Der deutsche Frauenweiheämterstuhlkreis

6. Juli 2026 in Kommentar


Sie tun es schon wieder. Eigentlich ist klar, dass es keine Priesterinnen in der katholischen Kirche geben wird. Doch die deutschen Bischöfe zeigen sich uneinsichtig und lassen die verbotene Diskussion zu. Der Montagskick von Peter Winnemöller


Rom (kath.net)

Die Deutsche Bischofskonferenz und die oberste Versammlung deutscher Laienfunktionäre, „ZdK“, haben in ihrer Gemeinsamen Konferenz beschlossen, eine neue Kommission einzusetzen. Die Gemeinsame Konferenz fungiert scheinbar einstweilen als das subkutane Ersatzgremium für die noch immer nicht von Rom genehmigte Synodalkonferenz. Immerhin geht das eine oder andere umstrittene Papier, zum Beispiel diese ominöse Handreichung mit dem sonderbaren Titel „Segen gibt der Liebe Kraft“, auf deren Beschluss zurück. In einem Brief an die Mitglieder der Bischofskonferenz sowie die Berater der Glaubens- und Pastoralkommission wurde bekannt gegeben, dass es nun ein Bewerbungsverfahren für die Mitarbeit in der Kommission „Frauen in sakramentalen Ämtern in einer weltweiten Perspektive“ geben solle. Laut dem von DBK-Generalsekretärin Beate Gilles unterzeichneten Schreiben war die Kommission vom Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz im November 2024 eingerichtet worden. Grundlage dazu sei der im März 2023 verabschiedete Handlungstext des Synodalen Weges „Frauen in sakramentalen Ämtern – Perspektiven für das weltkirchliche Gespräch“.

Nun steht der gewöhnlich Katholik da und reibt sich die Augen. Immerhin hatte der Heilige Papst Johannes Paul II. bereits im Jahr 1994 in seinem Apostolischen Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ klargestellt, dass „die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden“, und dass sich „alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“. Die Diskussion um diese Frage ist seitdem beendet. Zudem hat es im Rahmen einer Donaukreuzfahrt eine sogenannte "Priesterinnenweihe " bereits am 29. Juni 2002 gegeben. Auf dem Ausflugsschiff MS Passau simulierte der exkommunizierte argentinische Bischof Rómulo Braschi an sieben Frauen (die sogenannten Danube Seven) eine Weihehandlung, die natürlich völlig folgenlos blieb. Die seit der Weihesimulation exkommunizierte Gruppe bestand aus vier Deutschen, zwei Österreicherinnen und einer US-Amerikanerin. Keine dieser Frauen wurde danach zu einer Priesterin der katholischen Kirche. Aus dieser Showaktion ging die weltweite Bewegung „Roman Catholic Women Priests“ (RCWP) hervor. Es handelt sich dabei um eine schismatische und häretische Bewegung, die mit der katholischen Kirche in keinerlei Zusammenhang steht. Nach Angaben der Organisation wuchs die Zahl der selbsternannten Priesterinnen inzwischen auf weltweit über 280 an. Keine dieser Frauen ist befugt oder befähigt, gültig oder erlaubt, Sakramente zu spenden.

Will man wissen, wohin die Bewegung dieses neu eingerichteten Frauenweiheämterstuhlkreises geht, dann kann die Antwort nur lauten, in Richtung einer Donaukreuzfahrt. Entgegen allen Behauptungen, die katholische Kirche in Deutschland mache nichts ohne Rom, liegt hier klar der Beweis auf der Hand, dass sich weder die Konferenz der Bischöfe noch das Sekretariat in Bonn um irgendetwas schert, was aus Rom kommt. Die Ansage in „Ordinatio sacerdotalis“ war sehr klar. Die Tatsache, dass die Kirche keine Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, ist verbindlich und für alle Zeit entschieden und alle haben sich daran zu halten. Eine weitere Diskussion wird es nicht geben. Sogar die Frage, ob das Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ de fide ist, ist von Rom mehrfach und eindringlich bestätigt worden. Es handelt sich also um eine verbindliche und unveränderliche Entscheidung. Keine Gemeinschaft, die Weihehandlungen an Frauen simuliert, kann in Einheit mit der Kirche stehen.

