
9. Juli 2026 in Weltkirche
Der verbale Schlagabtausch zwischen US-Präsident Trump und Papst Leo um Krieg und Migration wurde weltweit beachtet und interpretiert - Nun gibt der US-Botschafter beim Vatikan Hintergrundinformationen dazu
Rom (kath.net/KAP/red) Zwischen Papst Leo XIV. und US-Präsident Donald Trump sieht der US-Botschafter beim Vatikan, Brian Burch, neben Divergenzen auch Gemeinsamkeiten. Burch äußerte sich in einem Gespräch mit italienischen Medien, über das die katholische Tageszeitung "Avvenire" am Mittwoch berichtete. Der Botschafter, der am 4. Juli den Papst zu einem Abendessen in seiner Residenz zu Gast hatte, erläuterte dazu: "Es gibt Divergenzen, vor allem zu der Frage, wie die Politik der USA mit der Soziallehre der Kirche vereinbar ist." Die entscheidende Frage sei aber nicht, ob die beiden Freunde werden, sondern ob das, was der Präsident zu erreichen versucht, mit dem, was der Papst für die Welt wünscht, in Einklang gebracht werden könne.
Der Diplomat sagte, Leo XIV. sei "zutiefst amerikanisch", er liebe und respektiere sein Vaterland. Wo es Differenzen gebe, hoffe der Papst auf eine bessere Zusammenarbeit.
Burch verriet Details zum Besuch des Papstes in der Residenz. Leo XIV., der wie Botschafter Burch lange in Chicago gelebt hat, sei - abgesehen von Sicherheitsleuten - ganz alleine gekommen. Zum ersten Mal seit über 100 Jahren habe ein Papst einen Botschafter zum Abendessen besucht.
Bei dem Besuch hat der Papst gesagt, erläutert Burch, dass vieles von dem, was er tue, irrtümlich als Kritik an den USA interpretiert werde. Das gelte auch für seinen Besuch auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa, den er am amerikanischen Unabhängigkeitstag vor dem Besuch beim Botschafter absolvierte: "Er hat mir versichert, dass das nicht gegen die USA gerichtet sei". Viele Kommentatoren hatten dies anders gedeutet.
Zum Thema Migration erklärte der Botschafter, der Papst meine nicht, dass die Bereitschaft zur Aufnahme von Migranten bedeute, eigene Gesetze zu missachten. Wenn der Papst Vorfälle bei der Anwendung der US-Gesetze gegen illegal Eingewanderte kritisiere, erinnere er damit an humanitäre Prinzipien, kommentiere aber nicht die Einwanderungspolitik der USA.
Burch bestätigte, dass es bis heute kein Telefonat zwischen Trump und Papst Leo gab. Er erklärte, Trump sei sehr beschäftigt. Wenn es opportun und notwendig sei, werde er auch mit dem Papst sprechen. Es gebe aber einen ständigen Gesprächskanal.
Zu den weltweit beachteten Verbalattacken Trumps gegen den Papst erklärte Burch, als Staatsoberhaupt dürfe auch der Papst kritisiert werden. Dennoch gebe es zwischen Trump und dem Papst mehr Gemeinsamkeiten, als viele denken. Trump sei gewählt worden, um komplexe Fragen anzugehen. Das gelte ebenso für den Papst.
Manche Ziele teilten beide. Dazu gehöre, dass der Iran keine Atomwaffen haben dürfe. Zu der von Papst Leo XIV. abgelehnten Reise in die USA im laufenden Jahr erklärte Burch, der Papst wolle nicht als zu proamerikanisch wahrgenommen werden; deswegen habe er entschieden, zunächst nicht in die USA zu reisen. Die Meinungsverschiedenheiten mit Trump seien nicht der Grund.
Die Mahnungen des Papstes, den Namen Gottes nicht für Kriege zu missbrauchen, richteten sich, anders als von vielen Kommentatoren gedeutet, nicht gegen die USA, erläutert Burch. "Die USA führen keine religiösen Kriege und zielen nicht auf Zivilisten, wie das der Iran tut", so der Botschafter.
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Foto aus dieser Begegnung (c) Amerikanische Botschaft am Heiligen Stuhl
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