Nigeria: Islamisten-Massaker mit über 160 Toten bei Überfall auf Dörfer

7. Februar 2026 in Weltkirche


Als Täter werden kriminelle Banden in Verbindung mit dschihadistischen Netzwerken vermutet


Abuja (kath.net/KAP) Bei einem großangelegten bewaffneten Angriff auf mehrere Dörfer im westnigerianischen Bundesstaat Kwara sind nach übereinstimmenden Angaben von Hilfsorganisationen und Menschenrechtsgruppen mehr als 160 Menschen getötet worden. Der Angriff ereignete sich zwischen Dienstagabend und Mittwochmorgen in der Region Kaiama nahe der Grenze zum benachbarten Bundesstaat Niger. Das ist seit Längerem von massiven Sicherheitsproblemen betroffen.

Besonders schwer betroffen war das Dorf Woro, eine Außenstation der katholischen Pfarre St. Paul in Sarabe. Augenzeugen berichteten laut einer Mitteilung der Diözese Kontagora, dass bewaffnete Angreifer systematisch von Haus zu Haus zogen, Bewohner erschossen, Gebäude niederbrannten und zahlreiche Menschen entführten. Auch Geschäfte und das Wohnhaus des traditionellen Dorfoberhaupts wurden in Brand gesetzt. Viele Einwohner flohen aus Angst vor weiteren Angriffen in umliegende Wälder und Nachbarregionen.

Nach Angaben des Roten Kreuzes in Kwara dauert die Suche nach weiteren Opfern an. Die Polizei bestätigte den Angriff, nannte jedoch zunächst keine offiziellen Opferzahlen. Die Regierung des Bundesstaates machte "terroristische Zellen" für die Tat verantwortlich. Lokale Politiker berichteten, dass auch das benachbarte Dorf Nuku angegriffen worden sei.

Menschenrechtsorganisationen kritisierten eine weitgehende Abwesenheit von Sicherheitskräften während der mehrstündigen Attacken. Amnesty International sprach von über 170 Todesopfern.

Unklar ist weiterhin, welche Gruppierung hinter dem Massaker steht. Präsident Bola Tinubu machte die islamistische Terrororganisation Boko Haram verantwortlich, während regionale Abgeordnete die Tat der bewaffneten Gruppe Lakurawa zuschrieben, die mit dem sogenannten "Islamischen Staat" in Verbindung stehen soll. Der Gouverneur von Kwara erklärte, viele der Opfer seien Muslime gewesen, die sich geweigert hätten, Forderungen extremistischer Prediger zu erfüllen. Behörden und Analysten weisen seit Längerem darauf hin, dass kriminelle Bandengruppen ("Banditen") zunehmend mit dschihadistischen Netzwerken kooperieren.

Als Reaktion auf die Angriffe wurde ein Armeebataillon in die Region entsandt. Die nigerianische Regierung bestätigte zudem erstmals offiziell die Anwesenheit eines kleinen US-Militärkontingents, das auf Bitte Nigerias nachrichtendienstliche Unterstützung und Ausbildung leisten soll. Die Sicherheitslage in Nigeria bleibt inzwischen angespannt: Neben islamistischen Aufständen kommt es landesweit zu Entführungen, Dorfüberfällen und Gewalt durch bewaffnete Banden. Das gilt zunehmend auch in Regionen, die früher als vergleichsweise stabil galten. Erst am Wochenende hatten Banden in derselben Diözese Kontagora ein Kloster, ein Spital und zwei protestantische Kirchen überfallen und weitere Dörfer gebrandschatzt.

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