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Vatikan: Bischöfe fordern langfristige Begleitung von Ehepaaren18. Oktober 2026 in Chronik, 10 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Spanischer Kardinal Cobo bei Bischofstreffen zum Jubiläum von "Amoris laetitia": Grundsätzliche Neuausrichtung der Seelsorge statt bloß ergänzende Angebote nötig -"Haben wir die Paare mehr auf die Hochzeit als auf die Ehe vorbereitet?"
Vatikanstadt (kth.net/ KAP)
Die katholische Kirche muss Ehepaare über die Hochzeit hinaus begleiten und stärker auf die verschiedenen Phasen des gemeinsamen Lebens eingehen: Dafür hat sich der Erzbischof von Madrid, Kardinal José Cobo, beim derzeit in Vatikan stattfindenden internationalen Bischofstreffen ausgesprochen. Es gehe nicht nur darum, neue Seelsorgeangebote zu entwickeln, sondern die pastorale Arbeit grundsätzlich neu auszurichten, sagte Cobo am Samstag bei der Tagung zum zehnten Jahrestag des päpstlichen Schreibens "Amoris laetitia" über Ehe und Familie.
"Haben wir die Paare mehr auf die Hochzeit als auf die Ehe vorbereitet?", fragte der Kardinal. Die Kirche müsse sich stärker an den Lebenswegen der Menschen orientieren und sich fragen, ob sie die Paare von Beginn an wirklich verstehe. "Amoris laetitia hat uns geholfen, die Wirklichkeit der Ehe anders zu betrachten und neue pastorale Horizonte eröffnet", erklärte Cobo.
Die Begleitung müsse bereits vor der Verlobung beginnen und junge Menschen dabei unterstützen, Beziehungen aufzubauen und ihre Berufung zu erkennen. Während der Partnerschaft gehe es darum, "vom vorgestellten zum wirklichen Gegenüber" zu gelangen und einander tatsächlich kennenzulernen. In der Ehe wiederum müssten Paare lernen, ihr gemeinsames Leben zu festigen. Als mögliche Anlässe für seelsorgliche Gespräche nannte Cobo das erste Ehejahr, die Geburt von Kindern sowie das dritte und fünfte Ehejahr. 
Veränderungen begleiten
Gerade in der Anfangszeit veränderten sich die Kommunikation zwischen den Partnern und die Organisation des Alltags. Unterschiede und Konflikte träten deutlicher hervor, zugleich beanspruchten berufliche und familiäre Aufgaben viel Aufmerksamkeit. "Junge Ehepaare bitten uns, sie bei diesen Veränderungen zu begleiten", sagte Cobo. Die Kirche müsse sich deshalb fragen: "Wer tut das?" und wie der Übergang vom Glaubensleben als Paar zum Glaubensleben als Familie unterstützt werden könne.
Auch spätere Lebensphasen erforderten Begleitung. Berufliche Veränderungen, finanzielle Schwierigkeiten, die Pflege älterer Angehöriger, Krankheit oder eine zunehmende Entfremdung könnten die Beziehung belasten. "Nicht alles ist eine Krise", betonte der Kardinal. Es brauche Möglichkeiten, die Partnerschaft rechtzeitig zu überprüfen, bevor Schwierigkeiten die Beziehung schwer beschädigten. Ehepaare sollten Hilfe in Anspruch nehmen können, ohne erst an ihre Grenzen gelangen zu müssen.
Eine zentrale Rolle komme dabei der Pfarrgemeinde und anderen kirchlichen Gemeinschaften zu. Viele Paare erlebten ihre Ehe in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft recht einsam. Die christliche Ehe sei jedoch "nicht nur die Geschichte zweier Menschen, sondern auch eine kirchliche Berufung", die innerhalb einer Gemeinschaft wachsen solle. Besonders wichtig seien Ehepaare, die andere Paare begleiteten - "nicht als Experten, sondern aus einer gelebten, reflektierten und geteilten Erfahrung heraus".
Cobo verwies zudem auf die Bedeutung der Partnerschaft für die Kinder. Eines der wichtigsten Vermächtnisse, das Eltern ihren Kindern hinterließen, sei die Beziehung, die sie miteinander aufgebaut hätten: wie sie miteinander sprächen, Konflikte bewältigten, einander verziehen und in schwierigen Zeiten zusammenhielten.
Hochzeit erst Beginn eines Weges
Ebenfalls am Samstag plädierte die argentinische Theologin María Marcela Mazzini dafür, die ersten Ehejahre als eigenständigen geistlichen Reifungsprozess zu begleiten. Sie bezeichnete diese Phase als "Mystagogie des gefeierten Sakraments": Das Sakrament der Ehe werde zwar bei der Trauung gespendet, müsse sich im gemeinsamen Alltag aber erst entfalten. Das Eheversprechen sei daher nicht der Abschluss, sondern der Beginn eines gemeinsamen Weges.