Nun stellt sich die große Frage, warum deutsche Bischöfe sich nicht zu schade sind, schon wieder einen solchen irreführenden Weg in Richtung grobe Enttäuschung zu gehen. Man mache sich nichts vor: Rom wird wieder und wieder und wieder auf der Unmöglichkeit der Priesterinnenweihe beharren. Wie groß waren schon die Enttäuschungen, als es „nur“ um die Laienpredigt ging. Zwei Dinge sollten klar sein, diejenigen, die sich bis jetzt nicht an das schon lange existierende und mehrfach betonte Verbot gehalten haben, werden es auch jetzt nicht tun. Das andere ist, dass Rom natürlich aus einer predigenden Gemeindereferentin kein Drama machen wird. Hier wird der Ungehorsam auch weiter immanent folgenlos bleiben. Was die geistlichen Folgen eines solchen Ungehorsams sind und wie sich ein solcher vielleicht auf das Seelenheil der betroffenen auswirkt, steht vielleicht noch mal auf einem anderen Blatt. Heiligkeit hat auch immer etwas damit zu tun, auch in Widrigkeiten auszuharren und auf die Kirche zu hören. Gehorsam ist ein aktives Tun, kein blankes Erdulden.

Nun möchte man gerade denjenigen unter den deutschen Bischöfen, die unbelehrbar sind und den Frauen falsche Hoffnungen einflüstern, zurufen: Dann handelt doch endlich. Danach werden wir sehen, was passiert. Jeder kann es wissen. Ein Bischof, der eine Weihesimulation an einer Frau vornimmt, ist ad hoc exkommuniziert. Das hat übrigens Papst Franziskus so dezidiert ins Kirchenrecht geschrieben. Zum anderen wird er flugs seines Amtes enthoben sein. Noch Fragen, warum es sich trotz episkopalen Maulheldentums keiner traut, es zu probieren? Sie kennen die Folgen. Alle. Sie wissen aber auch, das die Funktionär*glucks*Innen nicht aufgeben werden. Die grauhaarigen Damen lassen ihre Tischgenossen vom Synodalen Weg nicht vom Haken. Die Herren mit den Mitren wissen, dass selbst die jüngsten unter ihnen kaum noch 20 Jahre im Amt sein werden. Meist ist es weitaus weniger. Also gilt der alte Satz: Und wenn du nicht mehr weiterweißt, dann gründe einen Arbeitskreis. Damit hat man fünf bis sieben Jahre gewonnen. Dann gibt man Papiere nach Rom und hofft auf lange Bearbeitungszeiten in den Dikasterien.

Die Römer werden ihren deutschen Brüdern sicher den Gefallen tun und lange über den Papieren aus deutschen Federn brüten. Mit wohlgesetzten Worten werden sie so antworten, dass sie keine Antworten geben. Diplomatisch werden Kuriale und der Nuntius die deutschen Mitbrüder wissen lassen, dass man ihren Einsatz zu schätzen weiß. Vielleicht gründet man in Rom auch eine Kommission. Am Ende wird sehr pastoral und einfühlsam auf „Ordinatio sacerdotalis“ hinweisen und feststellen, dass man nichts tun kann. Jene Damen unter den Funktionär*glucks*Innen, die noch jung genug sind, sei geraten, sich die Donau anzusehen. Vielleicht macht es der Bischof Rómulo noch einmal. Danach Spenden sammeln, eine der vielen zum Verkauf stehenden Kirchen kaufen und sich selbständig machen. Warum nicht. Martin Luther hat seine Existenzgründung sogar unter Lebensgefahr durchgezogen. Er war sich sicher, dass ihm der Kaiser ans Leder will. Diese Gefahr besteht heute nicht mehr. Das Schlimmste, was einer selbsternannten Pastorin passieren kann, ist eine Warnung im Amtsblatt der Diözese. Mit ein paar potenten Spendern und einer kleinen Dorfkirche, einer Donaukreuzfahrt im Rücken, kann frau munter und enttäuschungsfrei vor sich hinpriestern. Ironie off.

