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| ![]() Warum die deutsche „Demokratie-Kirche“ keine Zukunft hatvor 8 Stunden in Kommentar, 2 Lesermeinungen „Wenn Katholikentage nicht Zeugnisse der weltlichen Konfusion, sondern Zeichen des Glaubens setzen wollten, würde auf ihnen über den Lebensschutz gesprochen, mit Leidenschaft und Löwenmut.“ Kommentar von Thorsten Paprotny Würzburg-Bonn (kath.net) Dass der kunterbunte Würzburger Katholikentag wenig repräsentativ für den römischen Katholizismus in der Kirchenprovinz Deutschland sein würde, war bereits vor Stattfinden des – weltlich gesprochen – „Events“ klar. Die rituell verbrämte Beschwörung des Kampfes um „Unsere Demokratie“, mithilfe der „Brandmauer“, ersetzte die Frage nach Gott, zumindest weitgehend. Das entschlossene Eintreten für den unbedingten Lebensschutz, immerhin Verfassungsauftrag und durch Art. 1 GG gesichert, bleibt außen vor. Zu sehr hat sich – anders als bei deutschen Bischöfen wie Joseph Kardinal Höffner in den 1970er Jahren – das geschmeidige Anpassen an eine Konformität mit dem Zeitgeist durchgesetzt. Die anstößige Wahrheit des Glaubens wird verdrängt oder vergessen, stattdessen warnt der Publizist Andreas Püttmann im Nachgang auf einem bekannten, aus Kirchensteuermitteln finanzierten Portal noch vor „rechtskatholischen Geisterfahrern“. Und wer zählt alles dazu? Wer heute für die Würde des Menschen eintritt und den unbedingten Schutz des Lebens – etwa auf den Märschen für das Leben –, von der Empfängnis bis in die Sterbephase hinein fordert und erwartet, wird in einer Zeit, in der offensichtlich auch gesprächsfähige und für den kirchlichen Diskurs zugelassene Demokraten für das Recht auf Abtreibung (https://www.gruene-bundestag.de/unsere-politik/fachtexte/schwangerschaftsabbrueche-legalisieren/) plädieren: „Wir Grüne im Bundestag sagen: Schwangerschaftsabbrüche müssen legalisiert werden. Wir Grüne im Bundestag werden weiterhin für die volle Umsetzung von reproduktiven Rechten kämpfen. Denn wir sind der Meinung: Schwangerschaftsabbrüche müssen legalisiert werden, der Paragraf 218 in seiner jetzigen Form gehört abgeschafft.“ Echte Demokraten unter den Katholiken, die die Demokratie und das Recht auf Meinungsfreiheit verteidigen möchten, würden auf einem Katholikentag oder anderswo mit Vertretern einer solchen Partei, selbst wenn viele ihrer Repräsentanten problematische oder sogar antikatholische Positionen vertreten, diskutieren. Doch vor sogenannten „Rechtskatholiken“ wird nur gewarnt, und jede Gesprächsverweigerung ist ein Armutszeugnis. Wer mit Vertretern demokratisch gewählter Parteien diskutiert – und natürlich kritisch und kontrovers diskutiert –, der nimmt vor allem auch die Demokratie ernst, statt die Vertreter von Oppositionsparteien per se zu stigmatisieren. Sichert also derjenige, der mit Repräsentanten linker und linkspopulistischer Parteien spricht, streitet und diskutiert, die Demokratie in Deutschland? Davon ist auszugehen. Gibt derjenige, der den Positionen linker und linkspopulistischer Parteien, etwa über den unbedingten Lebensschutz, zustimmt, Zeugnis für seinen Glauben? Daran ist begründet zu zweifeln, aber darüber darf, kann und muss man streiten. Auch „linkskatholische Geisterfahrer“ gehören damit an den Tisch der Debatte. Sichert derjenige, der mit Repräsentanten rechter und rechtspopulistischer Parteien spricht, streitet und diskutiert – etwa über die Migrationspolitik, über die transatlantischen Beziehungen, über die Russlandpolitik –, die Demokratie in Deutschland? Auch davon ist auszugehen, nach meiner unmaßgeblichen Meinung – unbedingt sogar. Wer sich vor einer kritischen Diskussion nicht fürchtet, der steht ein für die Demokratie, vielleicht nicht für „Unsere Demokratie“, aber für den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat in der Bundesrepublik Deutschland, wie dieser vom Grundgesetz garantiert wird und wie dieser sich immer wieder neu bewähren muss. Anders gesagt: Wenn irgendwelche Linken und/oder irgendwelche Rechten zu den verborgenen Gegnern der Demokratie und zu Gegnern der Kirche gehören sollten, dann muss man erst recht die Auseinandersetzung mit ihnen suchen. Vergessen wir aber nicht: Die römisch-katholische Kirche in Deutschland und damit alle Gläubigen, die ihr angehören, was auch immer sie wählen, ob sie wählen oder nicht wählen, sind nicht auf die Treue zu dem medialen Gespinst namens „Unsere Demokratie“ verpflichtet, aber auf die Treue zum Evangelium, ob gelegen oder ungelegen, und auf die Treue zum Papst und zur Kirche des Herrn, die alle Zeiten und alle Orte umschließt. Wir werden einmal nicht gefragt werden, ob wir den Aposteln und Apologeten von „Unserer Demokratie“ nachgefolgt, sondern unserem Herrn Jesus Christus – darauf, und auf nichts anderes, kommt es einzig und allein an. Vor 50 Jahren schrieben die deutschen Bischöfe in der Handreichung „Zur Neuregelung des § 218“ (https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/deutsche-bischoefe/DB06.pdf): „Recht und Sittengesetz stimmen also überein, wenn es um den Schutz des menschlichen Lebens geht. Nicht nur die Kirche, sondern auch der Staat und die Gesellschaft müssen Nein sagen und entschiedenen Widerstand leisten, wenn das Recht des Menschen auf sein Leben angetastet wird. Das gilt uneingeschränkt auch für das ungeborene Leben im Mutterschoße.“ Eine solche Entschlossenheit und Eindeutigkeit wünschen sich viele einfach gläubige Katholiken auch von ihren Bischöfen heute, und eine solche Eindeutigkeit vermissen viele einfach gläubige Katholiken heute. Wenn Katholikentage nicht Zeugnisse der weltlichen Konfusion, sondern Zeichen des Glaubens setzen wollten, würde auf ihnen über den Lebensschutz gesprochen – mit Leidenschaft und Löwenmut, in einer Zeit, in der die „Diktatur des Relativismus“ (Joseph Ratzinger) und „Satans Rauch“ (hl. Paul VI.) auf vielfältige Weise auch in die Kirche Einzug gehalten haben. Nur die Kirche Gottes hat Zukunft – dank sei Gott –, der kirchenpolitische Gemischtwarenladen der Beliebigkeit wird vergehen. Der einfach gläubige Katholik ist übrigens weder „links“ oder „linkspopulistisch“ noch „rechts“ oder „rechtspopulistisch“, sondern einfach nur römisch-katholisch. Und das genügt, ob gelegen oder ungelegen. Dr. Thorsten Paprotny (siehe Link) lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Der Autor vieler Bücher publizierte bsp. den Band "Theologisch denken mit Benedikt XVI.". Foto: Logo des Katholikentags Würzburg (c) Katholikentag Würzburg Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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