Zu den Herausforderungen der ersten Ehejahre zählte Mazzini die Gestaltung des Alltags, finanzielle Fragen, unterschiedliche Lebensvorstellungen sowie Kommunikation, Konflikte und Intimität. Ein gemeinsames "Wir" entstehe nicht automatisch aus der Liebe zweier Menschen, sondern müsse sich aus ihren unterschiedlichen familiären Prägungen entwickeln. Die Begleitung junger Ehepaare müsse deshalb auch die entstehende Beziehung selbst in den Blick nehmen. "Einheit bedeutet nicht, Unterschiede aufzuheben; Zugehörigkeit bedeutet nicht, Besitz zu ergreifen; Fürsorge bedeutet nicht, zu beherrschen", betonte die Theologin.
Beratungen noch bis Mittwoch
Das Bischofstreffen im Vatikan steht zehn Jahre nach der Veröffentlichung von "Amoris laetitia" durch Papst Franziskus im Zeichen der Frage, wie die darin formulierten pastoralen Impulse heute umgesetzt werden können. Die Beratungen mit Vorsitzenden von Bischofskonferenzen und Vertretern der katholischen Ostkirchen - für Österreich nimmt Erzbischof Franz Lackner teil - dauern noch bis Mittwoch.
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Lesermeinungen| | Kamillo 19. Oktober 2026 | | | | Beziehungssehnsucht ist noch keine Ehefähigkeit @Paddel Dass Priester leibliche Menschen sind, steht außer Frage. Daraus folgt jedoch keine fachliche Kompetenz für Paararbeit. Auch Mut und Berufungsbewusstsein ersetzen diese nicht. Mein Anliegen ist, die Ehefähigkeit selbst zu prüfen. Wer sich nach Partnerschaft sehnt, kann deshalb noch nicht verbindlich Beziehung gestalten, Konflikte austragen und Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen. In der psychiatrischen und psychotherapeutischen Arbeit begegnen uns die leidvollen Folgen solcher Schwierigkeiten. @Versusdeum In der Beichte von Ehekrisen zu erfahren, ist wertvoll. Eine konkrete Beziehungsdynamik zu erkennen und mit beiden Partnern daran zu arbeiten, verlangt darüber hinaus eigene Kenntnisse und Fähigkeiten. Allgemeine Ratschläge oder die Aufforderung zum Aufopfern reichen dafür nicht aus. Geistliche Begleitung und qualifizierte Paararbeit können einander ergänzen. Dazu müssen wir die jeweils erforderliche Kompetenz ernst nehmen. |  2
| | | | | modernchrist 19. Oktober 2026 | | | | Seit Jahren plädiere ich dafür, schon in die Konfi- und die Firmvorbereitung ein Modul "Verantwortung in Partnerschaft und Liebe" einzubauen! Wenige Monate oder Jahre später sind viele dieser Jugendlichen bereits in verhütungsgestützten Sexualverhältnissen! Niemand hat ihnen dazu Normen und Hilfen beigebracht, bei vielen Eltern und kaputten Ehen sehen sie auch nicht immer nur Vorbildliches. Der Satz "Was ich mir vertraut gemacht habe, dafür bin ich ein Leben lang verantwortlich" - könnte vielen Jugendliche die tiefe Verantwortung aufzeigen, die sie bei "Spielchen" und Freundschaften haben. Bei diesen Firmstunden haben wir die Jugendlichen noch: dann sind sie viele Jahre lang meist verschwunden! Also liebe Pfarreien: Nutzen sie diese Zeit für unsere Kinder! |  0
| | | | | Paddel 19. Oktober 2026 | |  | @Kamillo Glaube Priester sind keine rein geistliche Wesen:)
Jesus Christus selbst glaube ich auch nicht und ja, ER ist Bräutigam. Nicht nur in geistiger Weise:)... und er ist ein MANN mit allem was dazu gehört. Auch biologisch...
Zu Ihrer Frage:
"Die Begleitung müsse bereits vor der Verlobung beginnen..."
Priester, die ihre Berufung verstehen sind in der Regel auch wahrhaftig mutig. Respekt. |  0
| | | | | Psalm1 19. Oktober 2026 | | | | @Rolando "Erst die eigene Berufung erfragen, erbitten, dann ggf den Partner, den Jesus für einen vorgesehen hat, erbitten."
