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| ![]() Wo Begegnung zur Zivilisation der Liebe wurde. Die Armen als Fleisch Christivor 1 Stunden in Aktuelles, 1 Lesermeinung Leo XIV. in der Maison Bakhita: die Würde der Armen, die Berufung zur gegenseitigen Fürsorge und die Begegnung als Weg gesellschaftlicher Erneuerung. Christliche Nächstenliebe und das Geheimnis der Erlösung. Von Armin Schwibach Paris (kath.net/as) Beim Besuch des Sozial- und Integrationszentrums „Maison Bakhita“ in Paris hatte Papst Leo XIV. am zweiten Tag seiner Apostolischen Reise nach Frankreich von einem Ort gesprochen, an dem Begegnung, Aufnahme und gemeinsames Leben als konkrete Wirklichkeit erfahrbar werden. Er dankte der Erzdiözese Paris, den Scalabrini-Schwestern sowie den Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern, die das Zentrum trugen und Menschen Aufnahme, ein offenes Ohr, Bildungsangebote und Freundschaft ermöglichten. Sein besonderer Dank galt dabei jenen, die den Anwesenden zuvor Zeugnis gegeben hatten. Den Namen des Zentrums nahm Leo XIV. zum Ausgangspunkt für eine Betrachtung über die heilige Bakhita und die Rolle der Frauen beim Aufbau einer „Zivilisation der Liebe“. Diese stellte er einer Kultur gegenüber, „die Gemeinschaften zersetzt und die Städte an Einsamkeit erkranken lässt“. Die Geschichte der Kirche und der Menschheit werde bei genauerer Betrachtung nicht von jenen geschrieben, die scheinbar siegten, indem sie sich durchsetzten und Räume besetzten. Entscheidend seien vielmehr jene, die „Raum schaffen“, Prozesse des Friedens in Gang setzten, Vertrauen weckten und zum Leben ermutigten. Damit verband Leo XIV. die gesellschaftliche Dimension christlicher Nächstenliebe mit Entscheidungen, die über bloße Gefühlsäußerungen hinausgingen. Es gehe „nicht um einfache Gefühle, sondern um unkonventionelle Entscheidungen und Investitionen, deren gesellschaftliche Relevanz und Zukunftsträchtigkeit wir immer besser verstehen“. Die Erinnerung an die heilige Bakhita habe dazu verpflichtet, „jene zu sehen, die nicht gesehen werden“, jene zu befreien, „die heute von der Wirtschaft und der Kultur zu Sklaven gemacht werden“, und die „unendliche Würde jedes Bruders und jeder Schwester“ zu ehren, „in denen Jesus selbst an unsere Tür klopft“. So führte der Papst unmittelbar in die christologische Mitte seiner Ansprache. Die Armen erschienen für ihn nicht zunächst als Gegenstand sozialer Analyse, sondern als Ort der Begegnung mit Christus. Leo XIV. verwies dabei auf seine Apostolische Exhortation Dilexi te: „Tatsächlich sind die Armen für die Christen keine soziologische Kategorie, sondern das Fleisch Christi selbst“. Die Lehre von der Menschwerdung Gottes könne deshalb nicht auf eine allgemeine Verkündigung beschränkt werden. Um in dieses Geheimnis einzutreten, müsse vielmehr konkretisiert werden, „dass der Herr Fleisch angenommen hat, das hungert, dürstet, krank ist und gefangen“. Aus dieser Perspektive verband Leo XIV. die Armen unmittelbar mit dem gekreuzigten Christus: „Der arme und gekreuzigte Christus lässt sich in Männern und Frauen finden und lieben“. Diese Begegnung rufe dazu auf, aus sich selbst herauszutreten und „den Mut zur Liebe aufzubringen“. Die Nächstenliebe erschien damit nicht als bloße soziale Ergänzung des christlichen Glaubens, sondern als Konsequenz des Glaubens an den menschgewordenen und gekreuzigten Christus. Als zweite tragende Einsicht des Engagements der Maison Bakhita bezeichnete Leo XIV. den „Austausch von Gaben“, der sich in jeder Begegnung neu ereigne. Dabei stellte er die Gegenseitigkeit in den Mittelpunkt: „Niemand ist so arm, dass er nichts zu geben hätte; niemand ist so reich, dass er nichts zu empfangen hätte“. Ein Leben in Fülle entstehe dort, „wo sich die eigenen Grenzen für die geheimnisvolle Gegenwart der anderen öffnet, in welchen der Andere schlechthin, der Gott des Lebens, uns nahekommt“. Diese Vorstellung der Begegnung leugnete nicht das Leid, das die Sünde in die Geschichte gebracht habe. Sie eröffne vielmehr einen Weg, nicht in diesem Leid gefangen zu bleiben. „Wir verkünden, dass Erlösung möglich ist, dass sie begonnen hat, dass sie im Gange ist und dass auch wir als lebendige Glieder des Leibes Christi daran teilhaben“. Die soziale Wirklichkeit wurde damit in einen soteriologischen Zusammenhang gestellt: Der Dienst am Menschen verwies auf die bereits begonnene und weiterhin gegenwärtige Wirklichkeit der Erlösung. Anschließend griff Leo XIV. das Bild des Apostels Paulus vom Leib Christi auf: „Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht. Der Kopf kann wiederum nicht zu den Füßen sagen: Ich brauch euch nicht. Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich“. Die paulinischen Worte bezog der Papst auf die Situation der Gemeinde von Korinth, die zu jener Zeit zu den reichen und dynamischen Metropolen gehört habe. Das Evangelium sei dort von Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialer Schichten aufgenommen worden, darunter auch viele Arme und Sklaven. Gerade diese Zusammensetzung der korinthischen Gemeinde stellte Leo XIV. in eine direkte Beziehung zu den Menschen, denen er in der Maison Bakhita begegnete. Der Apostel Paulus habe geschrieben: „Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem benachteiligten Glied umso mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen“. Die Einheit des Leibes Christi beruhte damit nicht auf der Beseitigung von Verschiedenheit, sondern auf der Erkenntnis der gegenseitigen Unentbehrlichkeit. Zum Abschluss dankte Leo XIV. den Mitarbeitern des Zentrums und allen Menschen, die in Frankreich in vergleichbaren Einrichtungen tätig waren. Ihr Dienst sollte weiterhin von der „gegenseitigen Fürsorge“ Zeugnis geben, die durch „geschwisterliche Akzeptanz, Ausbildung und den Dialog mit der Stadt den Geist erhebt und die Welt menschlicher macht“. Die Maison Bakhita erschien damit als konkreter Ort einer kirchlichen Praxis, in der Aufnahme, Bildung, Begegnung und christliche Nächstenliebe miteinander verbunden wurden. Seinen Besuch stellte der Papst schließlich unter die Fürsprache der heiligen Bakhita und jener Zeugen der Nächstenliebe, durch die die Kirche in Frankreich, „insbesondere in Zeiten turbulenter Veränderungen“, geprägt worden sei.
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