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SucheSuchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln: ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-diskutiert
| ![]() Die nächste Reform ist immer die beste aller Zeitenvor 7 Stunden in Kommentar, 13 Lesermeinungen Bistumsprozess in Paderborn. Jetzt wird alles gut. Aus 600 Pfarreien werden 21 und die Teams werden multiprofessionell. Die Sprache wird immer infantiler und die Fläche verödet zunehmend. Der Montagskick von Peter Winnemöller Paderborn (kath.net) Es ist ein Phänomen, das alle Bistümer in Deutschland betrifft. Die klassische Struktur der Kirche, die sich von unten nach oben in Pfarrei, Dekanat und Bistum gliedert, funktioniert hier nicht mehr. Zu wenig Priester, zu wenig Gläubige – am Ende wohl zu wenig Glaube. Also müssen Pastoralstrategen, Unternehmensberater und Werbeagenturen ran. Man merkt das, wenn man ein wenig sensibel dafür ist, denn eines ist allen diesen Strukturreformen gemeinsam: Sie würden auch dann funktionieren, wenn es Gott nicht gäbe. Diözesane Strukturreformen sind keine Theologie, sondern nackte Algebra, die in teils infantilem Pastoralsprech immer dieselbe Botschaft vermittelt: Die kleinste Einheit muss größer werden. GEMEINSAM.GLAUBEN.GESTALTEN. Lauter Einwortsätze. Ein Kind sollte mit 2 Jahren Zwei-Wortkombinationen können. Nur mal am Rande bemerkt. Das ist die Weise, wie die Kirche mit den Menschen spricht. Erwachsene sprechen in ganzen Sätzen miteinander. Der Irrglaube hinter den sich in immer kürzeren Abständen jagenden Reformen resultiert aus dem Wunsch nach Machbarkeit. Diese Idee ist Folge der Überzeugung, die Kirche sei nicht mehr als eine soziale Größe. Dazu kommen erschreckende Erkenntnisse von weniger werdenden Einnahmen aus der Kirchensteuer, die zwar noch immer nominell Jahr für Jahr steigt, aber inflationsbereinigt schon dramatisch sinkt. Dabei geschieht ein Jammern auf hohem Niveau. Ein Niveau, das es immer noch ermöglicht, dass die Kirche in Deutschland reichlich internationale Scheckbuchpastoral betreibt. Doch bleiben wir im Land und schauen, was hier geschieht in Sachen Reformkirchen geschieht. Nun hat es wieder mal das Erzbistum Paderborn erwischt. Diesmal nennt es sich Bistumsprozess. Vergangene Prozesse hießen auch schon mal „Perspektive 2014“ oder Zukunftsbild. Es ist inzwischen die dritte Bistumsreform in 30 Jahren. Bis dato sind die geforderten Pastoralkonzepte und Immobilienkonzepte der Pastoralen Räume, die die vorhergehende Reformstufe verlangte, gar nicht alle geschrieben, da sind sie schon wieder obsolet. Monate und Jahre hatten Gremien aus Haupt- und Ehrenamtlichen damit verbracht, die Kirche in ihrer Region auf dem Papier neu zu erfinden und die ultimative Lösung zu Papier zu bringen. Nach diesen Pastoralkonzepten sollten künftig alle Haupt- und Ehrenamtlichen im Pastoralen Raum arbeiten. Nach diesen Papieren sollte der Pastorale Raum visitiert werden. Erst jüngst hatte man die Pastoralen Räume zu sogenannten Immobilienkonzepten verpflichtet und die Maßgabe verhängt, dass jedes dritte Gebäude im Erzbistum versilbert werden solle. Die Prozesse laufen noch, sind aber im Grunde schon wieder Geschichte. Im vergangenen Jahr, nachdem bereits der Start des neuen Reformprozesses verkündet worden war, wurden Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände gewählt, deren einzige Aufgabe darin bestehen wird, eben jene Struktur abzuwickeln, für die sie gewählt wurden. So schnell und so brutal, wie jetzt die pastorale Axt kreisen wird, hatten wir es noch nie. Das Erzbistum Paderborn mit seinen über 600 Pfarreien wird zu 21 Seelsorgeräumen zusammengefasst, die im Wesentlichen den alten Dekanaten entsprechen. Jeder dieser Seelsorgeräume wird idealerweise genau eine Pfarrei sein. In Ausnahmefällen dürfen es bis zu drei sein. Man darf gespannt sein. Doch eines lässt sich schon jetzt sagen, in zwei bis drei Jahren wird es keine einzige (!) Pfarrei, die derzeit im Erzbistum existiert, noch geben. Jahrhundertealte Strukturen werden zerschlagen und