Islamistengruppe ‚Nūr al-ʿIlm‘ breitet sich in Norddeutschland aus

7. April 2026 in Deutschland


Der Verfassungsschutz beobachtet deutschlandweit eine Radikalisierung, besonders unter jungen Männern. ‚Nūr al-ʿIlm‘ ist kein Einzelfall.


Berlin (kath.net/jg)
Die Islamistengruppe „Nūr al-ʿIlm – Licht des Wissens“ breitet sich in Norddeutschland aus. Sie wird vom Verfassungsschutz als salafistisch eingestuft und steht im Verdacht, eine extremistische Ideologie mit homophoben, frauenverachtenden und gewaltverherrlichenden Inhalten zu verbreiten. Die Gruppe hat ihren Ursprung in Bremen und missioniert vor allem über soziale Medien und Straßenmissions-Aktionen junge Männer, berichtet NiUS.de.

„Nūr al-ʿIlm“ präsentiert sich offiziell als Bildungsinitiative, die „authentisches islamisches Wissen“ vermitteln will. Tatsächlich ordnen Sicherheitsbehörden die Gruppierung dem extremistisch-salafistischen Spektrum zu. Sie betreibt einen YouTube-Kanal und ist auf Plattformen wie Instagram, TikTok, Telegram und Discord aktiv. Dort veröffentlicht sie regelmäßig Videos zu islamischen Themen, die nach Einschätzung des Verfassungsschutzes ein schwarz-weißes, spalterisches Weltbild propagieren.

Ein zentraler Kopf der Gruppierung soll Abdur Rahman Shadid sein. Die Mitglieder sind überwiegend junge Erwachsene und Jugendliche. Die Organisation richtet sich gezielt an eine junge Zielgruppe und bietet neben Online-Inhalten auch mehrtägige Seminare, Hadith-Kurse und Umra-Reisen (Pilgerreisen) an.

Laut Berichten verbreitet die Gruppe Inhalte, die Homosexualität als todeswürdig darstellen und zur Gewalt gegen „Ungläubige“ aufrufen. Züchtigung der Frau wird als erlaubter Gewaltakt beschrieben, wenn sie auf falschem Verhalten beharre. 

Die Gruppierung hat ihren Schwerpunkt in Norddeutschland, insbesondere in Bremen, von wo aus sie missioniert. Der Bremer Verfassungsschutz warnt seit Anfang 2026 explizit vor „Nūr al-ʿIlm“. Innensenatorin Eva Högl (SPD) betonte, dass die Sicherheitsbehörden die Gruppe „fest im Blick“ haben und mit allen Mitteln bekämpfen wollen. Die Ideologie wird als homophob, frauenverachtend und antisemitisch beschrieben.

Aktivitäten wie Straßen-Da'wa, also Missionierungen im öffentlichen Raum, wurden auch in anderen Regionen beobachtet, etwa mit Infoständen in Städten wie Dortmund, Düsseldorf und Essen. Dennoch liegt der Fokus klar auf Norddeutschland. Die Gruppe organisiert Spendenaufrufe und versucht, über professionell wirkende Social-Media-Kanäle neue Anhänger zu gewinnen.

Der Bremer Verfassungsschutz sieht in „Nūr al-ʿIlm“ eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden und die Demokratie. Die Gruppe wird mit einer zutiefst spalterischen Ideologie in Verbindung gebracht. In der Bremischen Bürgerschaft wurde im Januar 2026 über die Bedrohung debattiert. Auch in anderen Bundesländern, darunter Nordrhein-Westfalen, beschäftigen sich die Innenministerien mit der Ausbreitung.

Islamismus-Expertinnen wie Sigrid Herrmann warnen vor den gut organisierten Strukturen der Gruppe, die gezielt auf junge Menschen abzielt und ein geschlossenes Weltbild vermittelt.

„Nūr al-ʿIlm“ ist kein Einzelfall, sondern reiht sich in die salafistische Szene in Deutschland ein, die seit Jahren durch Missionierung und Online-Propaganda wächst. Der Verfassungsschutz beobachtet bundesweit eine Radikalisierung, insbesondere unter jungen Männern. Die Kombination aus charismatischen Predigern, modernen Medien und scheinbar harmlosen „Bildungsangeboten“ macht solche Gruppen gefährlich.

 


© 2026 www.kath.net