Kirchweihfest im Mailänder Dom, während draußen Explosionen und Sirenen zu hören sind

20. Oktober 2026 in Weltkirche


Bürgerkriegsähnliche Unruhen tobten auf dem Vorplatz des Mailänder Domes, massiver Polizeieinsatz – Gläubige: „Verängstigt, aber in Sicherheit, wir wurden in einen Kreuzgang des Erzbischöflichen Palais geleitet“


Mailand (kath.net/pl) „Drinnen und draußen – zwei Gesichter derselben Stadt. Samstagnachmittag, Mailänder Dom. Drinnen feiert Erzbischof Mario Delpini die Messe zum Jahrestag der Domweihe: Es ist der dritte Sonntag im Oktober, der Tag der Weihe der Mutterkirche – ein Ereignis, das auf das Jahr 453 n. Chr. zurückgeht, die Zeit nach der Verwüstung durch die Hunnen. Draußen sind die neuen Barbaren am Werk. Der Lärm der bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen dringt durch die Bronzetore bis zu den Gläubigen. Der Anlass ist ein besonderer: Eine Gruppe von Laien erhält nach zweijähriger Ausbildung ihren offiziellen Auftrag – sechs Katecheten, fünf Akolythen und drei Lektoren. Mit dabei sind der bischöfliche Vikar Don Giuseppe Como, der Leiter der Katechese Don Matteo Dal Santo sowie Gruppen von Gläubigen aus verschiedenen Pfarreien. Mit allem hatten sie gerechnet, nur nicht damit, dass sie den Dom durch die unterirdischen Gänge verlassen müssten.“ So beschreibt Sara Regina für die in Mailand erscheinende große überregionale Tageszeitung „Corriere della Sera“ die Vorgänge rund um den Mailänder Dom.

Annalia M. (53) schildert dem „Corriere della Sera“, was sie erlebte, als sie die Beauftragungsfeier einer Freundin mitfeiern wollte. Annalia war mit ihrer Tochter „früh in die Innenstadt gekommen. In der Galleria hörten wir einen lauten Knall und sahen vermummte Jugendliche, die über Absperrungen sprangen – dazu die Polizei mit ihren Schilden.“ Sie seien dann „schnell zum Domeingang gelaufen, genau in dem Moment, als ein Einsatzfahrzeug der Carabinieri eintraf.“ Die Feier begann planmäßig, aber sie „hörten Explosionen, Sirenen von Krankenwagen und Polizei, Stimmen und Geräusche vom Platz – ganz in der Nähe. Wir versuchten, uns zu konzentrieren, denn der Moment, den wir gerade erlebten, war von großer Bedeutung. Es war zugleich ein Moment des Engagements für die Stadt. Es war, als würden zwei Realitäten aufeinandertreffen.“

Am Ende der Messfeier informierte ein Sicherheitsmitarbeiter, dass die Gottesdienstgemeinde aus Sicherheitsgründen nicht hinausgehen dürfe. „Eigentlich fühlten wir uns geschützt, aber gleichzeitig wurde uns klar, dass die Lage draußen wirklich ernst sein musste.“ Das bange Warten dauerte etwa eine Viertelstunde, schildert der Beitrag im „Corriere della Sera“. Dann wies der Sicherheitsmitarbeiter den Gläubigen den Weg: rechts vom Altar – nicht zum Seitenausgang, sondern zu einer anderen Tür, hinter der eine Treppe nach unten führte. Annala erzählt: „Wir gingen durch einen unterirdischen Gang, stiegen dann wieder hinauf und landeten in einem Kreuzgang des Erzbischöflichen Palais. Von dort aus zeigte man uns den Ausgang zur Piazza Fontana. Da die U-Bahn an der Piazza Duomo geschlossen war, machten wir uns auf den Weg zur Piazza Missori. Wir fühlten uns innerlich gespalten: Während der Feier herrschte eine ganz bestimmte Atmosphäre, draußen hingegen eine völlig andere. Wir fragten uns, was wir selbst für unsere Stadt und unsere Stadtviertel tun können. Im Dom war die Stimmung sehr positiv; es gab einen Geist des Aufbruchs, den Wunsch, sich aktiv einzubringen. Mailand muss reagieren – denn so ist Mailand eigentlich nicht.“

„Sky News“ schilderte die Vorgänge auf dem Domplatz an diesem Samstagnachmittag folgendermaßen: „Mehrere hundert vermummte Demonstranten schlugen Schaufenster ein und setzten Behälter in der Nähe der zentralen Piazza del Duomo in Brand. Beamte in Bereitschaftsausrüstung feuerten Tränengas und benutzten Wasserwerfer, um die Unruhen zu unterdrücken.“ Etwa 60 Personen wurden vorübergehend festgenommen.

Foto: Symbolbild

Einige Videoeindrücke aus den Unruhen auf dem Mailänder Domplatz am Wochenende:

????#Guerriglia a #Milano: rogo a Piazza Duomo, vetrine sfondate a San Babila, petardi contro gli agenti; decine di feriti, 50 i fermati, la metà minorenni. A Bologna imbrattata la Basilica di San Petronio. A Torino vandalizzata anche una libreria. https://t.co/tQs93xBonp

— Rai Radio1 (@Radio1Rai) October 18, 2026

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