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Tschechischer Bischof Holub meint: Neuer Ritus ist 'wesentlich' für Synodalität

7. Oktober 2026 in Weltkirche, 15 Lesermeinungen
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Der rote Faden, der Synodalität und liturgische Gottesdienste verbinde, sei ‚genau die vom Zweiten Vatikanischen Konzil geförderte Vision der Kirche‘, die er als ‚versammlungsorientierte und nicht klerikale Kirche‘ beschreibt.


Pilsen (kath.net/jg)
Tomáš Holub, der Bischof von Pilsen (Tschechische Republik), hat in einem Artikel die Ansicht vertreten, Synodalität in der Kirche lasse sich nur durch die Messe im Neuen Ritus verwirklichen.

In einem Gastbeitrag mit dem Titel „Synodalität und der Novus Ordo Missae“ auf dem italienischen Blog Come Se Non des progressiven Theologen Andrea Grillo stellte Holub eine Verbindung zwischen der Umsetzung von Synodalität mit der Feier der heiligen Messe im Neuen Ritus her. Die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird dadurch ein wesentliches Element der missionarischen Zukunft der Katholischen Kirche, berichtet AdVaticanum.

Holub schreibt aus der Perspektive seiner Diözese, die er als Missionsgebiet beschreibt, und reflektiert die Erfahrungen der Synode von Pilsen, die von 2024 bis 2026 durchgeführt worden ist. Er zitiert soziologische Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kommen, dass viele Menschen offen für das Evangelium sind, sich aber nicht am regulären kirchlichen Lebens beteiligen. Die Kirche brauche „pastorale Kreativität“ anstelle sich auf Methoden zu verlassen, die von früheren Generationen überliefert sind.

„Die Menschen suchen nach Transzendenz“, schreibt Holub und fügt hinzu, es sei Aufgabe der Kirche, Antworten auf diese Suche zu geben, indem sie „eine gesunde und aktuelle Version des Evangeliums“ verkünde.


Die Diözesansynode von Pilsen sei ein Weg zur Erneuerung des Selbstverständnisses der Kirche gewesen. Die Delegierten hätten in einem zweijährigen Prozess pastorale Prioritäten erarbeitet, die jetzt umgesetzt würden. Die Synode habe den Klerikern und den Laien bewusst gemacht, dass die Verantwortung für die Kirche beim ganzen Volk Gottes liege.

„Die Kirche ist nicht länger eine Angelegenheit bestimmter Personen, der Priester“, schreibt Holub. Das Leben der Kirche setze sich aus vielen vereinten Gliedern zusammen, die in Gemeinschaft leben. 

Synodalität sei nicht einfach eine Kommunikationstechnik, fährt Holub fort. Sie sei ein Weg, den Glauben zu leben. Die Katholiken sollten nicht einfach synodale Treffen organisieren, sondern eine synodale Kirche werden, indem sie einander zuhören, unterscheiden und Verantwortung teilen. „Es geht nicht darum, eine Synode abzuhalten, sondern darum, eine Synode zu werden“, schreibt der Bischof.

Daraus folge eine neue Wertschätzung des Dienstes in der Kirche. Anstatt das Weihepriestertum zu schwächen, sollte die Anerkennung der Gaben der Laien das missionarische Zeugnis der Kirche stärken, indem diese es allen Getauften ermögliche, entsprechend ihrer Berufung einen Beitrag zu leisten.

Jede liturgische Feier sollte die Einheit der Kirche zum Ausdruck bringen und eine Quelle für die missionarischen Aktivitäten sein. Aus dieser Überzeugung leitet Holub die umstrittenste Schlussfolgerung seines Artikels ab. Ausgehend von dem Argument, dass die Liturgie das Selbstverständnis der Kirche sowohl widerspiegelt als auch prägt, kommt er zu dem Fazit, dass der Neue Ritus der Ekklesiologie des Zweiten Vatikanums auf einzigartige Weise entspreche. 

„Der Novus Ordo ermöglicht es, die Synodalität im Bereich der Liturgie umzusetzen“, schreibt Holub wörtlich. Den Alte Ritus lehnt er daher ab. Wörtlich schreibt er: „Andernfalls wäre dies sehr schwierig, da der Vetus Ordo Ausdruck einer tridentinischen und modernen Sichtweise der Kirche ist, die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht.“

Der rote Faden, der Synodalität und liturgische Gottesdienste verbinde, sei „genau die vom Zweiten Vatikanischen Konzil geförderte Vision der Kirche“, die er als „versammlungsorientierte und nicht klerikale Kirche, eine dienende Kirche, eine gemeinschaftliche Kirche, die ihre Einheit bezeugt und feiert“ beschreibt.

