
7. März 2026 in Aktuelles
Dies hat der Kanzler der Diözese Reykjavik in einem Interview festgestellt. Für die Polizei ein Grund, die Aussagen des Priesters wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Verbot von Konversionstherapien zu prüfen.
Reykjavik (kath.net/jg)
Die katholische Kirche in Island hilft Menschen mit homosexuellen Neigungen enthaltsam zu leben. Der „kanslari“ (Kanzler) der Diözese Reykjavik betonte in einem Interview, die Kirche sei verpflichtet, diese Art der Hilfestellung zu leisten. In Island wurde 2023 ein Gesetz gegen Konversionstherapien beschlossen, berichtet die isländische Nachrichtenseite Rúv.
Die katholische Kirche betont den Unterschied zwischen homosexuellen Neigungen und aktiver homosexueller Lebensweise. Homosexuelle Menschen dürften die Kommunion empfangen, solange sie keine gleichgeschlechtlichen Beziehungen führen. Gleichzeitig müssten sie „ihr eigenes Leben wirklich prüfen“, sagte Kanzler Jakob Rolland im Interview mit einem isländischen Podcast.
Auf die Frage, ob die Kirche hoffe, dass homosexuelle Menschen sich mit der Zeit ändern, antwortete Rolland bejahend und erklärte, die Kirche leiste dabei „Hilfe“ – eine Unterstützung, die in der modernen Gesellschaft fehle. Er erwähnte konkrete Fälle, in denen Menschen gezielt die katholische Kirche in Island aufgesucht hätten, um „aufzuhören“, homosexuell zu sein. Psychologen oder Sozialarbeiter stünden solchen Personen seiner Ansicht nach nicht zur Verfügung, weshalb die Kirche diese Lücke füllen müsse.
Die angebotene Hilfe bestehe vor allem aus Teilnahme am Gemeindeleben, Gebet, Gottesdiensten und Gesprächen mit Priestern, Nonnen und Gemeindemitgliedern. Rolland betonte: „Jeder, der in die Kirche kommt, hat seine Probleme und Sünden“ und kämpfe mit „schlechten Neigungen“. Der Begriff „Konversion“ oder Umkehr sei im katholischen Alltag zentral – eine ständige Abkehr vom Bösen hin zum Guten.
Die Definition von Konversionstherapien lautet: Methoden zur Veränderung, Unterdrückung oder Beseitigung sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität. Rolland stellte dazu fest, dass die sexuelle Orientierung sei nur ein Faktor unter vielen in Bezug auf eine Lebensweise, die weder dem Individuum noch der Gesellschaft guttue.
Das isländische Parlament hatte bereits 2023 ein Gesetz gegen Konversionstherapien beschlossen, das 2024 in Kraft trat. Es verbietet es, Personen durch Zwang, Täuschung oder Drohung zu unbewiesenen Behandlungen zu veranlassen, die auf die Unterdrückung oder Änderung der sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder des Geschlechtsausdrucks abzielen – insbesondere bei Minderjährigen und bei Zwang.
Die katholische Kirche vertritt die Position, keine Konversionstherapie im eigentlichen Sinne durchzuführen, da es sich nicht um medizinische Behandlungen, sondern um moralische und spirituelle Begleitung handle. Kritiker sehen jedoch genau darin das Problem: Wer das Ziel verfolgt, eine sexuelle Orientierung zu unterdrücken oder zu verleugnen, betreibe de facto Konversionstherapie – unabhängig von der Methode.
Die Polizei von Reykjavik kündigte an, die Aussagen zu prüfen und zu bewerten, ob von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden soll. Bei Verstößen drohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafe.
Die Justizministerin hat das Amt für Gleichstellungsfragen beauftragt, eine Überprüfung des Anwendungsbereichs von Konversionstherapien in Island durchzuführen – eine Maßnahme, die bereits vor drei Jahren vom Allgemeinen und Bildungsausschuss des Parlaments empfohlen worden war.
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