mit Pastoralkitt neu modelliert. Von 600 auf 21 bis vielleicht 25 oder 26 Pfarreien. Was früher das Ensemble aus Pfarrhaus, Pfarrbüro und Pfarrkirche war, wird dann ein Pastorales Zentrum sein. Irgendwo in 30 bis 50 km Entfernung wird dann der eigene Pfarrer wohnen, zu man ganz sicher keinen persönlichen Kontakt wird aufbauen können. Wozu auch, es gibt ja jede Mengen pastorales Fußvolk, das sich mehr oder weniger gerecht über die Pastoralkolchose verteilt. Wenn man Glück hat, sieht man vielleicht mal einen davon. Auch das wird es nämlich geben „Verlässliche Orte von Kirche“. Wenn Sie Pastoralamateur jetzt an einen Ort denken, wo jeden Sonntag die Heilige Messe gefeiert wird … Nö. Es kann auch ein Kindergarten oder ein Krankenhaus ein „Verlässlicher Ort von Kirche“ sein. Dass sich da mal keiner beklagt, die werden über den ganzen Seelsorgeraum die Präsenz von Kirche sicherstellen. Dafür sorgt ein Leitungsteam aus Pfarrer, Pastoralem Koordinator und Verwaltungsleiter. Für die Arbeit ist ein multiprofessionelles Team vorgesehen, das sogar einen Ehrenamtskoordinator bekommt, der die Heerscharen von ehrenamtlichen Laien, die es demnächst geben wird, befähigen soll. Während man zugleich mit der Schrumpfung der Zahl der Pfarreien um den Faktor 30 die Zahl der Generalvikariate um den Faktor vier vergrößert. Natürlich ist es nur ein Generalvikariat an vier Orten, aber jede Wette, in zehn bis fünfzehn Jahren sind alle vier Standorte so groß wie das heutige Generalvikariat in Paderborn. Der Grund ist einsichtig, den Pfarreien sollen immer mehr Verwaltungsaufgaben abgenommen werden, dazu braucht man regionale Standorte, die die Leitungsteams von Standorten in der Nähe aus begleiten können. Irgendwie ist das konsequent so, da nämlich das Engagement der kirchlichen Einrichtungen immer mehr in Bereiche wie Soziales, Betreuen, Beraten, Pflegen und Unterrichten verlagert wird, braucht es weit mehr Verwaltung. Die riesigen Pfarreien kumulieren die Vermögen und Haushalte der zahlreichen kleineren, aus denen sie hervorgingen. Das kann nicht einmal mehr ein Verwaltungsleiter überblicken. Einheiten diese Größe brauchen moderne, multiprofessionelle Verwaltungen. Kindertageseinrichtungen koppelt man gleich ganz aus den Strukturen der Pfarreien aus. Diese landen in einer gGmbH und werden von dort aus zentral verwaltet. Nicht zuletzt, um dieses Eigentum von Pfarreien an eine Gesellschaft zu übertragen, ist die Auflösung der Pfarreien nötig. Den vollen Zugriff auf das Vermögen einer Pfarrei kann ein Bischof dann und nur dann bekommen, wenn er eine Pfarrei auflöst. Bleibt abzuwarten, was noch so alles zentralisiert werden wird. Da Kirchenvorstandsarbeit ohnehin Geheimniskrämerei ist und selbst die Kirchenvorstände nicht über alle Vermögensangelegenheiten einer Pfarrei informiert sind, kann keiner vorhersagen oder später bis ins Letzte nachprüfen, welche Geldströme von wo nach wo gelaufen sind. Auch die künftigen Kirchenvorstände werden in geheimer Sitzung tagen und zur Verschwiegenheit verpflichtet sein. Man kann auf diesem Wege auch mal aufräumen. Ob es geschehen wird, wird man sehen oder nicht. Beeindruckend an der kommenden Reform ist die Geschwindigkeit. Errichtung der Seelsorgeräume am 1. Advent 2026, innerhalb eines Jahres sollen sich die Räume orientieren, damit ab 1. Advent 2027 die Leitungsteams das Ruder übernehmen können. Dass es einen Rückzug aus der Fläche geben wird, steht wohl außer Frage. Beeindruckend ist die derzeitige Haltung an vielen Orten, wir machen einfach irgendwie weiter. Auch Priester sagen, was sollen die schon machen, ich mache weiter wie bisher. Doch ganz so wird es nicht gelingen. Kirchen und Pfarrheime werden verschwinden. Wer soll denn eine Dorfkirche aufrecht erhalten, die 500 Besucher fasst und alle 14 Tage 20 Messbesucher hat. Hier ist der Moment, auch den Menschen in den Pfarreien mal zu sagen, wo ihre Verantwortung für das Desaster liegt. Leere Kirchen sind überflüssig. Menschen, die den Glauben in ihren Familien nicht weitergeben und weiterleben, leeren nicht