Diese weit verbreitete Ansicht scheint mir fraglich. Mir scheint, jede(r) sollte sich demütig prüfen. ob er/sie grundsätzlich ehefähig (nicht berufen) ist. Auch bei vorliegender Ehefähigkeit muss keine Berufung dazu vorliegen. Ob diese vorliegt, zeigt sich erst beim Kennenlernen des späteren Ehepartners. |  1
| | | | | Versusdeum 19. Oktober 2026 | | | | @Kamillo Als die Priester noch die Sünden der ihnen anvertrauten Gläubigen in der Beichte durch Christus vergaber, wussten sie auch sehr viel über Beziehungen und -krisen und konnten Begleiten und Ratschläge geben. Glaubt man aber leider zumindest hierzulande oft, nicht mehr nötig zu haben. |  1
| | | | | Rolando 19. Oktober 2026 | | | | Die Ehe ist Rosenbett und Dornenbett Mit der Kirche, mit Jesus und Maria sollte man sich auf die Ehe vorbereiten. Erst die eigene Berufung erfragen, erbitten, dann ggf den Partner, den Jesus für einen vorgesehen hat, erbitten. Falls das nicht geschehen ist, helfen Jesus und Maria, der Hl. Josef auch, die Ehe zu leben, ggf. das Ehekreuz zu tragen. Der ungläubige Partner kann vom gläubigen "Kreuzträger" geheiligt werden. Wenn z. B. die Frau ihren natürlichen Erziehungsauftrag nicht nur bei den Kindern, sondern auch beim Ehemann anwendet, kann es große Probleme geben. |  1
| | | | | Kamillo 18. Oktober 2026 | | | | Ehevorbereitung braucht Urteilskraft @Paddel Die Gleichsetzung „Ehepastoral ist Priesterpastoral und umgekehrt“ greift erheblich zu kurz. Wer seine Priesterberufung versteht, kann deshalb noch lange nicht beurteilen, ob zwei Menschen die Voraussetzungen für eine Ehe mitbringen. Geistliche Einsicht ersetzt keine Kenntnisse über Beziehungsfähigkeit, psychische Reife und destruktive Beziehungsmuster. Hier braucht es konkrete Einschätzung und den Mut, eine Eheschließung gegebenenfalls aufzuschieben oder bei fehlenden notwendigen Voraussetzungen nicht zuzulassen. Der Wunsch nach einer kirchlichen Trauung ist noch kein Nachweis der Ehefähigkeit. Bei Priesterweihe und Ordensgelübden wird selbstverständlich geprüft, ob die Voraussetzungen vorliegen. Warum sollte die Kirche bei einer lebenslangen ehelichen Bindung weniger sorgfältig vorgehen? Frühzeitige Begleitung ist sinnvoll, wenn sie auch zu einer ehrlichen Prüfung führt. |  2
| | | | | SalvatoreMio 18. Oktober 2026 | | | | Verantwortung Alles gut und schön und sehr wichtig! Wenn aber in der Erziehung innerhalb der Familie vieles falsch läuft - und da gibt es unzählige Möglichkeiten - dann ist so mancher Ehe-Kandidat schon "verbogen" für eine gesunde gemeinsame Zukunft. |  0
| | | | | Paddel 18. Oktober 2026 | |  | Ehe und Priestertum @Kammillo:"Die Begleitung müsse bereits vor der Verlobung beginnen..." sagt er doch,...
Priester, die ihre Priesterberufung begreifen, begreifen auch die Berufung zur Ehe und umgekehrt. Um Paare zu begleiten muss der Begleiter selbst ein Verständnis für diese zwei Tandemsakramente haben. Also Ehepastoral ist Priesterpastoral und umgekehrt.
Jedenfalls bin ich dankbar für diese Erkenntnis von Kardinal Cobo, möge sie fruchten. |  1
| | | | | Kamillo 18. Oktober 2026 | | | | Vor der Trauung Verantwortung übernehmen Die Katholische Kirche muss ihre Praxis der Zulassung zum Ehesakrament grundlegend überdenken. Über langfristige Begleitung zu sprechen, ohne zuerst die Voraussetzungen für die Eheschließung sorgfältig zu prüfen, halte ich für naiv. Die Bitte um das Sakrament belegt noch keine hinreichende Vorbereitung und Befähigung. Bei Ordensgelübden und Priesterweihen wird zumindest theoretisch große Sorgfalt verlangt. Warum nicht ebenso bei einem lebenslangen Eheversprechen? Aus meiner Praxis weiß ich: Affektive Reife, Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Umgang mit Geld und Prägungen der Herkunftsfamilie sind entscheidend. Auch die Theologie des Leibes muss für das konkrete Beziehungsleben erschlossen werden. Wer hier vor der Trauung zu wenig investiert, kann hinterher nicht alles durch Begleitung auffangen. Sonst bleibt vieles Flickarbeit an vorhersehbaren Schwierigkeiten. Die Verantwortung der Kirche beginnt vor der Zulassung zum Sakrament. |  5
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