Holub räumt ein, dass es auch in seiner Diözese Katholiken gibt, die dem Alten Ritus verbunden sind. Nach seiner Ansicht formt die regelmäßige Teilnahme an der Alten Form des Römischen Messritus ein bestimmtes Verständnis der Kirche. Dies könne zu Spaltungen im kirchlichen Leben führen, indem es Misstrauen gegenüber den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils verstärke.

Diesen Gläubigen sollte man ebenfalls synodal begegnen, schlägt Holub vor. Man sollte ihnen zuhören und gemeinsam unterscheiden lernen. Gleichzeitig müsse dieser Dialog von der „freundlichen, aber festen Haltung“ begleitet sein, die das Zweite Vatikanische Konzil als „Ausdruck des wahren Lehramts“ betrachtet.

Abschließend warnt Holub vor kircheninternen Konflikten, während gleichzeitig viele Leute außerhalb der Kirche sind. Die Kirche sollte in der Lage sein, mit Offenheit, missionarischem Zeugnis und synodaler Praxis auf die gegenwärtige Gesellschaft zuzugehen. Stattdessen forderte er „eine Kirche, die gerade deshalb wahrhaft universell ist, weil sie synodal und offen für die Zukunft und die heutige Welt ist“.

Andrea Grillo ist einer der Autoren des Motu proprio Traditionis custodes. Er gilt als wichtiger theologischer Mitarbeiter und enger Berater von Erzbischof Vittorio Francesco Viola, dem Sekretär des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. 

 


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Lesermeinungen

 Tschuschke 10. Oktober 2026 
 

@versusdeum

Lieber oder liebe versusdeum, auf dem Konzil wurde folgender Text zur Beratung und Abstimmung vorgelegt: „Damit also das Opfer der Messe auch in der Gestalt seiner Riten seelsorglich voll wirksam werde, trifft das Heilige Konzil folgende Anordnungen.“ Die Väter verlangten einen Zusatz: … trifft das Heilige Konzil „im Hinblick auf die mit dem Volk gefeierten Messen, besonders jene an Sonntagen und gebotenen Feiertagen,“ folgende Anordnungen (SC 49). Warum dieser Zusatz? Doch wohl, weil die Messen ohne Volksbeteiligung von den dann beschlossenenen Veränderungen unberührt bleiben sollen. Oder wie verstehen Sie das?
Wolfgang Tschuschke, Pfr. i. R.


0
 
 Versusdeum 8. Oktober 2026 
 

@Tschuschke

Verstehe ich Sie richtig: Das bisher jüngste Konzil wünschte zwei Formen der Hl. Messe? Die bisherige für "Privatmessen" und eine noch zu entwerfende für Hl. Messen mit Volksbeteiligung?


0
 
 SarahK 8. Oktober 2026 
 

@SalvatoreMio & @Wynfried

Sie haben mir meinen guten Vorsatz verdorben :-) (Scherz), nein aber nach Kamillos Einwand den ich erst spät gestern gelesen habe, habe ich überlegt und natürlich erstmal bei mir an erster Stelle anfangend gefragt, wieviel persönliche Betroffenheit hier in Meinungen einfließen und ob wirklich immer alles so ankommt wie es gemeint ist. Ich hatte ohne, dass ich den Bischof einordnen „kannte“ das ganze „Interview“ gelesen und gedacht „mhm, not too bad“ in Einklang mit dem echten Vat2, den Sakramenten auf Linie mit der Kirche (kein Frauenpriestertum etc.), ok er spricht von „ministerialità diffusa“ – einem breit gefächerten Dienst –, bei dem die Talente und Gaben jedes Einzelnen anerkannt und gefördert werden. Jeder nicht blauäugige weiß dass konservative und progressive das unterschiedlich „verstehen“. Aber wenn man dann weiß „woher“ er kommt liest man es doch wieder kritischer. Ich denke Kamillo hat Recht.