nur die Kirchen, sie leeren auch die Pfarrhäuser. Auf die Frage, warum denn kein Pfarrer mehr ins Dorf kommt, lautete schon vor zwanzig Jahren die einzig sinnvolle Gegenfrage, wann denn im Ort die letzte Primiz gefeiert wurde. So still, wie es Sonntag für Sonntag in den Kirchen ist, ist es auch rund um die Bistumsreform. Wer nicht zufällig irgendeinem Gremium angehört oder ein Nachrichtenjunkie ist, erfährt von der bevorstehenden Reform genau gar nichts. Plötzlich steht ein Artikel in der Lokalzeitung, dass künftig der Dechant der Pfarrer ist. Na und? Man kann schon jetzt in vielen Dorfkirchen erkennen, dass sie derzeit Sonntag für Sonntag eine Messe haben, weil es einen Pensionär gibt, der dazu bereit ist, und einen Pastoralraumleiter, der ihn machen lässt. Stirbt der Priester, stirbt an jenem Ort die Messe und vielleicht auch das Kirchengebäude, das mit den Spendengroschen der Urgroßväter gebaut wurde und für das so manch einer im Dorf auch tief in die Tasche gegriffen hat. Wo die Pastoralraumleiter schon heute der Ansicht sind, man müsse die Menschen an den Mangel von Morgen gewöhnen, bleibt eine Kirche auch schon mal vier Wochen abgeschlossen. Wundere sich bitte niemand über Reformen, wie die, die wir erleben. Es hat immer alles zwei Seiten. Und trotzdem ist es falsch. Es ist grundfalsch, zuerst mit der Sense und dann mit der Gießkanne über das Land zu gehen. Eine kluge Pastoral würde darauf achten, wo geistliche Orte sind, die blühen, und dort die Seelsorge stärken. Lieber dort noch einen Priester hinschicken, wo er fruchtbar wirken kann, als in eine vertrocknete Pastoralkolchose, wo er auch selbst am Ende verdorrt. Lieber mit dem Abrissbagger eine tote Kirche abreißen, als an einem lebendigen Glaubensort auch nur eine einzige Messe zu streichen. Schaut man sich an, wie unser Land missioniert wurde, dann kommt man natürlich zuerst zur Mission mit dem Schwert. Doch mit dem Schwert missioniert man nur die Oberschicht, nicht das Volk. Der christliche Glaube in unserem Land ist von Klöstern aus verbreitet und ins Volk gepflanzt worden. Das waren geistliche Orte, die aus sich heraus anziehend waren und die nach und nach immer weiter in die Fläche ausgestrahlt haben. Diese allgemeine pastorale Gleichmacherei tötet lebendige Glaubensorte, um halbtote im Halbleben zu halten. Das macht den Glauben überall unattraktiv. Und ein vereinsamter Priester in einem Land ohne Glauben verzweifelt am Ende nur selbst. Wer das Land neu evangelisieren will, braucht starke Orte des Glaubens, an dem die Menschen die dort leben, wirklich die geistliche Kraft des gemeinsamen Glaubens erfahren und leben können. Diese kann man ausbreiten und teilen. Natürlich zieht das Erzbistum Paderborn seine Bistumsreform nun mit aller Kraft und mit der gebotenen Geschwindigkeit durch. Man wird noch mehr Menschen aus der Kirche treiben und noch mehr Orte werden veröden und irgendwann wird man das Bistum reformieren müssen. Da man die im Kern immer gleiche Reform nur mit anderem Framing und Wording und mit immer größer werdenden Räumen durchführt, wird nämlich auch die aktuelle Bistumsreform ungefähr zehn Jahre halten. Es gibt keinen Grund, warum nicht zehn Pfarreien für das Erzbistum Paderborn ausreichen, und damit sich dann immer nur zwei Pfarreien ein Generalvikariat teilen müssen, gründet man ein fünftes. So oder ähnlich wird es kommen. Irgendwann, wenn alle 27 deutschen Diözesen in einer letzten ultimativen, erst wirklich Zukunft verheißenden Pastoralreform zu einer einzigen Pfarrei von Garmisch bis Flensburg fusioniert sind, wird der Papst afrikanische und asiatische Ordensleute nach Deutschland senden, die hier Missionsklöster bauen und Missionsbischöfe einsetzen werden. Wer also etwas für den Glauben in Deutschland tun will, suche sich schon mal eine afrikanische Abtei, spende und bete für sie.
Bild oben: Der Hohe Dom zu Paderborn in einer Nachtaufnahme. Foto: Arne Hückelheim, CC BY-SA 3.0, wikimedia Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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