
25. Juni 2026 in Kommentar
Der bekannte Medienbischof Barron übt schwere Kritik am früheren Präsidenten der Päpstlichen Akademie für das Leben wegen dessen „Sprache einer modischen Postmoderne, und sie ist in der Tat gefährlich“.
Winona-Rochester (kath.net) „Das Interview des Erzbischofs erinnerte mich – offen gesagt – an die Gespräche, die ich während der Synode zur Synodalität mit einigen meiner deutschen Kollegen geführt habe. Unter dem Vorwand der Lehrentwicklung waren sie bestrebt, die der klassischen Moral zugrundeliegenden Prinzipien zu relativieren oder radikal zu verändern. Wenn dies tatsächlich das Spiel ist – und war –, dann haben wir uns auf gefährliche Gewässer begeben.“ Das schreibt Robert Barron, Bischof der Diözese Winona-Rochester (US-Bundesstaat Minesotta), Gründer der wichtigen Medienorganisation „Word on Fire“, Vorsitzender des Ausschusses für Laien, Ehe, Familienleben und Jugend der US-amerikanischen Bischofskonferenz und Theologieprofessor, auf seinem Auftritt auf X. Der bekannte Medienbischof Barron (siehe Link) bezieht sich auf ein „SettimanaNews“-Interview, das der frühere Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, der keineswegs unumstrittene Kurienerzbischof Vincenzo Paglia (siehe Link), gegeben hatte. „SettimanaNews“ ist eine italienischsprachige Online-Zeitung und Plattform, die sich auf religiöse, theologische, pastorale und kirchliche Themen konzentriert und vom Männerorden der Herz-Jesu-Priester herausgegeben wird.
kath.net dokumentiert das Statement von Bischof Robert Barron auf X wegen seiner Wichtigkeit in voller Länge in kath.net-Übersetzung:
In einem kürzlich geführten Interview bestätigte Erzbischof Vincenzo Paglia, der ehemalige Großkanzler des Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie, die schlimmsten Befürchtungen vieler von uns.
Er räumte ein, dass die von ihm am Institut während der Amtszeit von Papst Franziskus vorgenommenen Änderungen darauf abzielten, eine „sehr tiefgreifende“ Reform des Konzepts des Naturrechts einzuleiten.
Anstelle absoluter moralischer Normen, die auf einem fundierten Verständnis der Grundgüter beruhen, schlugen er und seine Kollegen eine Moraltheorie vor, die in der historischen Unterscheidung subjektiver und kultureller Erfahrungen wurzelt – keine „Theologie am grünen Tisch“, sondern eine, die „innerhalb der Geschichte und des Lebens der Menschen“ operiert.
Dies ist natürlich die Sprache einer modischen Postmoderne, und sie ist in der Tat gefährlich.
Gestatten Sie mir, dieses Prinzip an einem Beispiel zu verdeutlichen. Ist Sklaverei falsch?
An sich falsch? Falsch, ungeachtet dessen, was öffentliche Meinungsumfragen dazu sagen, und ungeachtet des jeweiligen aktuellen Konsenses? Ich gehe davon aus, dass jeder anständige Mensch dies bejahen würde.
Doch dieses Ja setzt genau das voraus, was die Tradition als Naturrecht und Grundgüter bezeichnet. Es gibt Werte, die so grundlegend sind, dass Handlungen, die ihnen zuwiderlaufen, ihrem Wesen nach böse sind.
Wer eine höchst präzise Darlegung dieses Gedankens sucht, sei auf die Enzyklika „Veritatis Splendor“ des heiligen Johannes Paul II. verwiesen.
Wenn wir behaupten, dies sei lediglich „Theologie am grünen Tisch“ und Moral sei eine Funktion sich ständig wandelnder kultureller und erfahrungsbasierter Daten – warum ließe sich dann die Sklaverei nicht rechtfertigen?
Einer der klügsten Menschen, die je gelebt haben, der Philosoph Aristoteles, hielt sie für gerechtfertigt; auch äußerst intelligente und moralisch integre Persönlichkeiten in unserem Land hielten sie bis weit ins 19. Jahrhundert hinein für zulässig.
Wer kann sagen, ob sich der Konsens nicht wieder in die andere Richtung verschieben könnte? Wer kann ausschließen, dass „gelebte Erfahrung“ sie eines Tages rechtfertigen könnte?
Was jedes wahrhaft schlüssige moralische Konzept erfordert, ist genau das, was Erzbischof Paglia und seine Kollegen abzuschaffen versuchten: absolute moralische Normen.
Sie im Namen der Freiheit oder pastoraler Sensibilität aufzugeben, macht den moralischen Diskurs funktionsunfähig – so wie die Relativierung der Grundprinzipien der Logik jedes vernünftige Gespräch unmöglich machen würde.
Das Interview des Erzbischofs erinnerte mich – offen gesagt – an die Gespräche, die ich während der Synode zur Synodalität mit einigen meiner deutschen Kollegen geführt habe. Unter dem Vorwand der Lehrentwicklung waren sie bestrebt, die der klassischen Moral zugrundeliegenden Prinzipien zu relativieren oder radikal zu verändern. Wenn dies tatsächlich das Spiel ist – und war –, dann haben wir uns auf gefährliche Gewässer begeben.
Archivfoto Bischof Barron (c) Diözese Winona-Rochester
In a recent interview, Archbishop Vincenzo Paglia, former grand chancellor of the John Paul II Institute on Marriage and Family Life, confirmed the worst suspicions that many of us had.
— Bishop Robert Barron (@BishopBarron) June 22, 2026
He admitted that the changes he made at the Institute during the Pope Francis years were…
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