0
 
 SalvatoreMio 8. Oktober 2026 
 

Gut zu wissen

Danke@Wynfried! Ihre Information erklärt einiges! Bei diesem tschechischen Bischof kommt mir eine seltsame Idee: wenn die Rinder am Ende des Winters aus dem Stall-Gefängnis entlassen werden, drehen einige durch, machen "Bocksprünge" und stoßen um, was ihnen hinderlich ist auf dem Weg in die Freiheit. Vielleicht wirkt sich das bei einigen Menschen auch im religiösen Bereich aus?


0
 
 Wynfried 7. Oktober 2026 

Bischof Holub ist linksliberal geprägt

Bischof Tomáš Holub gilt als einer der profiliertesten Vertreter des progressiven, reformorientierten Flügels der katholischen Kirche in Tschechien, was für die historisch und gesellschaftlich deutlich konservativer und traditioneller geprägte tschechische katholische Hierarchie und die verbliebene Gläubigenbasis eher untypisch ist.
Bischof Holub nimmt eine im kirchlichen Kontext liberale Haltung ein. Er unterstützt nachdrücklich den synodalen Kurs und plädiert für eine "Modernisierung" der Liturgie.
Sein Theologiestudium in Salzburg direkt nach der Wende (1990–1991) sowie seine späteren Studienaufhalte in Hamburg (am Institut für Theologie und Frieden) lassen seine linksliberale Prägung erklären.


1
 
 Tschuschke 7. Oktober 2026 
 

Die alte Messe lernen!

Lieber Mitbruder Norbert Sch?necker, es lohnt sich, die alte Messe zu lernen! Sie sollten es vielleicht doch einmal anfangen. Ich jedenfalls habe durch die alte einen neuen Zugang zur neuen Messe bekommen. Und jetzt im Ruhestand, wo ich werktags die Messe in der Regel nur ohne Volk feiern kann, bin ich sehr froh. Denn die neue Messe eignet sich nicht wirklich für die Feier ohne Volksbeteiligung. Die Konzilsväter haben das schon gewusst und deswegen verfügt, dass die Messe nur verändert werden soll, wenn sie mit Volksbeteiligung gefeiert wird - SC 49.
Wolfgang Tschuschke, Pfr.i.R.


2
 
 SarahK 7. Oktober 2026 
 

@Christianlay, vom Wort her richtig übersetzt

also kein direkter Tippfehler, im Kontext würde ich es aber eher wie folgt übersetzten:
Der Vetus Ordo ist Ausdruck eines tridentinischen und frühneuzeitlichen Kirchenbildes, das den heutigen Erfordernissen nicht mehr entspricht


0
 
 Paddel 7. Oktober 2026 

Bärendienste

erweisen solche Bischöfe dem Heiligen Vater. Meine Güte, wie "Gescheit" doch alle sind und so gerne Papst wären um die Geschicke nach ihrer Fasson lenken zu können.

So ein Pech, dass der hl. Geist auch immer die Falschen auswählt.

Ja, da stellt sich doch glatt die Frage, ob in der römisch-katholischen Kirche denn überhaupt noch der hl. Geist gehört wird?

Oder sind alle Taub(en)?


1
 
 Kamillo 7. Oktober 2026 
 

Verbales Abrüsten wäre hilfreich

Erstaunlich, welche Auffassungen so mancher Kirchenfürst gelegentlich zum Besten gibt. Noch erstaunlicher finde ich, mit welcher Heftigkeit inzwischen um den Ritus gestritten wird. Dabei bleiben sich beide Seiten wenig schuldig. Jede zugespitzte Äußerung provoziert die nächste, der Ton verschärft sich und die Gräben werden tiefer. Psychologisch ist das eine klassische Eskalationsdynamik: Irgendwann dient beinahe jedes Wort der Gegenseite nur noch als neue Munition. Dabei geht es um ernsthafte Fragen der Liturgie – gerade deshalb sollte die Auseinandersetzung nicht zum Lagerkampf verkommen. Deshalb wäre es wichtig, die sachliche Auseinandersetzung nicht durch gegenseitige Abwertungen zu überlagern. Wer auf Verständigung hofft, sollte sich bewusst sein, dass Worte Gräben nicht nur überbrücken, sondern auch vertiefen können. Sachliche Auseinandersetzung ist das eine. Polemik das andere. Jeder darf sich nach dem eigenen Anteil an der Verhärtung der Fronten fragen.