Im wirklichen Leben der Kirche bräuchten wir nun ein paar mutige Bischöfe, die sich nicht nur der Kommission nicht anschließen, sondern auch mal in katechetischen Predigtreihen dem katholischen sakramentalen Amt widmen und das Volk in einer Form lehren, dass es auch die Zweifler verstehen, was der Heilige Papst uns gesagt hat. Denn wenn die Klerikalkarte, das gilt übrigens nicht nur für Frauen, nicht mehr im Stock ist, also auch nicht mehr gezogen werden kann, dann tun sich für einen gläubigen und bekennenden Christen noch so manches an Optionen auf. Selbst in der Pastoral kann ein Angestellter der Kirche ebenso wie ein Ehrenamtler sehr viele wichtige Aufgaben übernehmen. Vor allem in einer Zeit, in der die absolute Zahl der geweihten Priester so massiv abnimmt, kann es sehr sinnvoll sein, hier Aufgaben zu übernehmen. Wichtig ist die Klarheit, dass katholische Seelsorge immer sakramental ist. Somit ist die Assistenz in der Seelsorge, die ein Laie übernimmt, immer auf die Sakramentalität des Handelns der Kirche ausgerichtet. Der Dienst eines Christen in der Welt, der eine Aufgabe in der Kirche übernimmt, geht von den Sakramenten aus und führt zu den Sakramenten hin. Ist dieser Aspekt klar, dann gibt es nicht den geringsten Grund, sich ohne Priesterweihe irgendwie minderwertig zu fühlen.

Dabei ist die Sehnsucht zum Amt hin, egal wer sie empfindet, erst einmal gar nichts negatives. Es ist ja im Kern nicht weniger als die Wertschätzung des Priestertum, wenn sich ein inneres Sehnen danach breit macht. Und während es in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft im Grunde einfacher ist, eine maskuline Exklusivität des Amtes zu erklären, so wachsen die Probleme in die Wolken, wenn sich die Gesellschaft wandelt. Das eine wie das andere zeigt die gebrochene Natur des Menschen, denn weder der Mann noch die Frau sind das bessere oder schlechtere, das wertvollere oder wertlosere Geschlecht. Und weil die Priesterweihe Männern vorbehalten ist, ist das weder ein Privileg noch steht jedem Mann dieser Weg offen. Die jetzige Krise des Amtes ist keine Frage, ob die Kirche Frauen weiht oder nicht, ob Priester verheiratet sein sollen oder nicht. Es ist eine Frage, ob der theologische Gehalt des priesterlichen Dienstes tiefer verstanden wird oder nicht. Der numerische Mangel an Priestern ist auch ein Mangel an einem ernsten Wunsch nach Priestern, der wiederum ein nicht zu vernachlässigender Mangel an Glauben im Volk ist. Priester wachsen nicht auf Bäumen, sie wachsen in gläubigen Familien heran. Aber vorsichtig! Der Umkehrschluss gilt nicht. Nicht in jeder gläubigen Familie wächst ein Priester heran. Reden wir auch in der Situation des Mangels keine Berufungen herbei. Priester sind und bleiben ein Geschenk Gottes an sein Volk. Auch wenn es in vielen Konstellationen sinnvoll ist, die Sozialform des Stuhlkreises zu wählen. Es mag etwas polemisch wirken, doch Stuhlkreise, egal in welcher Konstellation, sind eher geneigt, Priesterverhinderungskreise zu sein. Theologie und Katechese sollten hier sehr ernsthaft nachschärfen. Der Blick des Priesters geht nicht in die Runde, sondern gen Osten dem kommenden Herrn entgegen. Denn auch das ist ein Wesenszug des Priestertums, dass nämlich seine Ausrichtung immer auch parusieorientiert ist.

Bild oben: Symbolbild. Interessiert sich wirklich noch jemand für diese endlosen Stuhlkreise? Foto: Peter Winnemöller mit AI erstellt.


© 2026 www.kath.net