Volk, bevor sie an dessen Entscheidungen mitwirken oder durch ihre Arbeit einen Beitrag leisten könnten. Die Kinder jener Generation würden später selbst Verantwortung für die Fortführung des gemeinsamen Lebens übernehmen. Deshalb umfasse die Sorge für die Jüngsten notwendig auch die Gewährleistung einer angemessenen Bildung. Das Zuhause, die Ernährung und die Anwesenheit begleitender Erwachsener sicherten die ersten Lebensjahre. Die Erziehung führe diese Aufgabe fort, entfalte die Fähigkeiten des Kindes, bilde sein Urteilsvermögen und bereite es darauf vor, frei und verantwortungsbewusst am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Dabei verwies der Papst auf die Erklärung Gravissimum educationis des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die empfangene Bildung müsse zugleich konkrete Möglichkeiten eröffnen, in das Arbeitsleben einzutreten, das Erlernte praktisch anzuwenden und durch eigene Anstrengung Selbstständigkeit zu erlangen. Arbeit sei ein Weg, auf dem jeder Mensch seine Fähigkeiten entfalten und zum Wohl anderer beitragen könne. Leo XIV. erinnerte an die grundlegende Aussage Johannes Pauls II. in dessen Enzyklika Laborem exercens: „Die Arbeit ‚im Dienste des Menschen‘ steht und nicht der Mensch ‚im Dienste der Arbeit‘“ (Nr. 6). Dieses Kriterium behalte angesichts der raschen technologischen Veränderungen und der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz seine volle Bedeutung. Die neuen Technologien sollten menschliche Fähigkeiten erweitern, Aufgaben erleichtern und zusätzliche Möglichkeiten eröffnen. Dabei müsse jedoch verhindert werden, dass der arbeitende Mensch auf ein bloßes, entbehrliches Rädchen im Produktionsprozess reduziert werde. Unter den Figuren des Artigas-Denkmals befinde sich auch eine gebeugte alte Frau, die sich mühsam auf einen Stock stütze. Bei einem der Wagen stünden mehrere Menschen zusammen und reichten einander die Hände. Manche schienen mehr daran interessiert zu sein, sich gegenseitig zu helfen, als möglichst rasch voranzukommen. Auch jene, die auf Unterstützung angewiesen seien, gehörten zu diesem Volk. Ihre Zugehörigkeit hänge weder von ihrer körperlichen Kraft noch von ihrer Selbstständigkeit oder ihrer Fähigkeit ab, einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Auch in der Gegenwart lasse sich der Wert eines Menschen nicht an seiner Produktivität, seiner Arbeit oder seiner Fähigkeit messen, für sich selbst zu sorgen. In seiner Enzyklika Magnifica humanitas habe Leo XIV. diesen Grundsatz ausdrücklich formuliert: „Die grundlegende Würde jedes Menschen kann daher weder erworben noch verdient werden und muss auch nicht erst bewiesen werden“ (Nr. 53). Die Bronzefiguren bewahrten zwar ihre Gesichter und Gesten, verrieten jedoch nichts über das, was sich während des gemeinsamen Weges in ihrem Inneren abgespielt habe. Ähnliches könne auch im gegenwärtigen gesellschaftlichen Leben geschehen: Menschen teilten die Arbeit, die Straßen oder sogar das eigene Zuhause miteinander, ohne zu wissen, welche Lasten der andere mit sich trage. Einsamkeit, Angst und Hoffnungslosigkeit könnten so tief reichen, dass ein Mensch keine Gründe mehr sehe, weiterzuleben. Angesichts der schmerzlichen Wirklichkeit des Suizids seien Gesundheitsversorgung, familiäre Bindungen und die Nähe der Gemeinschaft untrennbar miteinander verbunden. Niemand dürfe sich unter den eigenen Angehörigen und Mitmenschen fremd fühlen oder den Eindruck gewinnen, seine Abwesenheit zähle weniger als seine Anwesenheit. Andere Formen des Leidens würden unmittelbar am Körper oder in den Lebensumständen sichtbar. Krankheit, Behinderung, körperliche Schmerzen, der Verlust der Selbstständigkeit, Armut, Arbeitslosigkeit und gesellschaftliche Ausgrenzung könnten die Hilfe anderer besonders notwendig machen. In diesem Zusammenhang sprach Leo XIV. auch von einer persönlichen Erfahrung. Vor kurzem habe er selbst die Einschränkungen einer Krankheit erfahren und Pflege erhalten, für die er zutiefst dankbar sei. Diese Erfahrung