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Pakistan: Imam ergreift Partei für Christen unter Blasphemie-Verdacht

20. Mai 2021 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Christlicher und muslimischer Geistlicher entschärfen Konflikt


Wien-München (kath.net/KIN)

In Pakistan haben sich ein muslimischer Geistlicher und weitere Entscheidungsträger auf die Seite von Christen gestellt, die der Blasphemie beschuldigt wurden. Dies berichtete Dominikaner-Pater James Channan, Leiter des Friedenszentrums in Lahore und langjähriger Projektpartner des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN).

 

Channan zufolge hatten muslimische Krankenschwestern am „Punjab-Institut für psychische Gesundheit“ in Lahore drei christliche Kolleginnen beschuldigt, den Islam über die sozialen Medien beleidigt zu haben. Aufgrund der in Pakistan geltenden Blasphemiegesetze kann dies mit langjährigen Haftstrafen geahndet werden, Beleidigungen des Propheten Mohammed sogar mit dem Tod. Allerdings hätten sowohl der Imam Allama Muhammad Zubair Abid und ranghohe Regierungsvertreter ihre Unterstützung verweigert, woraufhin die Beschuldigungen nicht weiterverfolgt wurden.

 

Zusammenhang mit Pakistan-Resolution des Europa-Parlaments

 

Die christlichen Krankenschwestern sollen ein Video in einer WhatsApp-Gruppe von Kolleginnen hochgeladen haben, in dem die Durchsetzung der pakistanischen Blasphemiegesetze und die Rolle der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik kritisiert werden. Das Video steht im Zusammenhang mit der jüngsten Pakistan-Resolution des Europäischen Parlaments von Ende April. Darin forderten die Parlamentarier Pakistan unter anderem zur Abschaffung von Todesstrafe und lebenslanger Haft in seinen Blasphemie-Gesetzen auf. Außerdem solle die EU-Kommission die Pakistan gewährten Handelsprivilegien vor dem Hintergrund der Menschenrechtslage prüfen und gegebenenfalls zurücknehmen.


 

Als sich die Botschaft von der WhatsApp-Nachricht verbreitete, demonstrierten einige muslimische Pflegekräfte gegen ihre christlichen Kolleginnen. Diese hätten Todesangst gehabt und sich versteckt, berichtete Pater James. Weitere christliche Krankenschwester sollen bedroht und aufgefordert worden sein, zum Islam zu konvertieren. Eine Oberschwester und weitere Unterstützer hätten gefordert, die christliche Kapelle der psychiatrischen Klinik in eine Moschee umzuwandeln.

 

Muslime wirkten deeskalierend auf Protestierende ein

 

Christliche Pflegekräfte hatten sich daraufhin an Pater James Channan gewandt, der sich seit Jahren für den christlich-muslimischen Dialog und Versöhnung in Pakistan einsetzt. Channan schaltete seinen muslimischen Kollegen Imam Zubair Abid ein. Dieser leitet das „Pakistan Ulema Council“, eine Gruppe muslimischer Gelehrter, die sich wiederholt für Christen unter Blasphemieverdacht eingesetzt hat.

 

Der Imam führte Gespräche mit beiden Konfliktparteien des Krankenhauses. Er kam zu dem Schluss, dass die christlichen Krankenschwestern keine Gotteslästerung begangen hätten. „Der Imam hat eine entscheidende Rolle gespielt, um diese Situation zu entschärfen. Sie hätte so leicht aufflammen und zu Ausschreitungen in verschiedenen Landesteilen führen können“, erklärte Channan gegenüber „Kirche in Not“. Das Punjab-Institut gilt als eines der größten und bedeutendsten psychiatrischen Einrichtungen in Südasien. Es habe außerdem eine öffentliche Anhörung stattgefunden, an der neben dem Pflegepersonal auch ranghohe Mitglieder der pakistanischen Bundes- und Provinzregierung sowie Polizei- und Kirchenvertreter teilnahmen.

 

Zahlreiche Muslime, darunter auch der Verwaltungsdirektor des Krankenhauses sowie hochrangige Politiker wie die Parlamentsbeauftragte für interreligiöse Harmonie und ein Vertreter des Gesundheitsministeriums seien vor Ort gewesen und hätten deeskalierend auf die Mitarbeiter eingewirkt, sagte der Dominikaner: „Es ist ein Beweis dafür, dass Gott Wunder wirkt. Wir erleben sie in unserem Alltag – Menschen, die verfeindet sind, können sich versöhnen.“ Deshalb lud Channan auch zu einer Versöhnungszeremonie in die Krankenhauskapelle ein.

 

Steigende Blasphemie-Vorwürfen in sozialen Netzwerken

 

Der Vorfall in Lahore ist der jüngste in einer Reihe von Blasphemievorwürfen gegen christliche Pflegekräfte in Pakistan. Im April waren in einem Krankenhaus in Faisalabad zwei Krankenschwestern beschuldigt worden, einen Aufkleber mit Koranversen abgerissen zu haben. Berichten zufolge habe ein aufgebrachter Junge eine der Beschuldigten mit einem Messer verletzt.

 

Auch die Abgeordneten des Europäischen Parlaments hatten in ihrer jüngsten Resolution von einer „alarmierenden Zunahme von Blasphemie-Anschuldigungen inner- und außerhalb sozialer Netzwerke im vergangenen Jahr, die sich oftmals gegen Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Künstler und gesellschaftliche Randgruppen richten“ gesprochen.

 

Pater James Channan dankte „Kirche in Not“ für die Unterstützung des Lahore-Friedenszentrums, das sich für interreligiösen Dialog einsetzt: „,Kirche in Not’ hat viel dazu beigetragen, unseren pastoralen Kontakt gerade zu jungen Menschen zu verstärken.“

 

Foto: Pater James Channan mit Teilnehmern der Versöhnungszeremonie in der Krankenhauskapelle. © P. James Channan OP


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Lesermeinungen

 pjka 20. Mai 2021 

Autobahn

Das Blasphemiegesetz wird oft mißbraucht um unliebsame Mitbürger zu denunzieren.
Sowas gibts bei uns auch. Man muß nur "Autobahn" sagen und schon ereifern sich haufenweise Gutmenschen, die politische Gesinnung des Sprechenden in Frage zu stellen.
Framing ist international und interkulturell. Es erspart einem die mühsame Diskutiererei. Denunzieren ist wieder in und die, die Deutschlands schlimmste Geschichte am meisten verurteilen beherrschen das System inzwischen perfekt.


3
 

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