2
 
 MPDE 7. Oktober 2026 
 

Ein konstruierter Bruch

Was man den Piusbrüdern vorwirft, nämlich einen Ritus mit ekklesiologischen Fragen zu verbinden, muss man auch diesem Bischof vorwerfen. Die katholische Kirche ist ontologisch Volk Gottes und Leib Christi, Synodalität ist allerdings kein Attribut, was wesentlich für ihre Gestalt wäre. Ganz im Gegensatz zur hierarchischen Verfassung.


3
 
 CusanusG 7. Oktober 2026 
 

In sich unlogisch

Wenn die Menschen nach Transzendenz suchen, dann brauchen sie weder Synodalität, noch eine verstümmelt Version der neuen Messe.

Wenn die Analsyste des Bischofs stimmt und Transzendenz gesucht wird, dann muss er die alte Liturgie anbieten und keine Stuhlkreise.


3
 
 Norbert Sch?necker 7. Oktober 2026 

Wo ist Christus?

Freilich ist die Heilige Messe auch eine Versammlung.

Aber um wen versammeln wir uns? Um Jesus Christus! Ohne ihn wären wir wie eine Herde ohne Hirten, oder wie Kinder ohne Eltern.

Wenn in der Versammlung Christus weggelassen wird und nur Gemeinschaft um der Gemeinschaft willen gefeiert wird, dann werden wir als Kirche untergehen.

Zumindest in der obigen Zusammenfassung kommt Christus aber kein einziges Mal vor!

Ich möchte ausdrücklich festhalten. dass ich gerne und ausschließlich den Neuen Ritus zelebriere (weil ich den Alten nicht gelernt habe) und überzeugt bin, dass auch im Neuen Ritus Christus im Mittelpunkt ist, wenn man ihn würdig feiert.


8
 
 Christianlay 7. Oktober 2026 
 

Ein arger Tippfehler?

„Andernfalls wäre dies sehr schwierig, da der Vetus Ordo Ausdruck einer tridentinischen und modernen Sichtweise der Kirche ist, die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht.“ Ist das ein Tippfehler, die tridentinische Messe ist doch nicht "modern"? Die Liturgie müsse den "Bedürfnissen" der Menschen entsprechen- das zeigt ein völliges Unverständnis über das Wesen der Liturgie, oder seit wann hat ein Dienst den Bedürfnissen des Dienenden gerecht zu werden?
Uwe Lay Pro Theol Blogspot


3
 
 Versusdeum 7. Oktober 2026 
 

Erstaunlich, wie offen er die "andere Kirche" propagiert

Besonders gefallen hat mir die „gesunde und aktuelle Version des Evangeliums“. Also verkündete die Kirche bisher eine "kranke"?
Und danke für diese Werbung für den überlieferten Ritus der Kirche durch progressistische Kreise: „Der Novus Ordo ermöglicht es, die Synodalität im Bereich der Liturgie umzusetzen“. Ich mochte schon den Begriff "Volksaltar" weil er zeigt, dass sich der Schwerpunkt der Liturgie von der gemeinsamen Opfer von Volk und Priester tendenziell mehr zu einer Versammlung (oder gar einem politischen/aktivistischen Happening) verschoben hat.


2
 
 Cosmas 7. Oktober 2026 
 

Ehrlich sind sie wenigstens, die Synodalisten!

Jetzt wissen wir, warum die Alte Messe so unterdrückt wird. Dass 'der Neue Ritus der Ekklesiologie des Zweiten Vatikanums auf einzigartige Weise entspreche', sehe ich auch so, ist aber für mich ein Grund, beim Alten Ritus zu bleiben.
Holub schreibt: 'Man sollte ihnen zuhören und gemeinsam unterscheiden lernen. Gleichzeitig müsse dieser Dialog von der „freundlichen, aber festen Haltung“ begleitet sein, die das Zweite Vatikanische Konzil als „Ausdruck des wahren Lehramts“ betrachtet.' Euphemistisch wird hier gesagt, dass man die Anhänger der Alten Messe zwar anhört, aber sie dann umerzogen werden müssen ('unterscheiden lernen'). Diese Verweigerung eines echten Gesprächs heißt jetzt "freundliche, aber feste Haltung". 'Wahres Lehramt" gibt es auch erst jetzt...


3
 

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