lasse ihn an die vielen Männer und Frauen denken, denen die Mittel fehlten, um rechtzeitig eine Diagnose oder die notwendige Behandlung zu erhalten. Eine Gesundheitsversorgung, die jedem Menschen unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten zugänglich sei, gehöre zu den Verantwortlichkeiten jeder Gesellschaft. Wer sich in einer solchen Lage befinde, verliere dadurch weder seine Zugehörigkeit zur Gesellschaft noch etwas vom Wert seines Lebens. Gerade aufgrund seiner Schwäche müsse er vielmehr die Unterstützung, die notwendigen Ressourcen und die Begleitung erhalten, die er benötige. Die Sorge für die Leidenden sei eine Verpflichtung der gesamten Menschheitsfamilie. Für die Kirche ergebe sich diese Pflicht in besonderer Weise aus dem Auftrag Jesu Christi, ihn in den Schwächsten zu erkennen und ihnen zu dienen. Leo XIV. verwies dazu auf das Matthäusevangelium: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Benedikt XVI. habe in seiner Enzyklika Spe salvi den Maßstab der Menschlichkeit mit dem Verhältnis zum Leid und zu den Leidenden verbunden: „Das Maß der Humanität bestimmt sich ganz wesentlich im Verhältnis zum Leid und zum Leidenden“ (Nr. 38). Daraus folge die Verantwortung aller, dafür einzutreten, dass jeder Mensch in Würde leben, die erforderliche Pflege erhalten und bis zum natürlichen Lebensende begleitet werden könne. Die Kirche wolle durch ihre Bistümer und Gemeinden sowie durch die zahlreichen Menschen, die sich dem Dienst an anderen widmeten, mit allen zusammenarbeiten, die sich um die Linderung menschlichen Leidens bemühten und den Betroffenen auch dort beistünden, wo eine Heilung oder Beseitigung des Leidens nicht möglich sei. Sie bringe in diese gemeinsame Aufgabe ein, was ihrem eigenen Auftrag entspreche: eine Hoffnung, die auch dann nicht erlösche, wenn die menschlichen Möglichkeiten an ihre Grenzen stießen. Diese Hoffnung erinnere diejenigen, die eine Prüfung durchlebten, daran, dass ihr Leben stets Sinn und Wert behalte, dass sie nicht allein seien und auch in den dunkelsten Stunden von Gott geliebt würden. Die Menschenmenge auf dem Relief an der Seite Artigas’ vereine Personen unterschiedlichster Herkunft. Eine vornehm gekleidete Frau folge zu Fuß einem Wagen, während andere die Tiere führten oder ihre Habseligkeiten transportierten. Auch diese Verschiedenheit gehöre zur Geschichte Uruguays. Generationen von Männern und Frauen mit unterschiedlichen Herkunftsgeschichten und sozialen Lebensbedingungen hätten das Land zu einer gemeinsamen Heimat gemacht. Menschen, die einem Volk angehörten, verfügten nicht notwendig über dieselben Ausgangsbedingungen oder Ressourcen. Deshalb habe die Organisation und Ausrichtung der Wirtschaft unmittelbare Auswirkungen auf die Lebensbedingungen und die Möglichkeiten jedes Einzelnen, seine Zukunft zu gestalten. Die Schaffung von Wohlstand, Investitionen und wirtschaftliche Initiativen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich seien für die Entwicklung eines Landes notwendig. Ihre Früchte müssten sich jedoch in Gütern und Chancen niederschlagen, die tatsächlich allen zugutekämen. Der Papst verwies erneut auf seine Enzyklika Magnifica humanitas: „Es sind die konkreten Menschen, die zählen, jeder Einzelne von ihnen und ihre Familien“ (Nr. 58). Zum geschichtlichen Erbe Uruguays gehöre ebenso das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Traditionen. Diese Vielfalt zeige sich heute auch in den religiösen Überzeugungen und Weltanschauungen seiner Bürger. Der säkulare Charakter des Staates habe die Aufgabe, einen Raum zu gewährleisten, in dem Gläubige und Nichtgläubige in Freiheit und gegenseitigem Respekt zusammenleben könnten. Dabei gebe es Werte, die universale Gültigkeit besäßen. Die staatliche Neutralität verlange keineswegs, dass die religiöse Dimension auf das Privatleben beschränkt werde. Das Zweite Vatikanische Konzil habe in der Erklärung Dignitatis humanae festgehalten, dass niemand gezwungen werden dürfe, gegen sein Gewissen zu handeln, und ebenso wenig daran gehindert werden dürfe, im Einklang mit seinem Gewissen zu handeln, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich, allein oder in Gemeinschaft mit anderen, innerhalb der gebotenen Grenzen. Aus dieser Freiheit heraus könnten Einzelpersonen und religiöse Gemeinschaften einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten und zugleich die Eigenständigkeit der zivilen Institutionen achten. Der Respekt und das Zusammenleben innerhalb einer Nation müssten auch die Beziehungen zu anderen Völkern bestimmen. Leo XIV. verwies dabei auf die uruguayische Verfassung, die in Artikel 6 vorsehe, dass die Republik in internationalen Verträgen auf die Beilegung von Streitigkeiten durch Schlichtung oder andere friedliche Mittel hinwirke und die soziale und wirtschaftliche Integration der lateinamerikanischen Staaten fördere. Dass Montevideo Sitz des Sekretariats des Mercosur sei, verleihe dieser Aufgabe, Räume der Verständigung und Zusammenarbeit in der Region zu schaffen, eine konkrete Gestalt. In einer Zeit, in der Unterschiede leicht zu Ursachen von Konflikten werden könnten, bestehe ein wesentlicher Dienst Uruguays an seinen Nachbarn darin, an der Achtung des Rechts, an Verhandlungen und an der geduldigen Suche nach Übereinkünften festzuhalten. Zum Abschluss seiner Ansprache kehrte der Papst noch einmal zum historischen Zug zurück, der auf dem Artigas-Denkmal dargestellt war. Die Redota nehme einen besonderen Platz im Gedächtnis Uruguays ein. Sie erinnere an ein Volk, das auf die Probe gestellt worden sei, vieles von seinem Besitz habe zurücklassen müssen und dennoch versucht habe, unter den Bedingungen der Ungewissheit zusammenzuhalten. Die Bronzereliefs erstreckten sich über alle vier Seiten des Denkmalsockels. Von einem einzigen Standort aus lasse sich nur ein Teil der Menschenmenge erkennen. Um die übrigen Figuren zu entdecken, müsse man sich dem Denkmal nähern, den Sockel umrunden und den Blick auf die einzelnen Darstellungen richten. Das Volk zeige sich erst in seiner Gesamtheit. In dieser Menschenmenge lasse sich etwas erkennen, das im Leben Uruguays fortbestehe: die gegenseitige Verantwortung, die es Menschen verschiedener Generationen und Lebensumstände ermögliche, weiterhin eine gemeinsame Geschichte zu gestalten. Er selbst sei als Nachfolger Petri und als Hirte nach Uruguay gekommen, um der pilgernden Kirche dieses Landes zu begegnen und sich seinem gesamten Volk mit Zuneigung zu nähern. Die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Uruguay reichten bis in die ersten Jahre der Unabhängigkeit der Republik zurück. In diesem Zusammenhang erinnerte Leo XIV. an Papst Gregor XVI., der die Befugnisse von Pater Dámaso Antonio Larrañaga bestätigt und ihn mit einem Apostolischen Breve vom 14. August 1832 zum Apostolischen Vikar der Republik ernannt habe. Dieser kirchliche Akt sei zugleich als stillschweigende Anerkennung der Unabhängigkeit des neuen östlichen Staates verstanden worden, der damals darum bemüht gewesen sei, seine Stellung innerhalb der Staatengemeinschaft zu festigen. Mit einer jahrhundertelangen, von Glauben und Dienst geprägten Geschichte wolle die Kirche dem uruguayischen Volk weiterhin das anbieten, was sie selbst empfangen habe: Jesus Christus und die Hoffnung seines Evangeliums. Im Rahmen ihres eigenen Auftrags wolle sie mit allen zusammenarbeiten, die sich für das Gemeinwohl und die Würde jedes einzelnen Menschen einsetzten. Abschließend äußerte Leo XIV. den Wunsch, dass die Tage seines Besuchs dazu beitragen könnten, das Verbindende zu stärken und das Vertrauen zu erneuern, mit dem Schwierigkeiten begegnet und die kommenden Aufgaben in Angriff genommen würden. Er schloss seine Ansprache mit dem Segen für das Land und einem marianischen Gebet: Gott möge Uruguay segnen, und die allerseligste Jungfrau Maria, der sich das Volk in den Stunden seiner Entstehung anvertraut habe, möge es weiterhin auf seinem Weg durch die Geschichte begleiten.
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